Heinsberg-Oberbruch: „Floh im Ohr“: Lustig, skurril, absurd, aber niemals trivial

Heinsberg-Oberbruch : „Floh im Ohr“: Lustig, skurril, absurd, aber niemals trivial

Mit der Komödie „Floh im Ohr“ von Georges Feydeau endete die Spielzeit 2017/2018 der Theateraufführungen des Kulturamtes der Stadt Heinsberg.

Die Aufführung des Rheinische Landestheaters Neuss in der Festhalle Oberbruch enthielt alle Elemente der Komödie: Verwicklungen und Verwechslungen, falsche Schlussfolgerungen, Irrtümer und explodierende Emotionen sowie rasante Verfolgungsszenen durch den Zuschauerraum. Begleitet von Musikbeiträgen, die als Playlist einer Band alle Ehre gemacht hätten.

Zeitlos gültig

Georges Feydeau entlarvte mit seinem Stück die Doppelmoral und Oberflächlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts. Er machte sich damals lustig über die Ignoranz der Dienerschaft wie über die Arroganz der Herrschaften. Die Doppelmoral ist zeitlos und damals wie heute vorzufinden. Wie an dem Arzt Dr. Finache nachvollziehbar wird und von Rainer Scharenberg überzeugend dargestellt. Und so wird im aufgeführten dreistündigen Stück das Rotlichtmilieu in der Mitte des 20. Jahrhunderts zum Spiegel der Gesellschaft und Ort und Gegenstand der Handlungen.

In Michael Lippolds Inszenierung spielt die Musik eine ergänzende Rolle. Lippold bedient sich der Mode der 1960er Jahre, wie an der Kleidung und den eingespielten Songs wie „Je t‘aime moi non Plus“ von Serge Gainsbourg zu erkennen ist. In der Übersetzung von Elfriede Jelinek ist zudem für eine sprachliche Qualität gesorgt, die für die Darsteller echte Herausforderungen darstellen. Die Reduzierung der sprachlichen Fähigkeit von Camille Chandebise auf „a, e, i, o, u, ei“ aufgrund eines Sprachfehlers wird von Josia Krug überzeugend umgesetzt.

In einem anonym zugesandten Päckchen aus dem Etablissement „Zur zärtlichen Mietzekatze“ glaubt Raymonde Chandebise (Alina Wolf) die darin enthaltenen Hosenträger ihres Mannes Victor-Emmanuel (Philipp Alfons Heitmann) wieder zu erkennen. Sie schließt daraus, getrübt von Eifersucht und weil das Eheleben ein wenig eingerostet ist, dass ihr Mann sie durch Bordellbesuche betrügt.

Nach dem Muster, Lösungen bringt nur das Gespräch mit der besten Freundin Lucienne Homenides de Histanga (Johanna Freyja Iacono-Sembritzki), fertigen die beiden einen fingierten Liebesbrief, den Lucienne schreibt und Victor-Emmanuel in die Falle locken soll, um ihn im Bordell auf frischer Tat zu ertappen. Der aber gibt den Brief Romain Tournel (Michael Meißchner), einem Möchtegern-Frauenheld, der sich sofort in das Etablissement begibt.

Luciennes aufbrausender Mann Carlos kennt den Briefinhalt ebenso und sucht, rasend vor Eifersucht, das Bordell auf. Der dort angestellte Hausdiener Poche (Doppelrolle Heitmanns) sieht Victor-Emmanuel sehr ähnlich. Die turbulenten Szenen der Verwechslungen, Verirrungen und Wirrungen überschlagen sich bis zum Höhepunkt im Haus von Raymonde und Victor-Emmanuel. In der Schlussszene kommt allen die Erkenntnis: „Das war Poche…“.

Satirische und karikaturenhafte Überzeichnungen in den Handlungen, wie in der Szene, dass die Bordellmitarbeiterin Eugenie (Anna Lisa Grebe) sich wie eine Puppe in einer Spieluhr dreht, sowie die akrobatischen Figuren in den Szenen der Annäherungen im Bordell betonen das Komödiantische bis hin zum Absurden. In der Übertreibung und Zuspitzung wird eine Trivialisierung in dieser Komödie vermieden. Den schmalen Grat von künstlerisch überzeugender Aufführung und Vermeidung peinlichen Abrutschens verlässt diese Inszenierung an keiner Stelle. Ein Verdienst des gesamten Ensembles, das vom Publikum gewürdigt wurde.