Heinsberg: Eine Liebe, die nie rosten wird

Heinsberg: Eine Liebe, die nie rosten wird

Nein, wie ein feuriger Brasilianer sieht er nicht aus. Eher erinnert er an ein Cabrio, mit dem rasante junge Damen und Herren in den 1930er Jahren mal eben in die Sommerfrische brausten. Doch seine goldene Lackschicht über dem Fiberglaskörper weist ihn gleich als einen Gewinner aus, zumindest einen der Herzen, die er auch bei Heike und Ludwig Stolz im Fluge erobert hat.

Der in Brasilien entwickelte MP-Lafer, den das Unternehmer-Ehepaar vorzugsweise bei strahlendem Sonnenschein und offen kutschiert, ist eines von nur rund 30 Exemplaren, die es in Deutschland gibt.

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„Bis Ende 1996 waren wir beide begeisterte Motorradfahrer, meine Frau als Sozia“, sagt Ludwig Stolz. „Dann jedoch stellte sich zu unserer großen Freude unser gemeinsames Wunschkind ein und alles veränderte sich. Mit Kind, Hund und Geschäft blieb dann plötzlich keine Zeit mehr, sich diesem Hobby zu widmen.“ Zum ersten MP-Lafer in der Familie sei es aber letztlich nur durch einen Zufall gekommen, erinnert sich Ludwig Stolz noch gut. „Ein Geschäftsfreund von der Firma Miele zeigte mir eines Tages ein Foto von dem kleinen, nostalgisch anmutenden Roadster. Es war das Fahrzeug seiner späteren Frau; und er fragte mich, ob ich Interesse daran hätte, den Wagen zu kaufen.“

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Rückblickend sagt der 59-Jährige, sei es wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen. „Seit diesem Tag ging mir das Auto nicht mehr aus dem Sinn. Auch meine Frau fand den Wagen gleich hübsch.“ Aber dennoch war von einem Kauf noch keine Rede.

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Dabei hatte sich das Herz wohl schon längst entschieden. „Ich habe sogar Berechnungen angestellt, wie Frau, Kind und Hund in dem kleinen Wagen untergebracht werden könnten“, lacht Ludwig Stolz im Nachhinein über sich selbst. „Alles nur um meine Frau von dem Kauf zu überzeugen.“ Eine Mammutaufgabe war dies allerdings nicht. „Nein, viel Überzeugungsarbeit war da nicht nötig“, sagt Ehefrau Heike. „Ich war ja auch schon verliebt in das Auto. Es war einfach niedlich.“

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Außerdem, so erzählt Ludwig Stolz augenzwinkernd, „war der Verkäufer des Wagens so gemein, ihn auf meiner täglichen Wegstrecke von Wassenberg nach Heinsberg bei einem Autohändler zum Verkauf auszustellen“. Und dann ging alles ganz schnell, damit bloß niemand das Schmuckstück noch hätte wegschnappen können. „Das der Wagen eine ganz besondere Geschichte hat, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.“

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Wer Brasilien mit Autos in Verbindung bringe, denke wahrscheinlich zuerst einmal an die berühmten Formel-1-Piloten Emerson Fittipaldi und Ayrton Senna, glaubt der Heinsberger Elektronik-Händler. „Im Automobilbau für Straßenfahrzeuge glänzte Brasilien dagegen, zumindest aus europäischer Sicht, eher im Verborgenen.“ Der MP-Lafer, nicht für den Massenbetrieb gebaut, gelte heute dennoch als eine der Legenden der weltweiten Automobilgeschichte.

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Der MP-Lafer sei „eine seltene Ikone, wovon es in Deutschland nur rund 30 zugelassene Exemplare gibt“, weiß Ludwig Stolz. „Das MP steht für ,Moveis Paten-teados‘, portugiesisch für patentierte Möbel.“ Kein Wunder, denn Lafer ist der brasilianische Möbeldesigner und -fabrikant Percival Lafer, der das Auto baute. „Nur 4300 Exemplare sind in Brasilien von 1974 bis 1990 gebaut worden. Und nur 1000 davon gingen in den Export, überwiegend nach Europa“, sagt Ludwig Stolz. Es wurden bis 1983 etwa 150 Fahrzeuge in Deutschland ausgeliefert. Der Preis im Jahr 1983 betrug etwa 35 000 D-Mark. Über den heutigen Wert hüllt sich Ludwig Stolz vornehm in Schweigen.

In einem Teil seiner Möbelfabrik in Sao Paulo ließ Lafer den nostalgischen Roadster, der optisch an den englischen Klassiker MG-TD von 1952 angelehnt ist, fertigen. Es war kein Auto für den Alltagsgebrauch, sondern ein offener Zweisitzer, der bei damals zeitgemäßer Technik durch ein historisch wirkendes Design die Autoenthusiasten ansprach.

So fuhr auch der in seiner Heimat als Nationalheld verehrte, zweimalige Formel-1-Weltmeister Fittipaldi privat einen MP-Lafer. „International bekannt wurde das Auto durch seinen Einsatz in dem James-Bond-Film Moonraker mit Roger Moore“, erzählt Heike Stolz. Auch in anderen Filmen und Serien wie zum Beispiel Knight Rider sei er zu sehen gewesen.

Trotz seiner Anlehnung an den MG-TD „handelt es sich um ein völlig eigenständiges Fahrzeug“, sagt Ludwig Stolz. „Es besitzt einen VW-Motor mit, je nach Ausführung, 27 bis 70 PS und ein VW-Chassis. Die Karosserie besteht, wie eingangs schon erwähnt, aus Fiberglas.

Ein besonderes Highlight erwartet das Ehepaar Stolz am nächsten Wochenende, denn dann werden sie den Erbauer ihres Schmuckstückes persönlich kennenlernen. Percival Lafer, mittlerweile irgendwo in den 70ern, wird am 6. MP-Lafer Germany Treffen auf Burg Wissem in Troisdorf teilnehmen.

Dass Ludwig Stolz und seine Frau ihn begrüßen werden, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Ludwig Stolz 2011 die Interessengemeinschaft MP-Lafer Germany selbst gegründet. Zehn bis 20 von ihnen treffen sich alljährlich mit ihren Oldtimern zum MP-Lafer-Germany-Treffen. Sohn Christian und Schwiegersohn Guido gehörten übrigens auch längst dazu, sagt Ludwig Stolz. Was den Schwiegersohn betrifft, „war es eine Grundbedingung, damit wir der Verbindung mit unserer Tochter unserer Segen geben konnten“, sagt Ludwig Stolz und lächelt wieder verschmitzt.