Erkelenz: Wieder Hunderte Kohlegegner zum Klimacamp erwartet

Klimacamp : Wieder Hunderte Kohlegegner in Erkelenz erwartet

Das Klimacamp im Rheinland findet im August zum zehnten Mal statt. Wo genau, ist noch offen. Das Bündnis „Ende Gelände“ ist diesmal nicht dabei. Dafür planen Aktivisten von „Kohle ersetzen“ Blockaden.

Die Proteste gegen den Braunkohletagebau Garzweiler und für besseren Klimaschutz gehen im August im Kreis Heinsberg weiter. Das Klimacamp schlägt seine Zelte von Donnerstag, 15. August, bis Dienstag, 27. August, wieder bei Erkelenz auf. Das teilen die Veranstalter des Camps nun mit. Wo genau das Camp stattfinden soll, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt Klimacamp-Sprecherin Taalke Wolf. Es solle aber im nahen Umfeld von Erkelenz beziehungsweise dem Tagebau Garzweiler stattfinden.

Dieses Mal soll dasKlimacamp, bei dem es immer auch um den Austausch und die Vernetzung innerhalb der Klimaschutzbewegung geht, ohne das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ über die Bühne gehen. „Ende Gelände“ setzt auf öffentlichkeitswirksame Aktionen – zum Beispiel Blockaden von Kohlebahnlinien oder Braunkohlebaggern.

Dabei war es in der Vergangenheit auch immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Zuletzt drangen „Ende Gelände“-Aktivisten im Juni in den Tagebau Garzweiler ein. „Ende Gelände und das Klimacamp sind zusammen groß geworden. Mittlerweile sind beide Bewegungen so groß, dass sie einander nicht mehr brauchen. Sie stehen beide auf eigenen Beinen“, sagt Wolf.

Der Protest gegen die Braunkohle ist im Kreis Heinsberg wieder lauter geworden. Im Januar 2018 wird der Immerather Dom, eines der markantesten Gebäude am Tagebaurand, abgerissen. Das ruft viel Widerstand auf den Plan. Greenpeace-Aktivisten verzögern den Abriss, indem sie auf das Kirchengebäude klettern. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

So ist in diesem Jahr wohl auch nicht damit zu rechnen, dass der Teilnehmerrekord für das Klimacamp von rund 3000 Teilnehmern aus dem Jahr 2017 übertroffen wird. Wie viele Kohlegegner zu erwarten sind, ist auch für die Veranstalter nur schwer zu schätzen. Aus der Erfahrung heraus könne man von mehreren Hundert Teilnehmern sprechen. Genauer festlegen könne man sich nicht, sagt Wolf. Ein verbindliches Anmeldeverfahren gibt es nicht. „Das ist auch für uns immer eine Überraschung, wie viele Leute kommen“, sagt Wolf. So könne die Teilnehmerzahl von Tag zu Tag auch schon mal von einigen Hundert bis zu 2000 schwanken.

Als Zehntausende am Hambacher Forst protestierten, die Kohlekommission in Berlin an einem Ausstiegsszenario feilte und das Oberverwaltungsgericht Münster einen Rodungsstopp verfügte, spüren die Kohlegegner am Tagebau Garzweiler gehörigen Rückenwind. Zu einem Dorfspaziergang im Oktober 2018 mit dem Waldpädagogen Michael Zobel (Foto) kommen rund 900 Teilnehmer. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Auch ohne „Ende Gelände“ sind vom Klimacamp aus wieder Protestaktionen zu erwarten. Das Bündnis „Kohle ersetzen“ ruft von Donnerstag, 22. August, bis Sonntag, 25. August, zu Blockaden auf, bei denen „in der Form zivilen Ungehorsams die Kohleinfrastruktur von RWE“ blockiert werden soll. Klimacamp-Sprecherin Wolf spricht in diesem Zusammenhang von Sitzblockaden. Das Aktionsbündnis „Kohle ersetzen“ wolle explizit „neuen Leuten in der Bewegung Aktionsformen näher bringen“, sagt Wolf. Will heißen: Wer neu dabei sei, könne sich ausprobieren. Dazu muss man sagen, dass bei „Aktionen des zivilen Ungehorsams“ häufig die Grenzen des juristisch Erlaubten überschritten werden.

Weitere Aktionsformen, die vom Klimacamp ausgehen könnten, seien zum Beispiel angemeldete Demonstrationen, eine Fahrrad-Demo, ein Straßenfest oder eine Theateraufführung, sagt Wolf. Zusätzlich soll es Workshops geben, bei denen es um „Bildung“ in Sachen Klima geht. Darüber hinaus bietet das Klimacamp Raum für mehrere Konferenzen. So findet die mehrtätige und internationale Konferenz „By 2020 we rise up“ auf dem Camp statt, die Klimaaktivisten aus ganz Europa zusammenbringen soll, „um Strategien für effektiven Klimaaktivismus in den kommenden Jahren zu koordinieren“.

Rund 3000 Kohlegegner sind es dann bei einem Sternmarsch mit dem Ziel Keyenberg im März dieses Jahres. Hauptverantwortlich dafür ist das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“, das auch beim Klimacamp dabei ist. „Alle Dörfer bleiben“ kann man als Bindeglied zwischen der bundesweiten Klimaschutzbewegung und der Bevölkerung am Tagebaurand sehen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Mit einem Programm, das speziell auf Kinder und Jugendliche abgestimmt ist, möchten die Organisatoren einerseits Familien mit Kindern die Teilnahme am Camp erleichtern. Andererseits sollen sich junge Interessierte, die zum Beispiel bei „Fridays for Future“ aktiv sind, einbringen können.

Im Juni ist Keyenberg erneut Schauplatz von Anit-Kohle-Demos. „Alle Dörfer bleiben“ und „Fridays for Future“ zählen an diesem Tag gemeinsam 8000 Teilnehmer. In einer „gelben Linie“ setzen sie sich symbolisch zwischen den Tagebau und die bedrohten Dörfer. „Ende Gelände“-Aktivisten dringen an diesem Tag in den Tagebau Garzweiler ein. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Gerade die Schülerstreiks von „Fridays for Future“ haben den Klimaschutz zuletzt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: „Die Bewegung für Klimagerechtigkeit wächst rasant. Auf dem Klimacamp wird die oft abstrakte Vorstellung der Klimakrise erfahrbar, denn hier am Rande der riesigen Tagebaue und der verlassenen Dörfer ist die Zerstörung sichtbar. Gleichzeitig macht das Camp den Menschen Mut, sich für eine gerechtere Welt zu engagieren. Wir wollen den Menschen vor Ort und der Klimabewegung mit dem Klimacamp einen Ort der Vernetzung bieten“, sagte Jette Monberg für das Klimacamp.

Eine gewisse Tradition hat das Klimacamp mittlerweile: Es findet nun zum zehnten Mal im Raum Erkelenz statt.

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