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Klingendes Museum: Erste Audiodatei im Heinsberger Begas Haus

Klingendes Museum : Erste Audiodatei im Heinsberger Begas Haus

Eine ganz besondere Schenkung hat im Heinsberger Museum Begas Haus ihren Platz gefunden: Ein rund 90 Jahre altes Mikrofon – und eine Schallplatte mit einer jetzt schon historischen Aufnahme.

Eine Schallplatte aus dem Jahr 1942 und ein Mikrofon aus den 1930er Jahren sind die jüngste Schenkung, die das Museum Begas Haus dieser Tage erhalten hat. Über beide freut sich Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann sehr, bereichern sie doch die regionalgeschichtliche Sammlung des Hauses. Und beide finden auch ihren Platz im neuen, digitalen Depot des Museums, das vom Begas Haus derzeit zusammen mit dem Heimatverein der Heinsberger Lande auf- und ausgebaut wird. Dabei wird das digitale Depot, das für jeden im Internet oder über die Medienstation im Museum schon jetzt barrierefrei zugänglich ist, sogar um eine weitere Dimension ergänzt: Erstmals sind mit Aufnahme der Schallplatte in das Depot auch Inhalte davon als Audio-Datei hörbar.

Wer den Audio-Button anklickt, hört das Geläut der Kirche St. Dionysius in Übach im Jahr 1942, und das, obwohl es im dortigen Glockenturm zu dieser Zeit schon gar keine Glocken mehr gab. Wie im Ersten, so wurde auch im Zweiten Weltkrieg alles verfügbare Metall für die weitere Nutzung in der Rüstungsindustrie eingeschmolzen. So beschlagnahmten die Nationalsozialisten im gesamten Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkriegs insgesamt rund 90.000 Glocken. Sie kamen auf den sogenannten Glockenfriedhof nach Hamburg und wurden dort eingeschmolzen. Nur noch rund 15.000 Glocken waren nach Kriegsende übrig und konnten an ihre Besitzer zurückgegeben werden.

Auch die Pfarrei St. Dionysius Übach musste 1942 zwei Glocken aus ihrer Kirche abgeben. Das machte den damaligen Pfarrer, Joseph Pinner, sehr traurig. Er suchte nach einer Lösung und kam so in Kontakt mit Josef Kleefuß, der als Techniker für die Kraftfahrzeuge auf der Zeche Carolus-Magnus arbeitete und sich zudem sehr für den Gerätebau und die Radiotechnik interessierte. Gemeinsam mit dem Pfarrer entwickelte Kleefuß die Idee, einen Plattenspieler auf der Orgelbühne zu platzieren und den auf einer Platte aufgenommen Klang der Glocken über eine Verstärkeranlage und über Schalltrichter in den Glockenturm zu leiten.

 Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann (rechts) und Heimatvereinsvorsitzende Anna Petra Thomas freuen sich sehr über die Schenkung der Schallplatte aus dem Jahr 1942 mit dem Geläut von St. Dionysius, das jetzt im Digitalen Depot des Museums Begas Haus zu hören ist.
Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann (rechts) und Heimatvereinsvorsitzende Anna Petra Thomas freuen sich sehr über die Schenkung der Schallplatte aus dem Jahr 1942 mit dem Geläut von St. Dionysius, das jetzt im Digitalen Depot des Museums Begas Haus zu hören ist.

Kleefuß nahm also vor 80 Jahren, am 28. März 1942, zunächst das Geläut mithilfe eines selbstgebauten Aufnahmegeräts für Schallplatten auf. Dann baute er die Verstärkeranlage und die Schalltrichter, trotz der Widrigkeiten, in Kriegszeiten überhaupt das notwendige Material dafür besorgen zu können. Kupferdraht, Zinkblech und Holz waren nicht leicht zu beschaffen. Doch das Unternehmen gelang.

Am 17. April hatte das Geläut von Schallplatte in seiner Werkstatt Premiere, und am 8. Juni 1942 um 17.30 Uhr gab es in Übach vom Turm der Kirche erstmals Glockenklang ganz ohne Glocken. „Glockenguss in moderner Art“, nannte der Pfarrer das Werk von Kleefuß in seiner Predigt. „Es läutete wirklich. Die Glocken sind wieder da“, strahlte Pinner. Und schließlich gehörten die Übacher Glocken zu denen, die den Krieg auf dem Glockenfriedhof überstanden und nicht eingeschmolzen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie wieder nach Übach zurückgeholt werden.

Hubert Rausch, zur damaligen Zeit Messdiener, erhielt später von Josef Kleefuß das Aufnahmegerät und zwei Mikrofone. Nach dessen Tod nahm er auch die Schallplatte in Verwahrung. Als Hubert Rausch vor einem Jahr starb, stimmten seine Nachkommen einer Schenkung von Platte und einem Mikrofon an das Museum Begas Haus in Heinsberg zu. Beide sind seit dieser Woche im Eingangsbereich des Museums in einer Vitrine zu sehen, bevor sie dann ihren Platz im Depot des Museums finden. Die Schallplatte sehen und ihr Geläut hören kann jeder an der Geschichte Interessierte jedoch jederzeit im Digitalen Depot des Museums, www.begas-haus.de, Suchwort: Schallplatte.

(red)