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Feuerwehr-Garage für Hückelhovener Verwaltungsstaffel birgt Zündstoff

Hückelhovener Verwaltungsstaffel : Feuerwehr-Garage birgt viel Zündstoff

Um tagsüber im Notfall über die notwendige Einsatzstärke zu verfügen, werden die hauptamtlichen Feuerwehrleute der Feuerwache in Hückelhoven durch Kräfte ergänzt, die tagsüber in der Verwaltung ihrer Arbeit hinter Schreibtischen sitzend nachgehen.

Wenn's brennt, huschen die zu dem zwischen neuen und alten Rathaus von morgens bis zum frühen Abend dort abgestellten alten Bully der Feuerwehr, suchen sich in dessen Schutz ein möglichst einblicksicheres Plätzchen, streifen ihre Zivilkleidung ab, schlüpfen dort unter freiem Himmel in ihre feuertechnische Schutzausstattung und düsen dann in dem Bully zum Einsatzort.

Dort können sie – erstmal gar nichts machen, bevor die Feuerwehreinsatzfahrzeuge eingetroffen sind. Eine insgesamt eher suboptimale Situation für den optimalen Brandschutz durch die freiwillige Feuerwehr einer 40.000-Einwohner-Stadt. Von der erwartet man, dass sie im Notfall blitzschnell sozusagen Gewehr bei Fuß steht. Dieser beklagenswerte Ist-Zustand soll in einen befriedigenden So-soll-es-sein-Zustand verändert werden.

Die Verwaltung plant nämlich, eine – wie es in der Verwaltungsvorlage heißt – „Garage für ein mittleres Löschfahrzeug (MLF)“ in einem Teilbereich der Parkplatzfläche neben der rückwärtigen Zufahrt zur Volksbank an der Straße Rathausplatz zu errichten. Darin sollen neben dem Fahrzeug selbst auch Spinde für die persönliche Schutzausrüstung der Verwaltungsstaffel stehen. Das Vorhaben, es hört sich gut an, ist aber doch mit einigen Stolpersteinen ausgelegt, wie die überaus lebhafte, teilweise mit einem ungewollt humoresken Unterton behaftete Diskussion darüber im Bauausschuss deutlich machte.

Die hangelte sich zunächst am äußeren Erscheinungsbild der „Garage“ an einem zentralen Punkt mit viel Publikumsverkehr im Stadtkern Hückelhovens hoch. Ewig schade, dass es den Deutschen Garagenverband e.V. nicht mehr gibt. Er existierte von 2007 bis 2013 und ging in diesen sechs Jahren der „Förderung der Wissensgewinnung über Garagen“ nach, wobei es Teil der Wissensgewinnung war, auch über die Nutzungsmöglichkeiten von Garagen aufzuklären. Ein Zugriff auf das profunde Wissen dieses Vereins wäre der Debatte im Ausschuss sicherlich förderlich gewesen.

„Zugegeben: Einen Architekturpreis gewinnt man damit nicht“, räumte Dr. Achim Ortmanns ein. Der Beigeordnete nannte das geplante Bauwerk selbstkritisch „nicht schön“. Um gleich hinterher zu schieben: „Aber zweckmäßig“. Max Freiherr Spies von Büllesheim nahm die Kosten in Höhe von rund 180.000 Euro für den Feuerwehreinsatzfahrzeugunterstand ins Visier: „Wir könnten ja auch eine Kartoffelhalle bauen, wie ich eine habe. Da ist auch nix drin, außer Kartoffeln natürlich – aber die ist aber wesentlich billiger.“

Das, fand der Beigeordnete, sei keine sonderlich förderliche Idee: „Wenn wir aus feuertechnischen Gründen im Bereich des Rathauses gezwungen sind, etwas zu machen, dann sollten wir im Stadtkern hier nicht unbedingt eine an einen landwirtschaftlichen Betrieb erinnernde Halle hinsetzen.“ Ein Kollege des Freiherrn aus dem bürgerlichen Lager äußerte seine Zweifel, „dass ich meinen Wählern verklickern kann, dass wir hier aus Steuergeldern für 180.000 Euro eine ,Garage' hinbauen“. Man habe sich, antwortete der Beigeordnete ihm, „bei den Kosten an den Normen orientiert, die vorgegeben sind“.

Ob man die geplante Feuerwehrgarage nicht gleich, „sagen wir 30 Zentimeter höher als geplant bauen“ könne, fragte ein anderer Stadtverordneter. Denn man wisse ja nicht, welche Ausmaße Feuerwehreinsatzfahrzeuge in zehn Jahren“ hätten. Auch das, fand der Beigeordnete, sei keine sonderlich förderliche Idee: „Wir bauen heute Schulräume ja auch in der Höhe für Menschen mit den Ausmaßen von heute.“ Einen wieder anderen Stadtverordneten interessierte brennend die Frage, „wo denn die Leute der Verwaltungsstaffel heute ihre persönliche Schutzausrüstung im Rathaus untergebracht haben, wo sie doch keine Spinde dafür zur Verfügung“ hätten. Auf die Frage hatte der Beigeordnete dann selbst keine förderliche Idee: „Dazu kann ich gar nichts sagen, da hab' ich keine Ahnung.“

Dr. Achim Ortmanns kam dann aber doch noch eine zündende Idee: „Der Planentwurf für den Bau einer Garage für ein Feuerwehrfahrzeug am Standort Rathaus wirft offenbar doch noch eine ganze Reihe von Fragen auf, die Sie nicht beantworten können.“ Ortmanns fügte flugs hinzu, dass er damit „in keinster Weise Ihre Kompetenz als Mitglieder des Bauausschuss anzweifeln“ wolle. Aber eine Wiedervorlage und eine neuerliche Diskussion darüber im Hauptausschuss schien ihm doch sinnvoller.

Wohl auch, um nichts anbrennen zu lassen, sahen die Mitglieder des Bauausschusses das dann genauso.