Heinsberg-Karken: Erst wird genascht, dann geerntet: Tafeltrauben wachsen auch in Heinsberg

Heinsberg-Karken: Erst wird genascht, dann geerntet: Tafeltrauben wachsen auch in Heinsberg

Im westlichsten Tafeltraubenanbaugebiet Nordrheinwestfalens ist die Ernte bereits in vollem Gange. Wie ist das möglich? Beginnt die Weinernte normalerweise nicht erst im Herbst? In Kremers Tafeltraubenbetrieb im End in Karken ist das anders.

Da wachsen die Früchte im Gewächshaus, das fördert die Reife und so können die süßen Früchtchen schon im Sommer geerntet werden.

Die Heinsberger Weintrauben sind auch nicht dafür bestimmt, in Wein verwandelt, sondern verspeist zu werden. Wie der Name schon sagt, sind Tafeltrauben Reben, die an der „Tafel“, also am Tisch verzehrt werden. Im Gegensatz zu Kelterreben sind Tafeltrauben saftig und großbeerig.

Seit 2011 beschäftigt sich Heribert Kremers mit dem Beerenobst. Den landwirtschaftlichen Betrieb in Heinsberg-Karken End 39 hat er von seinem Vater übernommen und bis heute ständig zu einem modernen Dienstleister im Garten- und Landschaftsbau ausgebaut.

Auf 3500 Quadratmetern baut er jetzt unter Glas auch Tafeltrauben an. Sie tragen so klangvolle Namen wie Venus, Tonja, Muskat bleu, Fanny,Vanessa, Georg, Katherina und Talizmann und sind rot, weiß oder rosé, mal süß, mal herb, mal fruchtig, ohne und mit Kernen. Die könnten übrigens mitgegessen werden, erklärt der Gärtner, der inzwischen auch Traubenfachmann ist.

In den Kernen sei ein Öl enthalten, das sehr gesund ist, und wenn die Trauben reif sind, würden die Kerne auch nicht mehr so bitter schmecken. Die Familie Kremers hat seit 40 Jahren Erfahrung im Betreiben von Gewächshäusern und der Aufzucht von Pflanzen.

Inspiriert von den Erfahrungen des Weinbauexperten Josef Vogel aus Leutesdorf und mit der tatkräftigen Unterstützung des Winzers Paul Ros wagte Heribert Kremers den Schritt, die Tafeltraube in Nordrhein-Westfalen heimisch zu machen.

Eine Entscheidung, die jetzt im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt. Drei Jahre hat es gedauert bis aus den kleinen Setzlingen üppige Reben wurden, an denen jetzt die prallen Beeren dicht an dicht hängen. Geerntet werden die Früchte mit der Hand.

Bevor die Schere jedoch zuschnappt, wird eine Probe genommen, also genascht, denn nur reife Früchte werden abgeschnitten. Das ist kein Problem, denn die Trauben sind weder behandelt noch geschwefelt. Deshalb können die Trauben auch ungewaschen direkt von der Rebe in den Mund wandern.

Einmal noch mit der Hand durchputzen und dann landen die Beeren in der Kiste. Dann geht es ab zum Markt und zum Verbraucher, denn lange lagern dürfen die Früchte nicht, erklärt Kremers.

Dafür sind sie zu reif. Kremers Trauben werden deshalb auch nur in kleinen Hofläden in der Region verkauft oder kommen in der regionalen Gastronomie auf den Tisch. Die kurzen Vertriebswege sind zudem gut für die Umwelt, und die liegt dem Gärtner Kremers am Herzen. Deshalb setzt er auch beim Anbau ganz auf bio.

Bio-Wein gibt es bei Kremers zwar keinen, aber trinken kann man die Heinsberger Trauben trotzdem — als Saft.

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