Heinsberg/Dinslaken: Feuerwache für 20 Millionen Euro gebaut

Heinsberg/Dinslaken: Feuerwache für 20 Millionen Euro gebaut

Mit einer Investitionssumme von 20 Millionen Euro sei es zweifellos das größte Projekt im Bereich der sogenannten Public Private Partnership (PPP), das die Unternehmensgruppe Frauenrath bislang realisiert hat, bestätigt Geschäftsführer Gereon Frauenrath.

Als zehntes Projekt in diesem Marktsegment überhaupt feiert das Heinsberger Unternehmen mit der Fertigstellung der neuen Feuer- und Rettungswache in Dinslaken gleichsam ein kleines Jubiläum.

Nach Abschluss der Planungs- und Bauphase und der feierlichen Eröffnung im Rahmen der Dinslakener Brandschutztage stellt die Unternehmensgruppe nun auch das facility management für die Immobilie sicher. Neben den Aufgaben der baulichen Instandhaltung während dieser Zeit erfüllt Frauenrath auch weitere Leistungen, die von der Gebäudereinigung bis zum Betrieb der umfangreichen haustechnischen Anlagen reichen. Der PPP-Vertrag mit der Stadt Dinslaken und dem Kreis Wesel hat eine Laufzeit von 25 Jahren.

„Das ist für eine Bauunternehmung sicher nicht üblich”, verweist Frauenrath auf die Tatsache, dass in Deutschland insgesamt bislang nur etwa 170 Bauvorhaben als PPP-Projekte umgesetzt wurden. „Wir haben als Bauunternehmen erkannt, dass man sich nicht nur mit der reinen handwerklichen Leistung befassen sollte. Der Kunde wünscht einen Mehrwert, in der Planungsphase sollte schon der Lebenszyklus der Immobilie berücksichtigt werden.” Dazu gehörten natürlich neben der Planung und dem Bau auch Bereiche wie die Finanzierung und diverse Betriebsleistungen.

Schon Anfang 2007 hatte die Stadt Dinslaken den Beschluss gefasst, den Bau der Feuer- und Rettungswache im Rahmen eines PPP-Projektes umzusetzen. Aufgrund des für die Kommune attraktiven Konzepts erhielten die Heinsberger schließlich 2009 den Zuschlag.

Der Gebäudekomplex von 6700 m² auf einem 19.440 m² großen Gelände besteht aus mehreren Teilen. Errichtet wurden neben Einrichtungen für die hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehr eine Rettungswache mit Desinfektionsbereich für Personal und Fahrzeuge sowie weitere Spezialeinrichtungen, darunter eine Werkstatt für Atemschutzgeräte. Insgesamt über 30 Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst finden in funktionalen Hallen ihren Platz.

Darüber hinaus wurden ein Übungshof und ein Sportplatz angelegt. In der Atemschutzübungsanlage könne die Rauchentwicklung wie bei einem realen Rettungseinsatz simuliert werden, erläutert Frauenrath. Auch aus energetischer Sicht entspreche das Gebäude modernsten Standards. Geheizt wird mit Fernwärme. Das Regenwasser, teilweise in Zisternen aufgefangen, könne zur Reinigung von Feuerwehrschläuchen verwendet werden. In der Spitze seien etwa 130 Handwerker mit dem Bau beschäftigt gewesen. Die Bauzeit betrug 15 Monate.

„Die langfristige Bindung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft stellt sicher, dass beide Vertragspartner ein gemeinsames Ziel haben, den optimalen nachhaltigen Funktionserhalt des Vertragsgegenstandes”, erklärt Frauenrath. Dass die Lebenszyklus-Gesamtkosten dabei günstiger seien als bei einer konventionellen Eigenerstellung durch die Kommune, sei für die öffentliche Hand ein weiterer positiver Effekt dieser Realisierungsvariante. Derzeit bauen die Heinsberger übrigens gemeinsam mit einem Partner das Romaneum in Neuss. Neben der Musikschule sollen dort die Volkshochschule und eine Niederlassung der Fern-Uni Hagen einziehen.

Keine allgemein anerkannte Definition für Public Private Partnership

Als Public Private Partnership (PPP), auch Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP), wird die Mobilisierung privaten Kapitals und Fachwissens zur Erfüllung staatlicher Aufgaben bezeichnet. Im weiteren Sinn steht der Begriff auch für andere Arten des kooperativen Zusammenwirkens von Hoheitsträgern mit privaten Wirtschaftssubjekten. PPP geht in vielen Fällen mit einer teilweisen Privatisierung von öffentlichen Aufgaben einher. Abgeleitet vom PPP ist das Public Social Private Partnership.

Aufgrund der Vielgestaltigkeit der Anwendungsfelder gibt es noch keine allgemein anerkannte Definition. Der wirtschaftliche Sprachgebrauch hat mittlerweile anerkannt, dass PPP sowohl vom Sinn als auch vom Begriffsgehalt nur dann einschlägig ist, wenn die Partner ihre unterschiedlichen Stärken einsetzen. Reine Finanzierungsgeschäfte sind etwas anderes. PPP ist somit nach heutigem, funktionalem Begriffsverständnis die meist „langfristig vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen Öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, bei der die erforderlichen Ressourcen (zum Beispiel Know-how, Betriebsmittel, Kapital, Personal) von den Partnern zum gegenseitigen Nutzen in einem gemeinsamen Organisationszusammenhang eingestellt und vorhandene Projektrisiken entsprechend der Risikomanagementkompetenz der Projektpartner optimal verteilt werden.

Grundlegende Vertragsmodelle sind zunächst das Erwerbermodell, das Inhabermodell, das Leasingmodell, das Mietmodell, das Konzessionsmodell und das Gesellschaftsmodell.