1. Lokales
  2. Heinsberg

„Lebenswege“ von Karl Beumers: Erlebnisse aus der NS-Zeit gesammelt

„Lebenswege“ von Karl Beumers : Erlebnisse aus der NS-Zeit gesammelt

„Schon das elfte Buch?“, fragte Buchhändler Marcus Mesche und staunte zugleich, als ihm Karl Beumers jetzt die ersten Exemplare seines neuen Werks in die Heinsberger Buchhandlung Gollenstede brachte. „Lebenswege“ lautet der Titel des 228 starken Werkes, wie die zuvor erschienenen ebenfalls im Format DIN A4.

In diesem Buch setzt sich die Reihe mit Geschichten und Erlebnissen von Zeitzeugen während der Phase des Nationalsozialismus in unserer Region fort. Mehr als 30 Menschen haben Karl Beumers aus ihrem Leben während dieser Zeit erzählt, und er hat sie aufgeschrieben, die Erlebnisse, die von Krieg und Evakuierung geprägt sind. „Aufgefallen ist mir auch dieses Mal wieder, dass die Menschen all ihre Erlebnisse aus dieser schrecklichen Zeit tief in ihrem Gedächtnis behalten und bis heute nichts davon vergessen haben.“ Einige von ihnen haben vor ihren Gesprächen mit Karl Beumers niemals zuvor über diese Erinnerungen gesprochen, nicht einmal mit ihren eigenen Familienangehörigen.

Seit weit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich Karl Beumers, ehemaliger Postbeamter, mit der Zeit des Nationalsozialismus in unserer Heimat. Er nimmt dazu Kontakt mit noch lebenden Zeitzeugen auf, dokumentiert ihre Erzählungen zur damaligen Zeit und veröffentlicht sie jährlich in einem neuen Band. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Maria und seit sechs Jahren von Anna Petra Thomas, der Vorsitzenden des Heimatvereins der Heinsberger Lande, die sämtliche Veröffentlichungen von Karl Beumers ehrenamtlich lektoriert. Die Bücher erscheinen im Eigenverlag von Karl Beumers und werden von ihm selbst sowie von der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede zum Selbstkostenpreis verkauft.

Seit fünf Jahren werden die Bücher im Rahmen einer gut besuchten Veranstaltung vorgestellt, in deren Rahmen Anna Petra Thomas Zeitzeugen, die im jeweiligen Buch vorkommen, live vor Publikum interviewt. Dabei konnten bisher bis zu 200 Zuhörer in einer Veranstaltung gezählt werden. Musikalisch engagieren sich bei diesen gut besuchten Buchvorstellungen meist die beiden Söhne von Karl und Maria Beumers, Stefan und Thomas. Auch die Jugendmusikschule Heinsberg unterstützt Karl Beumers bei seinen Präsentationen, wenn sie im Rondell im Klevchen stattfinden. „Leider kann das neue Buch nun nicht in diesem würdigen Rahmen vorgestellt werden“, bedauert Karl Beumers sehr. Aber es soll, sofern es die Bedingungen der Corona-Pandemie zulassen, eine Lesung in der Buchhandlung Gollenstede geben.

Das erste Buch von Karl Beumers erschien 2011 und enthielt unter dem Titel „Kirchhoven im Dritten Reich“ bereits Geschichten über Kriegsschicksale. Es folgten je ein Buch über seine Heimat Birgden und über weitere Schicksale aus Kirchhoven. Das sicher bekannteste Werk ist die Transkription der Tagebücher von Christian Schreinemachers aus Vinn. Inzwischen hat sich Karl Beumers auch schon dem Bergbau in Übach-Palenberg zur Zeit des Nationalsozialismus gewidmet, aber auch weiteren Geschichten aus Heinsberg und aus Birgden.

Material hat er bereits für weitere Bücher recherchiert und aufgeschrieben. „Ich muss mich beeilen“, sagt er, „denn bald gibt es keine lebenden Zeitzeugen mehr.“ So sitzt er jeden Morgen bis zu vier Stunden am Schreibtisch, dokumentiert seine Gespräche und bebildert sie für die nächste Veröffentlichung. So sind in den vergangenen zehn Jahren sage und schreibe 14.600 Stunden zusammengekommen. Mehr als 400 Zeitzeugen hat Karl Beumers inzwischen befragt.

Darüber hinaus geht er mit seinem Wissen auch in die Schulen, um es an die jungen Menschen weiterzugeben. Nicht nur im Kreisgymnasium war er bereits zu Gast, sondern auch im Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen. Hier unterstützte er einen Leistungskurs Geschichte bei seinem Buchprojekt zur Villa Buth in Jülich-Kirchberg, wo zur Zeit des Nationalsozialismus die Juden aus der Region vor ihrem Abtransport in die Vernichtungslager untergebracht wurden. Das Buch zur Villa Buth, an dem Karl Beumers mitwirken durfte, wurde im vergangenen Jahr mit dem Helmut-Crous-Geschichtspreis der Region Aachen ausgezeichnet.

(red)