Waldfeucht-Haaren: Flüchtlinge lernen die Region kennen

Waldfeucht-Haaren: Flüchtlinge lernen die Region kennen

Was für Menschen, die hierzulande geboren sind, ein selten gewordenes, aber doch vertrautes Bild bleibt, ist für Menschen, die aus fernen Nationen hierher kommen, ein ganz ungewöhnliches: eine Windmühle.

So war für die in der Gemeinde Selfkant beheimateten Flüchtlinge das Ziel ihrer Radtour mit Pfarrer Roland Bohnen und Caritas-Gemeindesozialarbeiterin Bärbel Windelen zur Windmühle in Waldfeucht-Haaren natürlich ein ganz besonderes. Klar, dass da bei der Ankunft erst einmal jede Menge Erinnerungsfotos geschossen wurden.

„Landfrauen mischen sich ein“ lautet das bundesweite Motto der Landfrauen. In Haaren baten sie auch zu Tisch. Foto: Anna Petra Thomas

Mit Händen und Füßen

Und ebenso verstand es sich für Mühlenbesitzer Theo Verbeek, dass er seine Besucher aus Ägypten, Albanien, Eritrea und Syrien selbst durch die historische Anlage führte. So einiges musste da notfalls zwar mit Händen und Füßen noch übersetzt werden, wobei es beim Wort „Bergholländermühle“ natürlich ganz schwierig wurde. Doch die meisten Gäste verstanden schon erstaunlich gut Deutsch.

Nicht nur die technischen, sondern auch die historischen Daten der Mühle begeisterten die sechs Männer und den Jungen ebenso wie den Pfarrer, die Sozialarbeiterin und die weiteren haupt- und ehrenamtlichen Begleiter. „So schön! Ich liebe alte Sachen“, erklärte Teklit Ngusse (26) aus Eri-trea. Seit eineinhalb Monaten lebt er in Schalbruch, nach fast zehn Jahren auf der Flucht. Kurz lässt er dazu ein, zwei Fragen zu.

Als aber das Wort „Schiff“ fällt, wendet er sich ab. Darüber kann er nicht reden. Er ist es dann aber auch, der Theo Verbeek ganz praktisch zur Hand gehen darf. Die Mühle steht nicht mehr richtig im Wind, und so muss die Haube, an der die Flügel befestigt sind, halt ein bisschen weiter gedreht werden. In seinem Heimatland gebe es einen Diktator, erzählt Ngusse dann doch noch. Vom Militär sei er geflohen. Jetzt hat er hier Arbeit gefunden, auf einem Obsthof. Zwanzig Kilometer muss er dafür jeden Tag mit dem Rad fahren, aber die würden ihm nichts ausmachen, sagt er.

Sein Freund arbeitet beim Bauhof der Gemeinde, ebenso wie Osama Mekhael (36) aus Ägypten, der bereits seit fünf Jahren in Deutschland ist und ebenfalls in Schalbruch lebt. Bei ihm sei es das Problem mit dem Glauben gewesen, dass ihn nach Deutschland gebracht habe, erklärt der koptisch-orthodoxe Christ. „Mein Kreuz hat man mir sogar vom Hals gerissen“, erzählt er, und von weiteren gewalttätigen Übergriffen.

„Hier ist alles gut“, sagt er. Sogar Polizeibeamte seien hier gute Menschen. „Ich bete, dass ich bleiben darf.“ Seine Nachbarschaft oder die Kirche nennt er als Orte, in denen er neben seiner Arbeit gerne hilft. „Ich mache vieles nicht für Geld, sondern nur mit meinem Herzen.“

„So, die Landfrauen bitten zu Tisch!“, lässt sich dann eine Stimme vom Fuße der Mühle vernehmen. Die Landfrauen aus Waldfeucht und Dremmen haben für die hungrigen Radler ein tolles Picknick vorbereitet, mit Brot und Butter, mit leckeren Salaten, frischem Obst, mit selbst gebackenem Streuselkuchen und Kaffee. Nicht zu vergessen natürlich der Saft von den Äpfeln aus Waldfeuchter Wiesen. „Ich find‘ es richtig, das Essen mit einem kleinen Gebet zu segnen“, erklärt der Pfarrer und versammelt alle Gäste um sich herum. „Lass uns alle eine gute, frohe Gemeinschaft miteinander bilden“, schließt er.

„Landfrauen mischen sich ein“ laute in diesem Jahr das bundesweite Motto für Aktionen der Landfrauen, erzählt Ulrike Kamps, Kreisvorsitzende der Landfrauen, die ebenfalls nach Haaren gekommen ist. Im Kreis Heinsberg setze man diesen Leitgedanken in Aktivitäten für Flüchtlinge um.

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