Heinsberg-Kirchhoven: Ein rasanter Dreiakter mit Lokalkolorit

Heinsberg-Kirchhoven: Ein rasanter Dreiakter mit Lokalkolorit

Das war ein neuer Rekord: Knapp 600 Zuschauer konnte Regisseurin Waltraud Philippen an zwei Abenden zur neuen Aufführung der Kirchhovener Theatergruppe in der Mehrzweckhalle an der Brunnenschule begrüßen.

Das neue, von Gerd Geiser ausgewählte Stück mit dem Titel „All´welle Lisbet“ (Alle wollen Lisbet) beinhalte alles, was das Leben so mit sich bringe, vor allem die Spannungen zwischen Mann und Frau, erklärte sie zur Einführung.

Gerd Geiser (Schäng) hatte auch in diesem Jahr das Stück für die Theatergruppe ausgewählt.

Ein bisschen lang zieht sich die erste Szene dann dahin mit einem Gespräch zwischen Oma Schmitz (Kerstin Baltes) und ihrer Tochter Lisbet Küppers (Petra Claßen), die sich über den missratenen Sohn und Bruder Hans, genannt „Schäng“ (Gerd Geiser), auslassen. Das ändert sich schlagartig, als Opa Schmitz (Christoph Geiser) die Bühne betritt. Beeindruckend spielt er den gebrechlichen alten Herrn, der jedoch an seinem Wortwitz und seiner Vorliebe für das andere Geschlecht noch gar nichts eingebüßt hat und immer wieder mit flotten Sprüchen daherkommt.

Uschi Hammer (rechts) war der Hammer im Stück: Sie schreckte nicht einmal davor zurück, Ralf Lottermann mit einem Blumenstrauß zu vermöbeln, sehr zum Schrecken von Opa und Oma Schmitz sowie von Schäng und seiner Claudia (links). Foto: Anna Petra Thomas

Das gilt natürlich nicht minder für Schäng, wie ihn das Kirchhovener Publikum schon kennt. Mehr noch als in den vergangenen Jahren sind seine und auch die Beiträge seiner Mitspieler gespickt mit Lokalkolorit, sodass man glatt hätte glauben können, das Lustspiel in drei Akten von Walter G. Pfaus sei den Kirchhovenern auf den Leib geschrieben worden. Nein, sie hatten das Stück nicht nur vom Hochdeutschen ins Kirchhovener Platt „vertont“, sondern ihm auch noch den ein oder anderen lokalen Witz hinzugefügt. Zum Beispiel als Schäng vom geplanten Besuch Donald Trumps beim Bundesfest der Schützen in Heinsberg berichtet und den dafür verschweißten Klos im Hotel Corsten. Ein andermal robbt er mit seinem Hinterteil über die Bühne und behauptet, schon für den Kirchhovener Karnevals-Wettbewerb „Schlag den Reibel“ zu üben. Das Publikum amüsiert sich köstlich.

Danach dreht sich das Beziehungskarussell auf der Bühne rasant. Eigentlich will Pastor Hubert Engel (André Geffers) Lisbeth als seine neue Haushälterin gewinnen. Doch die verliebt sich in den Installateur Ralf Lottermann (Jürgen Houben), der gekommen ist, um den Wasserhahn zu reparieren. Uschi Hammer (Vera Mausberg), Lisbets Schulfreundin, ist die erste Heiratskandidatin, die sich auf die Heiratsanzeige gemeldet hat, die Lisbet und ihre Tochter Petra (Sabine Heggen) für Schäng aufgegeben haben. Sie heißt nicht nur Hammer, nein, sie spielt und spricht auch so, ein wirklich fernsehreifes Trampeltier vom Lande.

Gefordert ist sie, als Claudia Schöner (Nadine Hörter-Timmermanns) mit dem Auto vor dem Schmitzhof liegenbleibt und sich spontan in Schäng verliebt. Sie versucht sich im Kirchhovener Platt, wäre aber besser beim Hochdeutsch geblieben. Uschi Hammer kämpft mit Mistgabel und allem, was so daran hängt, um ihren Schäng, aber vergeblich. Das verhindert jedoch das Happy End nicht: Schäng bleibt mit seiner Claudia zusammen, Lisbet mit ihrem Ralf und Oma mit Opa sowieso. Uschi geht jedoch auch nicht verloren und wird die neue Haushälterin von Pastor Engel. Ende gut, alles gut, auch für ein nach drei Akten und drei Stunden begeistertes Publikum.

Der Dank der neun Akteure auf der Bühne ging nicht nur an Regisseurin Waltraud Philippen, sondern auch an Souffleuse Katja Ohligschläger und Maskenbildnerin Jaqueline Günther sowie an die Bühnenbauer Peter Geiser, Alfred Nießen, René Timmermanns und Thomas Jopen.

Mehr von Aachener Zeitung