Entspanntes Klima zwischen Aktivisten und Polizei

Tagebauprotest : Entspanntes Klima zwischen Aktivisten und Polizei

Auch beim zehnten Klimacamp bei Kückhoven standen wieder Aktionen gegen den Tagebaubetreiber RWE Power auf dem Programm. Im Gegensatz zu früheren Jahren setzten die Klimacamper dabei auf die Strategie der Nadelstiche, die auch mit weniger Aktivisten durchführbar ist.

Am Samstagmorgen hatten sich im Klimacamp bei Kückhoven rund 150 Aktivisten in fünf Blockadegruppen auf den Weg gemacht, um unter anderem bei Frimmersdorf und am Skywalk bei Jackerath die Zufahrt zum Tagebau und damit den Betriebsablauf zum Erliegen zu bringen. Darauf hatten sich die Aktivisten tags zuvor im Klimacamp vorbereitet. Das reichte vom „Durchfließen“ einer Polizeikette bis hin zum konkreten Verhalten bei einer Räumung oder der Optimierung der sogenannten „Konsenskette“. Denn alle Entscheidungen der Gruppe würden im Konsens getroffen, betonte Mira Jäger vom Presseteam des Klimacamps. Daher seien die Entscheidungswege oftmals etwas langwierig. „Jeder muss für sich abwägen, wie weit er bereit ist zu gehen“, erklärte Jäger. Daher könnte die Aktion nicht bis zum Ende durchgeplant sein und sei in ihrer Entwicklung nicht vorhersehbar.

An fünf Stellen wurden die Zufahrten zum Tagebaugebiet durch Sitzblockaden stillgelegt. Rund drei Stunden lang ging an den Zufahren nichts mehr. Am Skywalk bei Jackerath stauten sich ab zwölf Uhr die Lastwagen, während technikbegeisterte Ausflügler den Aussichtspunkt ansteuerten, um Fotos vom gigantischen Bagger zu machen.

Sogar beim Wegtragen der Blockierer gab die Polizei Tipps, wie es für beide Seiten leichter sei. Foto: Helmut Wichlatz

Flankiert wurden die Blockierer von Einsatzkräften der Polizei. Nach rund einer Stunde wurde die Veranstaltung offiziell beendet und die Teilnehmer gebeten, das Gelände zu räumen – das Startsignal für das altbekannte Spiel. Auf die Aufforderung der Polizei hin, die Blockade abzubrechen, verließ rund die Hälfte der 40 Klimaaktivisten nach einer Weile die Fahrbahn und zog ab. Den Verbliebenen wurde eine weitere Bedenkzeit eingeräumt, bevor sie dann einzeln aus der Kette genommen und weggetragen wurden. Wie es dann weiterging, hing vor allem davon ab, ob sie ihre Identität preisgeben wollten oder nicht. Nach der Feststellung der Personalien wurde ein Platzverweis ausgesprochen.

Gegen 14.30 Uhr begann die Räumung der Blockade. Dabei gingen Polizei und Blockierer durchaus höflich miteinander um. „Wir wollen es Ihnen so bequem wie möglich machen“, betonte ein Beamter und erläuterte einer Klimaaktivistin die verschiedenen Tragetechniken und wie sie durch ihre Kooperation zu einem reibungslosen Abtransport beitragen könnte. Bei einer Temperatur von rund 30 Grad war jede Hilfe bei der schweißtreibenden Arbeit willkommen.

Mira Jäger berichtete später auf Nachfrage, dass einige der Klimaaktivisten zur Gefangenensammelstelle (GESA) nach Aachen gebracht worden seien, um ihre Personalien festzustellen. Insgesamt bezeichnete sie die Blockadeaktion als erfolgreich. Immerhin konnten die Zufahrten zum Tagebauloch für mehrere Stunden gesperrt werden. So seien auch der Schichtwechsel und die Zulieferung von Materialien für einige Stunden unterbrochen worden.

Ob aufgrund des Tatbestandes der Nötigung weitere Ermittlungen folgen, stand bei der Auflösung der Blockade noch nicht fest.

(hewi)