Erkelenz-Genehen: Eine Landfrau serviert das perfekte Dinner

Erkelenz-Genehen: Eine Landfrau serviert das perfekte Dinner

Kochen ist wieder modern. Vor allem, wenn man es perfekt hinbekommt und zu einem ebenfalls perfekten Dinner einladen kann. Nun ist es für manch einen Hobbykoch schon eine Herausforderung für sechs Personen zu kochen. Eine Landfrau hingegen bekommt bei sechs Gästen noch nicht einmal Blutdruck.

Das dachte sich auch Sybille von der Forst, Ehefrau des stellvertretenden Bürgermeisters von Erkelenz und Vorsitzende der rund 120 organisierten Erkelenzer Landfrauen.

Sybille von der Forst hatte sich vorgenommen, 26 ihrer Kolleginnen perfekt zu bewirten und ein Dinner zu präsentieren, an das sie sich noch lange erinnern würden. „Eigentlich war das schon im vergangenen Jahr geplant“, sagt von der Forst. „Doch da machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und das Dinner wurde uns im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt.“ Diesmal stimmte alles. Das Wetter spielte mit und Ehegatte Walter hatte trotzdem zuvor ein Schutzdach über dem Innenhof angebracht, wo die festliche Tafel gedeckt wurde.

„Für viele Menschen zu kochen macht mir nichts aus“, betonte von der Forst. Trotzdem hatte sie sich Hilfe geholt und mit Christel Meurer, Diana Otten, Elisabeth Hanßen und Schwiegertochter Birgit ein Team gefunden, bei dem alles reibungslos lief. Mit den Speisen hatten sie sich besondere Mühe gegeben. Erste Voraussetzung war, dass alles frisch sein und möglichst aus der Region stammen musste. Beim Reh wurde eine Ausnahme gemacht und der Begriff „Region“ etwas weiter gestreckt, denn das stammte aus einer Jagd in der Eifel.

Am großen Tag des perfekten Dinners lief alles wie geplant. Die Gäste wurden in einem historischen Reisebus ganz stilecht zu Hause abgeholt und trafen fast ohne Verspätung in Genehen ein. Dort wurden sie von ihrer Gastgeberin und deren Helferinnen mit einem Glas Sekt mit Hibiskusblüte begrüßt.

Es folgte ein Menü, vor dem auch die Fernsehköche ehrfurchtsvoll ihre Kochmützen gezogen hätten. Als Vorspeise gab es 26 Mal eine Taubenbrustpraline mit Schokoladenbezug auf einem Salatbett mit einer Wildkräutervinaigrette. Der Hauptgang ließ nicht lange auf sich warten und verhieß einen weiteren Hochgenuss. Rehrücken und Rehkeule mit Preiselbeerpfirsich, Spätzle und Serviettenknödel und Wildkräutersalat aus eigenem Anbau mit einer Himbeervinaigrette. Abgerundet wurde das Dinner von weißer Schokoladenmousse mit Früchten der Saison.

Am Ende waren die Dinnergäste vollauf zufrieden und hätten von der Forst und ihren emsigen Helferinnen gerne die volle Punktzahl gegeben, wenn es Punkte zu verteilen gegeben hätte. Einig waren sie sich aber darüber, dass das perfekte Dinner an der großen Tafel im kommenden Jahr wiederholt werden muss.

Die Landfrauen sind eine durchaus aktive Gruppe, deren Aktivitäten sich nicht nur um Haus und Hof drehen. Regelmäßig trifft man sie auf den Bauermärkten auf Hohenbusch an, wo sie Werbung machen für heimische Nahrungsmittel und manches erlesene Rezept für die Zubereitung bereithalten. Um mitzumachen, genügt es, auf dem Land zu wohnen. Einen Bauernhof brauchen die Landfrauen heute nicht mehr aufzuweisen. „Wir leisten durch den Erhalt der heimischen Rezepte und Kochgewohnheiten einen Beitrag zur Kulturpflege“, betont die Vorsitzende der Landfrauen.

Und der ist bitter nötig, denn auf traditionelle Art und Weise zu kochen, widerspreche heute oftmals den Lebensrealitäten junger Familien ebenso wie der Anbau von Gemüse im Garten. Sybille von der Forst und ihre Mitstreiterinnen sehen sich in ihrem Engagement bestätigt, denn die Rezeptsammlungen und Kochbücher mit heimischen Gerichten sind beliebt — bei Landfrauen wie Stadtfrauen gleichermaßen.