Flachsfest in Wegberg-Beeck: Von Samen bis zum Leinen

Flachsfest in Beeck : Vom Samen bis zum Leinen

Beim Flachstag in Beeck bringen Bürger ihre selbst herangezogenen Pflanzen mit. Zur Verabeitung werden traditionelle Gerätschaften zum Einsatz gebracht. Der Verein besteht aus sieben aktiven Gruppen.

Annähernd 100 Jahre lang, im 18. Jahrhundert, galt die Ortschaft Beeck als eine Hochburg des Flachsanbaus. Alljährlich fand während dieser Zeit im Herbst auf dem Beecker Kirchplatz der Flachsmarkt statt. Neben der Faser aus der Flachspflanze, die zur Herstellung von Leinen Verwendung fand, wurde aus dem Samen in den umliegenden Mühlen das Leinsamen-Öl gewonnen. Alljährlich im Herbst boten Bauern, Handwerker und Kaufleute während dieser Markttage ihre Produkte an.

Dieser Tradition verbunden, erinnerte sich Heinz Gerichhausen an den Flachachsanbau in Beeck. Gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten gründete Gerichhausen im November 1983 den Heimatverein Beeck. Zum Vorsitzenden des Vereins gewählt, war es Gerichhausen, der mit viel Herzblut und noch größerem Engagement alte Gerätschaften zum Anbau und der Weiterver-arbeitung von Flachs zusammentrug. Schließlich wurde zunächst eine alte Scheune angemietet, wo die Geschichte des Flachs aufgezeigt wurde. In späteren Jahren, nachdem die Scheune zu klein wurde, entschlossen sich die Mitglieder, nach dem Kauf eines geeigneten Grundstücks ein Flachsmuseum zu errichten.

Ab dem Ende der 1980er Jahre bis 2013 fand alljährlich an einem Wochenende im Herbst der Beecker Flachsmarkt statt, der immer wieder tausende Besucher anlockte. Zu hohe Auflagen seitens der Behörden führten schließlich dazu, dass der Beecker Flachsmarkt eingestellt wurde. Sich der Tradition des Flachsanbaus in Beeck erinnernd, entschlossen sich die Mitglieder des Heimatvereins, inzwischen unter der Führung ihres Vorsitzenden Georg Wimmers, im Flachsmuseum alljährlich ein Flachsfest zu veranstalten. Grundgedanke dieser Veranstaltung: Den Besucher umfassend über die Aussaat des Samens bis zur Herstellung von Leinsamen-Öl und Leinen zu informieren.

Die Beecker Bürger waren in diesem Jahr von den Organisatoren angehalten, in ihrem Umfeld selber Flachs anzupflanzen. Dazu wurden 200 Säckchen mit Samen verteilt. Das Ergebnis dieser Aktion wurde nun beim Flachsfest den Besuchern präsentiert. Die Pflanzen wurden gemessen, wobei für die längsten Pflanzen ein Preis ausgelobt wurde. Unter fachlicher Anleitung von Georg Wimmers hatten nun die Besucher die Gelegenheit, während des „Riffelns“ den Samen von den Stängeln zu lösen. Ähnlich wie während des Riffelns, kamen auch beim Zerkleinern der Samenkapseln traditionelle Gerätschaften zum Einsatz.

Umfassend informierte Vorsitzender Wimmers über die Weiterverarbeitung des Flachses: Über die Herstellung des Fadens, der zunächst gesponnen und in weiteren Arbeitsgängen zu Leinen verarbeitet wurde, oder die Gewinnung des Leinsamen-Öls aus dem Samen der Flachspflanze. Recht anschaulich war auch die Vorstellung der Spinngruppe, die anhand von nostalgischen Spinnrädern demonstrierte, wie die einzelnen Fäden gesponnen wurden.

Im Besondern aber wies Vorsitzender Georg Wimmers auf die große Anzahl von engagierten Ehrenamtlern innerhalb des Heimatvereins hin. „Dem Heimatverein Beeck gehören rund 100 Mitglieder an. Gut 60 dieser Mitglieder gehören als Aktive den insgesamt sieben sehr aktiven Gruppen an, auf denen unser Verein basiert.“ Auch erscheint unter dem Titel „De Flaasbloom“, viermal jährlich eine eigens dem Flachs und den Events des Vereins gewidmete Vereinszeitschrift. Darüber hinaus verwies der Vorsitzende darauf, dass nach Anmeldung Führungen im Flachsmuseum möglich sind.

(gp)