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Erkelenz: Emotionales Stück über den Verräter schlechthin

Judas-Inszenierung : Emotionales Stück über den Verräter schlechthin

In der Kirche wird das Lied „O Haupt voller Blut und Wunden“ angestimmt. Die Gemeinde singt „Du tratst an meine Stelle aus freier Lieb und Huld, gabst deine eigne Seele für meine Sünd und Schuld“, als ein wütender Mann aus ihren Reihen aufspringt und die Andacht stört.

„Stopp!“, ruft er erzürnt. „Hört euch doch mal selber zu, was ihr da singt!“ Der Mann eilt nach vorne zum Altar und stellt sich vor. „Mein Name ist Judas Iskariot“, beginnt er. „Es wird viel erzählt über mich.“ So beginnt die Inszenierung von Lot Vekemanns Stück über den Verräter schlechthin: Judas, der Mann, der Jesus verraten hat und dessen Name heute als Schimpfwort gilt.

Judas, so erfährt der Zuschauer, ist ein stolzer Name in der jüdischen Tradition. In der Familie Iskariot wurde der Erstgeborene aus Tradition Judas getauft. Der Sohn eines Kaufmannes und einer Hebamme hatte fünf Geschwister, die er zurücklässt, als er Jesus begegnet und der ihn zum Mitkommen auffordert. Ohne zu wissen, wohin es geht, folgt er Jesus, von dem er viel erwartet.

Die Zuschauer lernen Judas als einen Mann kennen, der immer noch vom Sinn seiner Tat überzeugt ist und etwas bewegen wollte. Er wollte seinen Freund und Meister Jesus zur Tat zwingen. Schließlich bekennt er, dass er die Worte Jesu als Aufforderung zu genau diesem Schritt verstanden hatte. Als er seinen Fehler erkennt, ist es zu spät. Die 30 Silberlinge, die er der Überlieferung nach als Lohn für den Verrat erhielt, spielen keine Rolle.

Judas beschreibt die Zeit als eine, „in der niemand wusste, wohin wir gehen“. Es wimmelte vor falschen Messiassen, die Heil versprachen und Verwirrung stifteten. In dieser Zeit erscheint ihm Jesus als Fels in der Brandung. Am engsten verbunden fühlt er sich ihm, als Jesus in Jerusalem die Händler aus dem Tempel vertreibt. Das ist der revolutionäre Geist, den er erwartet.

Er glaubt gar, ihm einen Freundschaftsdienst erwiesen zu haben durch den Verrat und die daraus resultierende Möglichkeit, seine Lehre zu erklären. „Ich wollte kein Opfer mehr sein“, sagt er. „Ich hatte einen Plan.“ Am Ende wird der Verräter verraten, werden Absprachen gebrochen und Judas erkennt, dass er versagt hat. Er stirbt durch den Strick drei Stunden vor Jesus. „Im Grunde bin ich einer von euch“, lautet seine Botschaft zum Abschied. „Eure Schuld ist an mir kleben geblieben.“

Jan Küper spielt den Judas sehr emotional und nachvollziehbar. Wie Pfarrer Robin Banerjee ist er als Lehrer am Cornelius-Burgh-Gymnasium tätig und unterrichtet die Fächer Philosophie und Deutsch. Dritter im Bunde ist der Theologe und Musiker Sebastian Schade. Er bringt durch seine Improvisationen am Klavier ein weiteres erzählerisches Element in das Stück ein, das die Emotionen des Judas unterstreicht. Zum Ende des rund einstündigen Stückes hin enthüllt Judas eine lebensgroße Altarfigur des leidenden Jesus, um das Wort auch direkt an ihn zu richten.

Nach der Premiere wird „Judas“ noch einmal am Freitag, 3. Mai, in Schwanenberg und einen Tag später in der Heinsberger Christuskirche (20 Uhr) aufgeführt. Der Eintritt ist frei.