Gleichstellungsbeauftragte übt Kritik: Frauen meist nicht in Führungspositionen zu finden

Gleichstellungsbeauftragte übt Kritik : Frauen meist nicht in Führungspositionen zu finden

Anneliese Wellens, SPD-Ratsfrau in Heinsberg und Gleichstellungsbeauftragte bei der Kreisverwaltung, nennt mögliche Gründe, warum es in den Führungspositionen der Stadtverwaltung in Heinsberg praktisch keine Frauen gibt.

Der Frauenanteil unter den Bediensteten der Stadt Heinsberg lag im Sommer letzten Jahren mit 59,82 Prozent um etwa zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt des gesamten öffentlichen Dienstes in ganz Nordrhein-Westfalen. Dass die Stadtverwaltung frauenfeindlich sei, kann man ihr somit sicher nicht unterstellen. Gleichwohl sieht die Leiterin der Stabsstelle Chancengleichkeit für Frauen und Männer beim Kreis Heinsberg, die für die SPD auch im Heinsberger Rat sitzt, dennoch und wiederholt massiv Grund zur Kritik. Ihr ist ein Dorn im Auge, dass es praktisch keine Frauen in wirklichen Führungspositionen gebe.

„Es ist nach wie vor ein Trauerspiel, dass die Stadt Heinsberg diesen Erfordernissen nicht nachkommt. Nur so ist zu erklären, dass der Gleichstellungsplan 2019 bis 2023 nur unwesentlich von dem bisherigen Frauenförderplan 2016 bis 2018 abweicht“, moniert sie. Es sei durchaus gut, dass der Frauenanteil im Beamtenbereich von 31,82 Prozent auf 36,36 Prozent erhöht werden konnte, von 21 auf 24 Personen.

Erfreulich sei in diesem Zusammenhang auch, dass inzwischen drei Kolleginnen in die Besoldungsgruppe A12 befördert worden seien. „Allerdings sind ab A13 und in Führungspositionen weiterhin keine Frauen zu finden. Trotz angeblicher großer Bemühungen ist es immer noch nicht gelungen, Frauen in Führungspositionen zu bekommen“, bemängelt Wellens. Die Ursache hierfür hat sie auch schon ausgemacht. Sie glaubt, dass dies damit zusammenhänge, dass keine transparenten Stellenbesetzungsverfahren durchgeführt würden und damit keine Bestenauslese erfolgen könne. Laut Landesgleichstellungsgesetz müssten jedoch in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert seien, zu besetzende Stellen in allen Dienststellen des Dienstherren ausgeschrieben werden. Und genau daran hapere es in Heinsberg, meint Wellens.

Bürgermeister Wolfgang Dieder sieht diese Notwendigkeit jedoch nicht. „Wenn jemand mal Führungskraft werden möchte, muss er sich auch melden. Im Haus weiß jeder, welcher Amtsleiter oder gehobene Beamter ausscheidet.“ Da brauche es keine Ausschreibung. Dieder ist vielmehr der Ansicht, dass die „Aufgabenzuweisung in den Familien“ der Grund dafür sei, dass sich Frauen nicht für derlei Ämter interessierten. Im Gleichstellungsplan für die Jahre 2019 bis 2023, den es jetzt zu verabschieden galt, heißt es dazu unter anderem, dass sich „weibliche Bedienstete aufgrund der Erziehung ihrer Kinder bislang für wesentlich längere Zeiträume vom Dienst befreien lassen als ihre männlichen Kollegen, dass sie eher in Teilzeit arbeiten und bisher weniger häufig eine Führungsposition anstreben“.

Es sollten zukünftig verstärkt Führungskräfteschulungen für Frauen angeboten werden, um die weiblichen Bediensteten auf die mögliche Übernahme von Führungspositionen vorzubereiten, hatte die SPD-Frau zwar positiv, aber ebenso verwundert zur Kenntnis genommen, „da derartige Schulungen für männliche Führungskräfte bisher offensichtlich nicht erforderlich waren“. Im Prinzip, meint Wellens später im Gespräch mit unserer Zeitung, „ist es in den Kommunen im Kreis Heinsberg überall ähnlich“. Lediglich die Kreisverwaltung selbst und die Stadt Wegberg bildeten da wohl eine rühmliche Ausnahme.

In Wegberg seien zum Beispiel das Amt des Ersten Beigeordneten und des Kämmerers jeweils durch eine Frau besetzt. Beim Kreis gebe es unter anderen eine Leiterin der Polizeiverwaltung, eine Dezernentin für Sozialamt, Jugendamt und Gesundheitsamt, eine Leiterin des Gesundheitsamtes – und die Stabsstelle für Kommunalaufsicht und Vergabeangelegenheiten sei ebenfalls mit einer Frau besetzt. Das sei sicher kein Zufall, glaubt Wellens. „Die SPD-Fraktion fordert deshalb, ab sofort interne Stellenausschreibungen vorzunehmen.“ Und wenn eine ausgeschriebene Führungsposition nicht durch eine interne Bewerberin besetzt werden könne, habe nach Landesgleichstellungsgesetz eine externe Stellenausschreibung zu erfolgen, sagt Wellens.