Hückelhoven: Erzählabend: Brachelen, das wirtschaftlich potenteste Dorf

Hückelhoven : Erzählabend: Brachelen, das wirtschaftlich potenteste Dorf

Sogar die landwirtschaftliche Qualität der Ackerböden bei Brachelen wurde zum Thema beim jüngsten Erzählabend des Arbeitskreises Hückelhoven (AKH). Im Heimatverein der Erkelenzer Lande „Geschichten aus der Geschichte von…“ in der Brachelener Gaststätte „Zum Postmeister“ hatten sich ein gutes Dutzend Interessenten eingefunden.

AKH-Leiter Willi Spichartz begann den Abend mit einer kurzen Erläuterung des Erzählabends als eine öffentliche Begegnungsmöglichkeit in den Hückel-hovener Stadtteilen, bei dem Austausch und Information zu allen Themen möglich sind. Zum Einstieg wartete Spichartz mit einer Reihe von Informationen zur Geschichte von Brachelen auf, die er als gut dokumentiert durch die verstorbenen Forscher und Darsteller Josef Brings und Bodo Volkmann, aktuell durch den Missionskreis der Pfarre St. Gereon mit Andreas Kochs und Peter Körfer bezeichnete.

Im Jahr 1818 war Brachelen mit 1942 Einwohnern die größte Kommune zumindest im Gebiet des heutigen Kreises Heinsberg. In der Region hatte lediglich die alte Herzogsstadt Jülich mehr als 2000 Einwohner. Nach Brachelen hatten Erkelenz 1626, Heinsberg 1601, Geilenkirchen 499, Hückelhoven und Ratheim etwa je 600 Bewohner. Selbst um 1850, als Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg schon 15 Jahre Kreisstädte waren, zählte Brachelen mit 2500 Einwohnern hinter Jülich mit 2700 mit Abstand die meisten Bürger. 1818 stellte Brachelen 25 Prozent der Bevölkerung des heutigen Stadtgebiets Hückelhoven.

„Und auch wirtschaftlich“, sagte AKH-Leiter Spichartz, „war Brachelen zu Beginn des 19. Jahrhunderts analog zur Einwohnerzahl die potenteste Gemeinde im weiten Umkreis.“ Rund 100 Handwerksbetriebe in 21 Branchen waren vorhanden. An diese Fakten schlossen sich Erörterungen der „Geschichtenerzähler“ über die Grundlagen dieser Entwicklung an, die in der Fruchtbarkeit der Böden in und um Brachelen gesehen wurde. Denn das Dorf liegt langgestreckt am Rand des Rurtals mit Wiesenfluren für Tierhaltung unten und Getreideanbau an der steigenden Rurterrasse mit Lössboden.

Darüber hinaus spielte der Kappbusch als Wirtschaftswald für Holz und vor allem Schweinemast eine bedeutende Rolle. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, sagte Spichartz, sei 1865 mit der Gründung des Maria-Hilf-Hospitals für Brachelen entwickelt worden, neben dem 1861 in Heinsberg entstandenen Krankenhaus die einzige derartige Einrichtung in der weiten Umgebung zwischen Mönchengladbach, Düren und Aachen.

Der Bodenkrieg

Weiteres Thema war der Zweite Weltkrieg, von dem Teilnehmer noch aus eigener Anschauung berichteten. Brachelen war der erste Stadtteil des heutigen Hückelhovens, den der Bodenkrieg erreichte, der am 26. Januar 1945 von den Amerikanern eingenommen wurde. Das war sogar der „New York Times“ eine Meldung auf der Titelseite wert.

Den aus der Evakuierung heimkehrenden Einheimischen bot sich im Frühjahr 1945 ein wohl deprimierendes Bild mit zerstörten Häusern und Ackerflächen um das Dorf, die durchlöchert, mit Schützengräben durchzogen, vermint und total verunkrautet waren. Der Grund: Seit September 1944 waren sie nicht mehr bearbeitet worden. Die Beseitigung der Minen kostete Tote und Verletzte, musste aber geleistet werden, um mit der Ernte die Versorgung sicher zu stellen.

Schließlich zeigten sich die Teilnehmer des Erzählabends mit der Entwicklung der Hückelhovener Innenstadt zur — wie sie sagen — „Einkaufsstadt Nummer eins der Region“ in den vergangenen Jahren mehr als zufrieden: „Hückelhoven ist eine schöne Stadt geworden, schöner als die anderen in der Umgebung“, hieß es dazu.

Auf Anregung sagte Arbeitskreis-Leiter Willi Spichartz zu, in absehbarer Zeit zu einem erneuten Erzählabend mit „Geschichten aus der Geschichte von…“ einzuladen. Die Teilnehmer sagten zu, kräftig Werbung im Ort für die Neuauflage zu machen. Die Premiere mit der Mischung aus Grundinformationen durch den Arbeitskreis und den Beiträgen Brachelener Bürger aus mehreren Altersstufen rege dazu einfach an.