Erkelenz oder Hückelhoven: Droht nun eine Standortdiskussion?

Kreismusikschule : Erkelenz oder Hückelhoven: Droht nun eine Standortdiskussion?

Der Kreis Heinsberg sucht einen neuen Standort für die Musikschule. Aber wo soll der sein? Wieder in Erkelenz oder nun in Hückelhoven? Das soll in der Runde der Bürgermeister zur Sprache kommen.

Alle waren sich einig, die Kreismusikschule soll zum 50. Geburtstag ein neues Zuhause bekommen. Das war´s dann aber auch schon an guten Neuigkeiten. Wie das Geburtstagsgeschenk einmal aussehen und wo es stehen soll, diese Frage vertagten die Mitglieder des Bau- und des Kulturausschusses des Kreises Heinsberg auf die Sitzung des Kreistages am 19. Juni.

Nun bleiben theoretisch vier Wochen Zeit, um ein zukunftsweisendes Projekt mit einem Investitionsvolumen von mehreren Millionen Euro auf den Weg zu bringen. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung war zu Sitzungsbeginn allerdings schon veraltet. Er hatte vorgesehen, die Kreismusikschule im Alten Amtsgericht in Erkelenz an der Aachener Straße unterzubringen oder alternativ einen Neubau auf einem noch zu findenden Grundstück in Erkelenz zu errichten.

Eine Woche vor der Sitzung hatte aber auch die Stadt Hückelhoven ihren Hut in den Ring geworfen. Bürgermeister Bernd Jansen (CDU) hatte, wie er auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte, sehr kurzfristig von den Überlegungen erfahren, dass die Kreismusikschule umziehen soll. Nach Rücksprache mit dem Rat habe er gegenüber dem Kreis eine Bewerbung seiner Stadt als neuer Standort der Kreismusikschule abgegeben. Nach der Zechenschließung und erfolgreicher wirtschaftlicher Entwicklung möchte die Stadt über Bildung nun auch den sozialen Wandel hinbekommen.

Die Balken unter dem Holzboden sind noch intakt hat Architekt Josef Viethen (5.v.r., Foto rechts) festgestellt. Foto: Dettmar Fischer

Als Standort der Kreismusikschule in Hückelhoven schlägt Jansen die Fläche zwischen Aula und Rathaus vor. Das Grundstück würde die Stadt zur Verfügung stellen. Für Veranstaltungen könnten die Aula und der benachbarte Oberstufentrakt genutzt werden.

Vom Tagungsort Berufskolleg Erkelenz hatten die Mitglieder des Bau- und Kulturausschusses das citynah gelegene Alte Amtsgericht an der Aachener Straße besichtigt. Nach der Nutzung als Gerichtsgebäude beherbergte der denkmalgeschützte, 1880 nach Plänen des königlichen Garnisonsbauinspektors Hauck errichtete Backsteinbau, ein Altenheim. Das Gebäude steht leer und zum Verkauf.

Einen gewissen Charme hat das Alte Amtsgericht, das zuletzt als Altenheim genutzt wurde. Foto: Dettmar Fischer

Der Kreis Heinsberg hatte im Dezember 2018 einen Kaufvertrag für das Alte Amtsgericht unterzeichnet, allerdings mit der Klausel, dass der Vertrag nur zustande kommen soll, wenn die zuständigen politischen Gremien noch zustimmen würden. Bis Ende Juni hat der private Verkäufer dem Kreis die Immobilie reserviert. Der Plan der Kreisverwaltung sieht vor, die Kreismusikschule, die derzeit in Erkelenz am Schulring in einem von der Stadt Erkelenz zur Verfügung gestellten Wohnhaus mehr schlecht als recht untergebracht ist, in das Alte Amtsgericht umzusiedeln. Auf einer am  Amtsgericht liegenden Grünfläche könnte optional ein Musiksaal mit 180 Sitzplätzen, Baukosten knapp 800.000 Euro, gebaut werden.

Der Muff von zwei Jahrhundertwenden empfing die Ausschussmitglieder im Alten Amtsgericht. Hinterlassenschaften der ehemaligen Heimbewohner und aufgerissene Fußböden, um die Balkendecke zu inspizieren, machten keinen einladenden Eindruck. Auch der Erkelenzer Architekt Josef Viethen, der die Ausschussmitglieder rundführte, gab zu, man müsse schon Fantasie aufbringen, um sich die Räume als Musikschule vorstellen zu können. Die Bausubstanz sei aber gut. Man könne morgen loslegen mit der Sanierung.

Die Stadt Erkelenz würde es begrüßen, wenn das Gebäude zukünftig durch die Musikschule des Kreises Heinsberg genutzt würde. Sie hat sich bereit erklärt, sich bei einer Realisierung in etwa im gleichen Umfang wie bisher bei der Überlassung des Gebäudes am Schulring finanziell zu beteiligen.

Im Alten Amtsgericht stünde eine Nutzfläche von 850 Quadratmetern für die Geschäftsstelle, Unterrichtsräume,  ein Lehrerzimmer  und Instrumentenlager zur Verfügung. Die Kostenschätzung des Architekturbüros Viethen liegt  für Kauf, Umbau und Sanierung des Alten Amtsgerichts bei 2,3 Millionen Euro. Als Alternative wäre die Errichtung eines Neubaus auf einem noch zu erwerbenden innerstädtischen Grundstück mit einer vergleichbaren Nutzfläche für geschätzte 2,5 Millionen Euro denkbar.

Nach derzeitiger Kostenverteilung, die abhängig von den Schülerzahlen ist, sind alle Städte und Gemeinden des Kreises an der Finanzierung der Musikschule beteiligt. Hauptkostenträger aufgrund der meisten Schüler ist die Stadt Erkelenz mit 43,8 Prozent. Dr. Hanno Kehren, Hückelhovener CDU-Mitglied, hatte den einstimmig akzeptierten Antrag gestellt, den Tagesordnungspunkt auf die Kreistagssitzung zu verschieben. Er verwies auf die an diesem Freitag anstehende Bürgermeisterrunde mit Landrat Stephan Pusch (CDU). Vielleicht wäre es ja dort möglich, den gordischen Knoten zu lösen und einen Kompromiss zu finden.

Sollte in den Fraktionen die sicherlich mit erheblichen Emotionen verbundene Standortdiskussion eröffnet werden, dürfte die Option Altes Amtsgericht ihr Verfallsdatum überschreiten.

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