Hückelhoven: Filmtage spiegeln aktuelle Trends und Vorlieben wider

Hückelhoven: Filmtage spiegeln aktuelle Trends und Vorlieben wider

Seit 45 Jahren zieht es junge Filmfreunde aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland zu den Filmtagen in der Aula des Hückelhovener Gymnasiums. Von Freitag bis Sonntag wurden wieder aktuelle Filmproduktionen aus den drei Ländern gezeigt, die sich hauptsächlich an ein junges Publikum wenden.

Auf dem Programm standen Produktionen in Kinofilmlänge, Kurzfilme und auch eine gefilmte Abschlussarbeit, in der der Filmbösewicht Darth Maul aus der Star-Wars-Saga seinen Soloauftritt hatte.

Filmemacher auf der Bühne in der Hückelhovener Aula; links: Mitorganisator Heiko Fischer. Fotos (2): Wichlatz Foto: Wichlatz

Der Samstag stand ganz im Zeichen abendfüllender Filme. Als einer der deutschsprachigen Beiträge war „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu sehen, bei dem Hans Steinbichler Regie geführt hat. Es folgten der belgische Film „Problemski Hotel“ von Manu ­Riche, „Beyond Sleep“ von dem Niederländer Boudewijn Koole und die belgische Produktion „Black“ von Adil El Arbi und Bilall Fallah. Die Filme wurden jeweils in der Muttersprache der Macher ausgestrahlt und waren mit Untertiteln versehen. Kino, bei dem man lesen muss.

Nachtlager in der Turnhalle

Für Gisela Münzenberg ist das kein Problem. „Die Besucher wissen, was sie erwartet“, sagte sie am Rande der Eröffnung. „Einige sind schon oft hier gewesen und kommen auch immer wieder.“ Trotzdem haben die Filmtage mit stagnierenden Zuschauerzahlen zu kämpfen. Immerhin rund 150 waren es am Wochenende, die sich mit ­Decken und Kissen auf den Weg nach Hückelhoven gemacht hatten. Geschlafen wurde in der Turnhalle.

Bei der Auswahl der Filme hat schon eine neue Zeit begonnen. Bis vor ein paar Jahren mussten die Filme auf Zelluloid vorliegen, um ins Programm aufgenommen zu werden. Dann waren auch DVDs zugelassen. Eine Woche vor den Filmtagen wurde nun der alte Projektor endgültig abgebaut, wie ­Festival-Gründer Rolf-Rüdiger ­Hamacher bei der Eröffnung verkündete. Trotzdem sei der Trend zum Kino beim jungen Publikum ungebrochen und der Film habe seine Magie nicht verloren. „Denn sie zeigen 24-mal in der Sekunde die Wahrheit“, erklärte er mit Verweis auf ein Zitat des Regisseurs Jean-Luc Godard.

Wie surreal diese Wahrheit sein kann, zeigte der belgische Beitrag „Das brandneue Testament“ von Jaco van Dormael, der anschließend auf dem Programm stand. In dem Film über die kleine Tochter Gottes, die sich aufgemacht hat, um ein ganz neues Neues Testament zu schreiben, spielt auch die französische Filmikone Catherine Deneuve in einer sehr ungewöhnlichen Rolle mit.

Zur Eröffnung waren viele der Regisseure nach Hückelhoven gekommen, denn zum Konzept der Filmtage gehört auch der direkte Kontakt zwischen Publikum und Filmemacher. Der Aachener Regisseur Shawn Bu ist in der Social-­Media-Szene längst ein gefragter Mann. Der studierte Kommunikationsdesigner sorgte mit seiner Bachelor-Arbeit für einiges Aufsehen.

Denn in dem 18-minütigen Film erzählt er die Geschichte von Darth Maul, der den Fans von Star Wars als furchteinflößender Filmbösewicht bekannt ist. Zwei Jahre drehte Bu an „Apprentice“, das mittlerweile bei den Fans als achter Teil der Weltraum-Saga bezeichnet wird. Kein Wunder, denn Bu konnte Ray Park zur Mitarbeit überreden, der schon im Hollywood-Original in der Rolle vor der Kamera gestanden hatte.

„Die Hückelhovener Filmtage spiegeln trotz ihres Alters die aktuellen Trends und Vorlieben des jungen Publikums wider“, betonte Münzenberger. Doch leider werde man die wenigsten dieser Filme auch in den Kinos zu sehen bekommen.

(hewi)