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Dringender Aufruf: Erkelenzer Familie braucht ein neues Zuhause

Dringender Aufruf : Erkelenzer Familie braucht ein neues Zuhause

An diesem Mittwoch ziehen Nadine Hausmann und Karsten Breuer mit dreien ihrer fünf Kinder in eine städtische Notunterkunft. Die beiden mittleren Kinder kommen bei einem Freund und einer Tante unter. Wer kann kurzfristig helfen?

Es ist erst ein paar Wochen her, da hat diese Redaktion über die Familie Breuer-Hausmann berichtet. Die Familie hat fünf Kinder und lebt seit zwölf Jahren in einem Einfamilienhaus am Stadtrand von Erkelenz. „Lebte“, muss man nun allerdings sagen, denn am Mittwoch, 9. März, wird das Haus der Familie zwangsgeräumt.

Nicht etwa, weil die Miete nicht gezahlt worden wäre. Auch nicht, weil sich die Familie sonst etwas hätte zuschulden kommen lassen. Der Vermieter hat vor einiger Zeit Eigenbedarf angemeldet – in Deutschland ein rechtmäßiges und durchaus übliches Vorgehen – allerdings im Falle der Familie Breuer-Hausmann eine menschliche Katastrophe. Denn trotz vielfältiger Bemühungen konnte bislang keine neue Bleibe gefunden werden. Nun steht die Familie auf der Straße. Eine Obdachlosenunterkunft scheint die einzige Möglichkeit zu sein.

„Dass so etwas bei uns in Deutschland möglich ist, kann ich nicht begreifen“, meldet sich nun Jan Jansen, der Klassenlehrer des zweitjüngsten Kindes an der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz zu Wort. „Es muss doch jemanden geben, der der Familie helfen, und ihnen ein Haus oder eine Wohnung zur Verfügung stellen kann!“

Bislang scheint dies nicht gelungen zu sein. Sämtliche Gespräche mit potenziellen Vermietern seien letztlich daran gescheitert, dass einer Großfamilie, die noch dazu Haustiere mit in die neue Bleibe bringen würde, ein gewisses Stigma anhaftet. Doch die Familie lebt sauber, wenn auch bescheiden mit einem kleinen Einkommen. Der Vater hat ein Kleingewerbe im Garten- und Landschaftsbau, die Mutter neben dem Job als Managerin der Großfamilie einen Minijob als Reinigungskraft und ist auf staatliche Leistungen angewiesen, „was auch die regelmäßige Zahlung der Miete garantieren würde“, erklärt Lehrer Jan Jansen.

Von den Katzen und den Kaninchen, die Teil der Familie waren, haben sich die Hausmanns mittlerweile schweren Herzens getrennt, um ihre Chancen auf ein Zuhause zu erhöhen. Lediglich die zwölfjährige Hündin müsste als unverzichtbares Familienmitglied mit umziehen.

In dem gesamten Prozess sei wahrscheinlich vieles schiefgelaufen, vermutet der Klassenlehrer. Er weiß, dass auch schon Gespräche mit der Stadt geführt worden sind. Zudem habe sich die Familie anwaltlich vertreten lassen, was aber auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe. Auch ein Ersuchen an RWE, der Familie eines Häuser, die ursprünglich abgebaggert werden sollten, nun aber doch (leer) stehen bleiben, zu vermieten, sei gescheitert, weil der Konzern zwar Flutopfer hier beherberge, nicht aber an Privatleute vermiete.

„Was auch immer hier alles zusammenkommt und wer auch immer nun zu dieser Situation beigetragen hat, Fakt ist, dass nun sieben Menschen voneinander getrennt werden und teilweise auf der Straße stehen.“

Der Schüler von Jan Jansen wird vorübergehend bei einem Freund und Mitschüler unterkommen können. Seine ältere Schwester zieht zu einer Tante. Einer der beiden ältesten Söhne, beide schon volljährig, hat ganz aktuell eine kleine Wohnung gefunden, in die er Mitte des Monats einziehen kann. Zumindest für ihn wird die Unterbringung in der Notunterkunft der Stadt Erkelenz also nur kurzfristig sein.

„Ich habe wirklich Angst, was kommt“, sagt Mutter Nadine Hausmann. Ihre Sorge richtet sich vor allem auf ihre jüngste Tochter, die in den nächsten Tagen neun Jahre alt wird. Denn eigentlich ist die Unterbringung in einer Obdachloseneinrichtung für kleinere Kinder nicht möglich – was bedeutet, dass das Mädchen von ihrer Familie getrennt und in einer Pflegefamilie untergebracht werden müsste. „Das Jugendamt hat mir aber versichert, dass meine Tochter bei mir bleiben kann“, sagt Nadine Hausmann erleichtert. „Sie leidet unter extremer Trennungsangst. Auch der Kinderarzt hat uns bestätigt, dass die Unterbringung in einer Pflegefamilie ihr emotional nicht zuzumuten ist.“

Also wird das Mädchen mit seiner Familie in die Notunterkunft ziehen. Aber auch davor, was die dort herrschenden Zustände mit ihrer Tochter machen, haben die Eltern Angst. Nadine Hausmann: „Die Zustände dort sind katastrophal. Viele Menschen, die dort leben, sind alkoholkrank oder gar drogenabhängig. In so einem Umfeld können Kinder doch nicht leben.“

Mittlerweile würde die Familie jede Unterkunft nehmen, die man ihr anbietet. „Selbst die Größe wäre uns egal. Wir würden ganz eng zusammenrücken, Hauptsache, wir finden eine Wohnung, in der wir leben können.“ Alle wichtigen Möbel sind bei Freunden und Bekannten untergebracht, die Taschen mit Kleidung und dem Nötigsten gepackt. „Um 9 Uhr müssen wir die Türe öffnen und das Haus verlassen. Wir sind einfach nur unfassbar traurig.“

Das ist auch Lehrer Jan Jansen, der genau wie die Familie versucht, so schnell wie möglich noch eine andere Unterbringung zu finden: „Vielleicht findet sich ja noch irgendetwas, vielleicht kennt ja irgendjemand noch irgendjemanden. Die Familie ist für jede Hilfe dankbar.“