Flüchtlingsarbeit in Erkelenz: Treffen der ehrenamtlichen Helfer

Flüchtlingsarbeit : Menschen, die Mut machen

Das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit stand im Mittelpunkt einer kleinen Feierstunde, zu der Samira Meurer im Namen der Stadt in den Schwanenhof eingeladen hatte. Die Ehrenamtler gehören dem Netzwerk „Menschen stärken Menschen“ an, zu dem sich die Stadt, der Erkelenzer Kinderschutzbund und der kirchliche Arbeitskreis „Flüchtlinge“ zusammengeschlossen haben.

Rund 40 ehrenamtliche Helfer waren gekommen, um von ihrer Arbeit zu erzählen und sich auszutauschen. Der mit Abstand jüngste der Ehrenamtler des Abends war Finn Esser. Der 16-jährige Gymnasiast gibt seit rund eineinhalb Jahren Deutschunterricht für Flüchtlingskinder. Einmal pro Woche treffen sie sich in den Räumen der Franziskus-Schule und lernen bei Finn auf spielerische Weise deutsch. Parallel dazu besuchen sie die Grundschule. Die Unterrichtsmaterialien hat sich Finn selbst besorgt, nachdem er per Mail bei der Stadt nachgefragt hatte, ob und wo er helfen könnte. Seine Mail landete beim Jugendamtsleiter Claus Bürgers, der sie an Samira Meurer weiterleitete. Auf die Frage nach seiner Motivation antwortete er eher ausweichend, es sei „einfach so passiert“. Die Arbeit mit den sechs bis acht Kindern macht ihm auf jeden großen Spaß.

Der älteste Ehrenamtler in der Runde war Helmut Becker. Der 81-Jährige betreut zusammen mit Dinko Jurjevic das Café International. Auf dem Höhepunkt des Zuzugs von Flüchtlingen erkannte er, dass er etwas tun musste. Ein Aufruf der evangelischen Kirchengemeinde sprach den Katholiken an, und er meldete sich. So half er zuerst bei der Aufnahme. „Ich will helfen, damit sie hier Fuß fassen, betonte er. Dazu gehörte auch die Vermittlung von kulturellen Themen. Heute hilft er im Café International mit und sucht den direkten Kontakt mit den Besuchern, wenn es um Hilfe mit Korrespondenz oder Formularen geht. Auch bei der Wohnungssuche setzen er und Jurjevic sich ein. Der 72-Jährige stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien und sagt von sich, er sei „wie die Jungfrau zum Kind“ in die Flüchtlingsarbeit gekommen. Er wisse, wie es ist, wenn man sich in der Fremde zurechtfinden müsse. Er selbst kam als 14-jähriger nach Deutschland und musste sich neu zurechtfinden. „Ich habe damals viel Hilfe bekommen“ sagte er. „Und dafür bin ich dankbar.“ Nun könne er ein bisschen davon zurückgeben. Wahrscheinlich, so fügt er hinzu, hätte er sich ein anderes Thema gesucht, wenn es nicht die Flüchtlinge gewesen wären.

Beim Treffen erzählten die Helfer von ihrer Arbeit und berichteten von menschlichen Begegnungen. Brigitte und Rolf Schulte-Nover zogen sogar für ein paar Tage bei einer Flüchtlingsfamilie ein, als die Mutter ins Krankenhaus musste und die Kinder zurücklassen musste. „Sie konnten zusammenbleiben in ihrer gewohnten Umgebung, bis die Mutter wieder da war“, erinnert sich Rolf Schule-Nover. Der Sohn nenne ihn noch heute „Opa Rolf“.

Diese und andere Geschichten wurden ausgetauscht und machten den Helfern Mut. Auch müssen sie sich neu orientieren. Denn nach der ersten Phase der Flüchtlingsarbeit stehen sie nun vor neuen Herausforderungen. Die Suche nach Arbeit und bezahlbarem Wohnraum sowie der Gang zu Behörden gehören verstärkt zu den Aufgaben der Helfer.

Das Café International am Hagelkreuz (in der ehemaligen „Flachsklause“) hat donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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