Ein prallvolles Kuriositätenkabinett

Worüber wir 2018 geschmunzelt haben : Ein prallvolles Kuriositätenkabinett

Auf den letzten Drücker blicken wir noch einmal auf das ablaufende Jahr zurück. Ganz zum Schluss tun wir das aber etwas anders als sonst. Wir schauen mit einem Augenzwinkern auf das, was die Menschen in unserer Region in diesem Jahr beschäftigte.

Politik, Promis, Partys – Fauna, Flora, Fußball: Das Kuriositätenkabinett hat sich in diesem Jahr mal wieder ganz von selbst bis zum Rand hin gefüllt. Ein reicher Fundus, in den wir unsere Schöpfkelle zum Jahresabschluss tief hineintauchen.

Der „Schild“-Bürgerstreich von Wegberg zum Beispiel. Aus Stolz auf Heimat und Historie hatte der Rat beschlossen, die Ortseingangsschilder mit dem Zusatz „Mühlenstadt“ zu versehen. Doch die Firma, die die Klebefolien mit dem „Mühlenstadt“-Schriftzug herstellte, schoss dabei ein gutes Stück über das Ziel hinaus. Auf sechs gelben Schildern prangte „Mühlenstadt“ mit dem kleineren Zusatz „Wegberg“. So viel Heimatliebe geht zwar zu weit, trotzdem hingen die Schilder erst einmal an den Ortseingängen. Da wusste selbst das aktuellste Navi nicht mehr, wo es war.

Apropos Mobilität: Im Sommer kam der Bahnverkehr auf der Strecke Aachen-Mönchengladbach zum Erliegen. Die Bahnhöfe wurden mächtig umgebaut und für den Rhein-Ruhr-Express, den Regionalzug der Zukunft, ertüchtigt. Dafür müssen die Bahnsteige in Höhe (76 Zentimeter) und Mindestlänge (215 Meter) exakt auf das moderne, komfortable, überhaupt nicht störanfällige und per se pünktliche Gefährt abgestimmt werden. Das klappte auch überall. Entschuldigung, fast überall. In Baal bauten die Bahn und die beteiligten regionalen Verkehrsverbände den Bahnsteig 15 Zentimeter zu weit weg von den Gleisen. Das bedeutete für die Zugreisende aus Richtung Aachen: Kein Halt in Baal. Aus Sicherheitsgründen. Die klaffende 15-Zentimeter-Lücke zwischen Bahnsteig und Zugtür verbot jeden Zu- und Ausstieg.

Weil Jogis Jungs in Russland baden gingen, wurde der „Rudeljubel“ in Erkelenz zum Katzenjammer. Foto: dpa

Es ist wie so oft im Leben: Wenn etwas schief läuft, dann wird es witzig. So oder so ähnlich soll der große Loriot das mal gesagt haben. Und der muss es ja wissen.

Gar nicht nach Plan lief es diesen Sommer auch in Erkelenz. Man hatte sich so gefreut. Die Szenen liefen schon vor dem inneren Auge ab: Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Feierstimmung und literweise Freudentränen. Aber der „Rudeljubel“ wurde dann doch zum kollektiven Katzenjammer. Da halfen auch die per Crowdfunding finanzierten 28-Quadratmeter-Leinwand, Expertentalks und Bandauftritte wenig. Unter dem Strich blieben Bilder, die nahelegten, dass Ex-Nationaltrainer Erich Ribbeck vor der WM ein Geheimtrainingslager mit den Nationalspielern absolviert hatte. Der Inhalt: „Gegen den Ball rumpeln wie einst Novotny, Ramelow und Wörns.“ Samba am Zuckerhut ist für die Nationalelf eben von gestern.

Wenn schon kein Samba, dann wenigstens Reggae: Ordentlich feiern wollten die Hückelhovener zu diesen exotischen Klängen. Aber das Festival „Hückelhoven Karibisch“ wurde Opfer des Wetters. Dort hielten nicht etwa Starkregen und Schlammlawinen die Besucher fern, sondern die Hitze. Bei mehr als 30 Grad Celsius war es dem Hückelhovener einfach zu warm für das Karibikgefühl. Da konnte auch die allseits bekannte Reggaegröße Keith „Roughhouse“ Powell kaum jemanden hinter der heimischen Klimaanlage hervorlocken.

Als die SPD-Spitze in Berlin in die Groko ging, machten einige Sozis in Wegberg den Lafontaine und gründeten eine Linke Ortsgruppe. Foto: dpa

Die Natur, die litt auch unter der Hitze. Das hielt unsere Redaktion aber nicht davon ab, den Löwenzahn zum „Superstar unter den Kräutern“ zu ernennen. Und auch die „Tunnelerdbeere“, die aus dem Repertoire heimischer Landwirte gar nicht mehr wegzudenken ist, förderten wir ans Tageslicht. Viel geheimnisvoller verlief jedoch die Suche nach dem – möglicherweise bösen – Wolf. Der streifte durch den Kreis Heinsberg, wurde ab und an gesichtet, blieb aber ein Mysterium. Die Erklärung am Ende: Es war gar kein richtiger Wolf, sondern ein Wolfshybride. Also eine Mischung aus Wolf und Hund. Und dann verschwand das Tier wieder so geheimnisvoll, wie es gekommen war. Ein bisschen wirkte es wie eine Mischung aus den Gebrüdern Grimm und Reich-Ranicki: Ende gut, aber viele Fragen offen.

In der Kategorie Promis kann es in diesem Rückblick nur einen geben: Hein Gottfried Fischer. Der Mann aus Birgden kandidierte wieder. Viermal ist er bisher angetreten, viermal in anderen Kommunen, viermal wurde er nicht gewählt. Im Februar scheiterte der Lachtherapeut und Wahlkampfprofi knapp bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt. Er schaffte 0,1 Prozent und landete damit auf dem letzten Platz. Die logische Konsequenz: Fischer kandidiert noch einmal. 2020 will er Landrat in Heinsberg werden. Amtsinhaber Stephan Pusch kann sich jetzt schon warm anziehen. Fischer kommt sicher wieder im T-Shirt – mit reichlich Werbefläche auf der Brust. Natürlich für sich selbst.

Politisch war auch sonst viel los. Kuriose Anträge gab es genug. Mit Rats-TV in Wassenberg, einem Kreiskulturerbe und der Frage, ob die Bezeichnung „Heinsberger Land“ auf Schilder gedruckt werden sollte oder nicht, schlugen Verwaltungen und Mandatsträger ihre Zeit tot. Für so etwas gar keine Zeit hatte die SPD. Denn die war vollends damit beschäftigt, sich selbst zu zerlegen. Nachdem der Martin-Schulz-Zug eine unsanfte Vollbremsung eingelegt hatte, ließ die Groko-Frage den Blutdruck vieler Genossen wieder in den roten Bereich schießen. Und weil die Selbstdemontage an der Spitze bis zur Basis durchschlug, spülte die SPD in diesem Jahr politische Kräfte in den Fokus, die der Wähler bisher kaum kannte. Im Wassenberger Rat schlossen sich Ex-Genossen zur einer WFW-Fraktion (Wir für Wassenberg) zusammen. In Wegberg machten abtrünnige Sozis den Lafontaine und gründeten einen örtlichen Ableger der Linken.

Bevor heute Abend die Sektkorken knallen, noch ein Tipp: Nehmen Sie nicht alles bierernst. Das gilt für diesen Text und das, was im neuen Jahr so kommt.