Europapolitik-Speeddating am Cusanus-Gymnasium

Politik-Speeddating : Europapolitikern auf den Zahn gefühlt

Das Cusanus-Gymnasium in Erkelenz ist als Europaschule zertifiziert. Dem Gütesiegel machte die Schule nun alle Ehre. Auf Einladung der Schule stellten sich die Europawahlkandidaten der Parteien CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP, Die Linke und der AfD im Dialog den Fragen der 210 Schüler des aktuellen Abiturjahrgangs. Dabei kam der ein oder andere Parteivertreter gehörig ins Schwitzen.

Das Lehrerteam der Fachschaft Sozialwissenschaften hatte viel Zeit für die Vorbereitung der Veranstaltung „Wir haben die Wahl. Aktuelle Herausforderungen meistern – Zukunft gestalten“ aufgebracht, um zum zweiten Mal – wie bereits zur Bundestagswahl 2017 – ein Angebot für die Erstwähler zum kritischen Gespräch mit den Kandidaten zu schaffen. Als „Politik-Speeddating“ benannte der Mitorganisator und Lehrer Dr. Kenan Holger Irmak das Format.

Zuvor hatte der stellvertretende Schulleiter Willi Gronenthal die teilnehmenden Kandidatinnen und Kandidaten sowie die Ansprechpartner aus den Parteien begrüßt: Sabine Verheyen, MdEP (CDU), Bernd Krückel, MdL (CDU), Arndt Kohn, MdEP (SPD), Daniel Walter (SPD), Daniel Freund (Bündnis90/Die Grünen), Nadine Milde (Bündnis90/Die Grünen), Marcel Marks (FDP), Patrick Schunn (FDP), Igor Gvozden (Die Linke), Vanessa Heeß (Die Linke), Martin Schiller (AfD) und Dr. Verena Westen (AfD)

Mit dabei: beispielsweise die Schülergruppe um die Mitorganisatorin und Lehrerin Elke Rißmayer. Auch diese 15 Abiturienten hatten sich intensiv mit den Parteiprogrammen beschäftigt und ihre Fragen vorbereitet. Als Gesprächspartner suchte die Gruppe Sabine Verheyen, Arndt Kohn, Daniel Freund, Patrick Schunn, Igor Gvozden und Verena Westen auf und hatte für die Diskussion jeweils eine halbe Stunde Zeit. Zu zwei Themenblöcken „Klimaschutz“ und „Nachhaltiger Welthandel am Beispiel des Umgangs mit dem Nachbarkontinent Afrika“ diskutierte die Gruppe mit starken und sachlichen Argumenten und fühlte den Gesprächspartnern aus der Politik auf den Zahn.

Die Fragen der Jugendlichen ließen ihr großes Engagement für ihre Zukunft in einer Welt, die vom Klimawandel bedroht wird, ebenso spürbar werden wie ihren berechtigten und einklagenden Anspruch auf ernsthafte und seriöse Antworten durch die politisch Verantwortlichen. Ein hohes ethisches Bewusstsein spiegelten die vielen Fragen wider und ließen die Forderung nach Verantwortungsethik anstatt Gesinnungsethik als Kern der Handlungssteuerung von Politik deutlich werden. Und die Fragen nach der Umsetzung von Parteiprogrammaussagen waren ebenso Bestandteil des Diskurses.

Die Bandbreite der Fragen reichte von „Ist der Emissionshandel wirklich der richtige Weg, um den CO2 - Ausstoß zu verhindern und den Klimawandel aufzuhalten und welche Technologie wollen Sie fördern?“ über „Wie wollen Sie das Ziel für den Kohleausstieg bis 2030 umsetzen und die Arbeitsplätze sichern, die dann wegfallen?“ bis „Wie genau wollen Sie die Überschwemmung der Märkte in Afrika durch Agrarprodukte aus der EU verhindern, ohne die deutsche Wirtschaft zu schädigen?“ sowie „Wie haben Sie vor, die Probleme in den Entwicklungsländern zu lösen, die zu Flucht und Vertreibung führen?“.

Die Antworten ermöglichten den jugendlichen Erstwählern eine erste Einschätzung von der Persönlichkeit bis zum Sachverstand der Politiker. Die Bandbreite reichte von Eloquenz und Sachverstand bei den aktuellen Europaabgeordneten und Kandidaten über nachvollziehbare Ziele auf dem Boden der jeweiligen politischen Heimat bis zu ideologischen Ansätzen, welche durch Nachfragen in ihren Schwächen aufgedeckt wurden. Immer von gegenseitigem Respekt geprägt, bis auf eine Ausnahme. Die AfD-Kandidatin Verena Westen verlor die Contenance und bezeichnete eine mit starken und sachlichen Argumenten geführte Kritik der Abiturienten an der Position der AfD zum Klimawandel „als totaler Unsinn“, weil sie von grüner Ideologie geprägten Schulbüchern beeinflusst sei. Dagegen verwahrte sich die Lehrerin Elke Rißmayer mit aller Deutlichkeit.

In einer am Schluss veranstalteten Feedbackrunde lautete das Fazit der Jugendlichen: Es war eine hilfreiche und aufschlussreiche Veranstaltung, da die Politiker deutlich transparenter rübergekommen seien. Von „ich weiß nun, was ich wähle“ bis „nochmals alles überdenken, aber ich werde auf jeden Fall zur Wahl gehen“ reichten die Äußerungen der Jungwähler.

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