Erkelenz: Fanclub „Blaue Welle“ bringt die Fohlen auf Trab

Erkelenz: Fanclub „Blaue Welle“ bringt die Fohlen auf Trab

Die „Blaue Welle“ ist ein Fohlen-Fanclub der besonderen Art: Beim bislang bundesweit einzigen inklusiven Fanclub wird das Miteinander behinderter und nichtbehinderter Menschen gelebt. Und das nicht nur am Fernseher im Erkelenzer Vereinslokal Inclusio, sondern auch fast jedes Wochenende im Stadion.

Dann rollt die „Blaue Welle“ an, bei Heimspielen der Fohlen im Borussia-Park und auswärts. Die „Blaue Welle“ war Jürgen Bocks Idee. Bock ist hauptamtlicher Mitarbeiter der Lebenshilfe Heinsberg — und seit er denken kann auch Borussia-Fan. 2008 konnte er mit Hilfe und einer Anschubfinanzierung des Landschaftsverbands den Verein ins Leben rufen.

Dabei hat der bekennende Fußballfan nicht an sich gedacht. Vielmehr kam der Wunsch aus den Reihen der Klienten und ihrer Angehörigen, als eine Abfrage zu Themen der gemeinsamen Freizeitgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderung gestartet wurde.

Auch bei der Mönchengladbacher Borussia stieß Bock auf offene Ohren und Interesse. „Noch heute ist die Zusammenarbeit mit der Borussia sehr gut“, betont der Wegberger. Auf den Weihnachtsfeiern und Versammlungen der „Welle“ lassen sich oft Spieler, Mitarbeiter oder Spielerlegenden der Borussia blicken — und bleiben auch gerne länger als die üblichen fünf „Grußminuten“.

„Blau“ ist die „Welle“ natürlich, weil es die Farbe der Lebenshilfe Heinsberg ist. „Die Idee, den Namenszug aber in Borussia-grün zu schreiben, kam vom Fanbeauftragten Thomas Jaspers“, erinnert sich Bock an die Gründungsversammlung. Schließlich sollte man sie ja nicht für Schalker halten! In Fußballkreisen ist die „Blaue Welle“ längst eine feste Größe.

Das liegt unter anderem daran, dass sie auch regelmäßig zu den Auswärtsspielen der Borussia antritt. „Dann stehen wir im Block mit den anderen Fans“, betont Bock. „Bisher wurden wir noch überall positiv aufgenommen.“ Beim Europa-League-Spiel der Borussia in der Vorsaison saß die „Blaue Welle“ zusammen mit den Fans der Gäste aus Istanbul im Block. Und es liegt an der Stimmung die die Fans aus Erkelenz und Umgebung machen.

Denn auch wenn die Borussia mal zurückliegt, lassen sie sich nicht hängen und feuern ihr Team an. Natürlich wird über Abseits und Fouls und weitere strittige Schiedsrichterentscheidungen diskutiert. Und die Spieler unten auf dem Rasen müssen sich schon gehörig ins Zeug legen, um vor der fachkundigen Kritik zu bestehen. Ganz normale Fußballfans eben.

Die 40 Dauerkarten für die Spiele sind immer heiß begehrt. Bewohner der Wohnstätten zahlen zwölf Euro pro Spiel, alle anderen den vollen Preis. Der Vorsitzende achtet jedes Mal darauf, dass die Karten und Mitfahrgelegenheiten gerecht unter den 150 Mitgliedern verteilt werden. Wenn mal mehr Karten begehrt werden, kann über das Fanprojekt in Mönchengladbach nachgeordert werden.

„Ganz wichtig ist, dass die Mitglieder durch den Fußball auch untereinander Freundschaften aufbauen können“, erklärt Bock. Denn bislang kannten sie sich meist nur als Kollegen in den Werkstätten der Lebenshilfe. „Fußball verbindet, nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen“, betont Michael Kleinen von der Lebenshilfe, die über das Engagement Bocks sehr erfreut ist. „Die Blaue Welle steht für gelebte Inklusion.

Und wer im Stadion nicht dabei ist, trifft sich mit Freunden und anderen Fans zur Live-Übertragung im Inclusio.“ Das inklusive Bistro an der Südpromenade in Erkelenz ist das Vereinslokal der „Blauen Welle“, wo man die Spiele auch im Großformat verfolgen kann.

Einen unbezahlbaren Vorteil hat es, wenn man mit der Blauen Welle zum Nordpark fährt: Die Lebenshilfe-Busse können sehr nah heranfahren — und ruckzuck ist man drinnen! Die Zusammenarbeit mit der Borussia lobt Bock immer wieder.

Einen Kritikpunkt hat er jedoch, und der betrifft gerade die Blaue Welle: Im ganzen Stadion gebe es auf den Rängen bei einem Fassungsvermögen von 54.010 Menschen nur 78 ausgewiesene Rollstuhlplätze. So müssen immer wieder Fans notgedrungen zu Hause bleiben und das Spiel am Fernseher verfolgen.

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