Heinsberg: Förderung: Bei VoTech wachsen Fasern fast von selbst

Heinsberg: Förderung: Bei VoTech wachsen Fasern fast von selbst

Die Aussichten seien attraktiv, sagte Marianne van Ooijen, die Geschäftsführerin der VoTech Filter GmbH in Heinsberg. Und das sicher nicht nur, weil der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel, am Mittwoch einen Förderbescheid über 296.000 Euro im Gepäck hatte.

„Durch Forschung und Entwicklung ist es uns möglich, die Basis für die Herstellung neuer Produkte zu erarbeiten und mittelfristig neue Absatzmärkte außerhalb des Erdgasbereichs zu erschließen. Nur dadurch kann das Überleben eines mittelständischen Betriebs gesichert werden“, meinte van Ooijen, die die Koordination eines innovativen Forschungsprojektes zur Entwicklung neuer, effizienter Filter für die Reinigung von Gasen, Wasser und Erdöl übernommen hat.

Das Projekt wird von VoTech in Zusammenarbeit mit dem DWI — Leibniz-Institut für Interaktive Materialien aus Aachen, der Norafin Industries GmbH aus Mildenau, der Hansa Fine Chemicals GmbH aus Bremen und der Neue Materialien Bayreuth GmbH gestemmt. Das DWI, vertreten durch die kaufmännische Direktorin Thanh Nguyen, durfte sich in diesem Zusammenhang über einen Förderbescheid von 316.000 Euro freuen.

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die Entwicklung neuer Filter, die aus einem Trägertextil mit eingebundenen Nanofasern bestehen. Diese ultrafeinen Fasern ermöglichen eine höhere Filtrationsleistung im Vergleich zu herkömmlichen Filtern und halten auch kleinste Verunreinigungen zurück. Mit einem besonders geringen Druckverlust und einem hohen Durchsatz sollen die Filter dazu beitragen, den Energieverbrauch beim Filtrationsprozess zu verringern, Ressourcen zu schonen und Abfall zu reduzieren.

Bislang sehr aufwendig

Die benötigten Nanofasern können nach derzeitigem Stand der Technik bereits hergestellt werden, jedoch sei der etablierte Herstellungsprozess sehr aufwendig und mit hohen Investitionskosten für spezielle Faserspinnanlagen verbunden, erläuterte Dr. Helga Thomas vom DWI. Im Rahmen des Forschungsvorhabens verfolgten die Filterentwickler stattdessen einen Ansatz, der ohne Investitionen in teure Produktionsanlagen auskomme.

Selbstständige Moleküle

Die Projektpartner möchten für das neue Filtermaterial nicht, wie bisher üblich, fertige Nanofasern in ein Trägertextil einbringen. Vielmehr sollen sich die Nanofasern aus winzigen Molekülbausteinen in einer Flüssigkeit selbstständig zusammensetzen. Dabei geht es beispielsweise um Materialien, die sich bewegen oder regulieren können. Polymerchemiker, Biotechnologen, Verfahrenstechniker und Physiker nehmen sich im DWI gemeinsam dieser Forschungsaufgaben an.

Sie sind eingebunden in ein Netzwerk wissenschaftlicher Kooperationen mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Sven Seipke (DWI) hob dabei hervor, dass VoTech in der Branche über einen einzigartigen Prüfstand verfüge, der es erlaube, vom Filtermaterial bis zum kompletten Filterapparat alles zu testen.

„Kleine und mittlere Unternehmen sind Vorreiter des technologischen Fortschritts“, erklärte Rachel. „Sie bringen dank ihrer Marktnähe und Flexibilität besonders häufig Innovationen hervor und bilden somit den Kern des erfolgreichen Wirtschaftsstandorts Deutschland. Mit dem Förderprogramm KMU-innovativ unterstützt das BMBF die Spitzenforschung.“

In enger Zusammenarbeit könnten auf diese Weise anspruchsvolle Forschungsprojekte bearbeitet und eine schnelle Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Anwendung erzielt werden. „Mit dem neuen Konzept ‚Vorfahrt für den Mittelstand‘ haben wir zudem ein starkes Signal für den weiteren Ausbau der Innovationsfähigkeit von KMU gesetzt.“

Zwischen 2005 und 2016 habe die Bundesregierung die Gelder für Bildung und Forschung generell von acht Milliarden auf 16 Milliarden Euro erhöht, sagte Rachel. Und die Nano-Technologie werde durch den Bund ein steigendes Augenmerk erfahren.

Das BMBF fördert das jetzige Projekt übrigens insgesamt mit einem Volumen von knapp 2,2 Millionen Euro. Das Projektkonsortium ist entlang der gesamten Herstellungskette entsprechender Filter aufgestellt.

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