Erkelenz: Evangelische Kirchengemeinde Erkelenz feiert den Reformationstag

Erkelenz: Evangelische Kirchengemeinde Erkelenz feiert den Reformationstag

Einsetzende Dunkelheit senkt sich über den Reformationstag bei der Evangelischen Kirchengemeinde Erkelenz, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Lutherjahr. Franziska ist sehr zufrieden, denn sie hat eine wirklich hübsche Laterne gebastelt.

Als Motiv, das von sanftem Licht beleuchtet wird, hat sie eine Achtel-Note gewählt. Weil sie Musik liebt und im Chor singt. Mit rund 30 Kindern, die im Gemeindehaus eine Laterne gebastelt haben, macht sie sich auf den Weg zum Laternenumzug.

Die Techniker der Kölnmedien projizierten Lichterspiele von einem kleinen Bus gegenüber der evangelischen Kirche aus. Foto: Monika Baltes

Ganz zufrieden sind die Techniker der Kölnmedien, die in dem kleinen Bus gegenüber der evangelischen Kirche die Illumination des Gebäudes vorbereiten, noch nicht. Die Schrift ist nicht deutlich lesbar. Da ist noch ein wenig Feinschliff nötig. Mit sanftem Licht ist hier nicht viel zu erreichen, zwei Beamer mit insgesamt 30.000 ANSI-Lumen Helligkeit sollen die Lichterspiele Bilder und — in alter Luthertradition - neue Thesen 10 Meter breit und 7 Meter hoch auf die Kirche projizieren. „Das gab es in Erkelenz noch nie“, freut sich Baukirchmeister Ulrich Leister auf die Premiere.

Hochzufrieden beobachtet Pfarrer Günter Wild die Bemühungen der Techniker. Es war ein besonderer Tag, der Reformationstag in Erkelenz. „Schon zum Festgottesdienst am Morgen war die Kirche so voll, dass einige Besucher, die keinen Platz mehr fanden, enttäuscht nach Haus gegangen sind“, sagt er stolz.

Den ganzen Tag über sei das Gemeindehaus voller Menschen gewesen, die mitgesungen, mitgeraten, mitgelacht hätten. Jetzt wartet er gespannt auf die im Workshop „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ erarbeiteten neuen Thesen, die gleich an die Kirche „geworfen“ werden. Es sind keine 95 geworden, aber „um die dreißig“ - immerhin.

Der Platz vor der Kirche hat sich gefüllt, die Beamer brummen und verwandeln das Gemäuer der Evangelischen Kirche in ein buntes Bilderbuch. Die Schlosskirche zu Wittenberg taucht auf, die Lutherrose, ein Bild des Reformators. „Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen“, mahnt Martin Luther von der Kirchenwand. Die Teilnehmer des Workshops haben mit ihren modernen Thesen über Gott und die Welt nachgedacht.

„Am Anfang war das Wort, und nicht Twitter“, stellen sie fest, bekunden Heimatverbundenheit mit der Aussage „Es gibt Strom, auch ohne Kohle und Atom“, und auch über den Sinn des Lebens haben sie nachgedacht: „Zu lieben, geliebt zu werden und zu verzeihen! Der Rest ist Zeitverschwendung.“ Und als solle noch einmal Resümee gezogen werden über den vergangen Reformationstag in Erkelenz, der mit vielen Aktionen fantasievoll und einfallsreich gefeiert wurde, leuchtet in großen Lettern auf der Kirchenwand: „Fantasie ist eine gute Basis, um glauben zu können“.

Auch Franziska steht mit ihrer vergleichsweise bescheiden leuchtenden Laterne staunend vor der Kirche. Und Franziska bleibt ehrlich: „Das Licht auf der Kirche ist schön, aber meine Laterne gefällt mir besser.“ Die Freiheit des Individuums — Martin Luther hätte an dieser Aussage sicher seine helle Freude gehabt.

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