Erkelenz: Scharfe Kritik am Kirchenverkauf an RWE

Tagebau Garzweiler : Scharfe Kritik am Kirchenverkauf im Umsiedlungsgebiet

Die Pfarrei Christkönig Erkelenz und RWE haben sich über den Verkauf der Kirchen im Umsiedlungsgebiet geeinigt. Dies führte zu deutlicher Kritik von Umsiedlungs- und Braunkohlegegnern.

Nachdem am Montag bekanntgeworden war, dass sich die Pfarrei Christkönig Erkelenz und RWE über den Verkauf der Kirchengebäude und -grundstücke im Umsiedlungsgebiet geeinigt haben, gibt es deutliche Kritik von Umsiedlungs- und Braunkohlegegnern. Sie hatten sich Rückendeckung von der Kirche im Kampf für ihre Heimat und die Umwelt erhofft.

BUND-Geschäftsführer Dirk Jansen sagte, dass er „entsetzt“ sei: „Das ist die Aufkündigung der dörflichen Solidarität.“ Dass die Kirche in „vorauseilendem Gehorsam“ eine solche Entscheidung treffe, sei für Jansen nicht nachzuvollziehen. Besonders weil nach dem Kohlekompromiss nach Darstellung Jansens davon auszugehen sei, dass Keyenberg und die anderen Dörfer erhalten bleiben könnten. An die Adresse von Pfarrer Werner Rombach, der die Verhandlungsdelegation der Pfarrei leitete, sagte Jansen: „Es nutzt nichts, wenn Herr Rombach beim Abriss des Immerather Doms am Zaun steht und traurig guckt“, er müsse auch im Sinne der päpstlichen Enzyklika Laudato si’ etwas für die Bewahrung der Schöpfung tun.

Auch die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ übt scharfe Kritik am Schritt der katholischen Kirche, alle ihre Gebäude und Grundstücke in den vom Tagebau bedrohten Orten an RWE zu verkaufen. Hedi Drabik, Küsterin in Keyenberg, wird in einer Pressemitteilung von „Alle Dörfer bleiben“ wie folgt zitiert: „Den Verkauf unserer Kirche habe ich über die Zeitung erfahren müssen. Ich bin zutiefst schockiert davon, dass die Pfarrei Erkelenz dem hinter meinem Rücken zugestimmt hat. Wieder einmal lässt die katholische Kirche ihre Gemeinde hier im Stich. Anstatt unser Gotteshaus zum Abriss freizugeben, wäre es doch ihre oberste Pflicht gewesen, bis zum Schluss für den Erhalt der Schöpfung einzustehen, so wie es auch der Papst in seiner Laudato si’ fordert.“

Auch andere Keyenberger sind nach Angaben von „Alle Dörfer bleiben“ fassungslos: „Nach allem, was mir die katholische Kirche über das Leben und Wirken von Jesus vermittelt hat, bin ich überzeugt: wäre Jesus Keyenberger, dann würde er seiner Kirche den Rücken kehren“, sagt Ingo Bajerke, Mitglied der Keyenberger Gemeinde, der sich auch für den Erhalt der fünf Dörfer am Tagebaurand einsetzt.

Die Pfarrei hatte die Einigung mit RWE am Montag öffentlich gemacht. Sie hatte diesen Schritt damit begründet, der Mehrheit der Menschen folgen zu wollen. Und die ziehe in den neuen Ort im Erkelenzer Norden, wo die Pfarrei auch eine neue Kirchen baut.

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