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Neuer Tierschutzverein: Ein Herz für mächtige Hunde

Neuer Tierschutzverein : Ein Herz für mächtige Hunde

Die Initiative Kampfhund, kurz Inka genannt, ist ein noch neuer Tierschutzverein, der nicht nur eine Lanze bricht für starke Hunde, sondern Probleme aufzeigen, mit Vorurteilen aufräumen und Tiere und in gute Hände vermitteln möchte.

„Ich hole sie mal rein“, sagt Bärbel Stangier. Und ehe man sich versieht, ertönt auch schon das mächtige Gebell des vier Jahre alten Cane Corso-Weibchens, das begeistert den neuen Besucher im Haus begrüßt, um sofort wieder im Wohnzimmer zu verschwinden. Nicht ohne Grund, denn Sekunden später erscheint die Hundedame wieder mit einem großen, grünen Plüschdrachen im Maul und lädt den Neuen gleich zum Spielen mit ihrem derzeitigen Lieblingstoy ein. Eine Verhaltensweise wie der Hundekenner sie auch mit anderen Hunden schon erlebt hat. Nur bei dem Molosser-Weibchen ist halt alles eine Dimension größer, wuchtiger, bulliger, beeindruckender.

Obwohl July von der stattlichen Erscheinung her durchaus ein sogenannter Listenhund sein könnte, ist sie keiner. Zum Glück für Bärbel Stangier. Nicht etwa, weil sie sich sonst nicht für den Cane Corso entschieden hätte, schließlich schlug ihr Herz auch lange Jahre für ihren American Bulldog, der ein Listenhund war. Nein, Glück nur deshalb, weil ihr so mancher Ärger erspart bleibt.

 Der grüne Plüschdrachen ist derzeit Julys bester Spielkamerad. Auch wenn sie manchmal etwas rabiat mit ihm umgeht.
Der grüne Plüschdrachen ist derzeit Julys bester Spielkamerad. Auch wenn sie manchmal etwas rabiat mit ihm umgeht. Foto: Rainer Herwartz

Bärbel Stangier gehört seit etwa einem Jahr dem Vorstand des neu gegründeten Tierschutzvereins „Initiative Kampfhund“, kurz Inka genannt, als Schriftführerin an. Gemeinsam mit der ersten Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins, Anke Krause aus Rurich, machen sich die bundesweit verteilten Mitglieder stark für Hunderassen, die oft unter besonderen Auflagen zu leiden haben und im Abgabe- oder Beschlagnahmefall meist nur schwer wieder in gute Hände vermittelbar sind.

94 Hunde seien seit der Gründung im letzten Jahr schon bei Pflegestellen aufgenommen worden, sagt Anke Krause, 67 konnten vermittelt werden und zwei Tiere sind in der Zeit verstorben. „Derzeit befinden sich noch sieben beschlagnahmte Hunde in der Betreuung“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Gerade beschlagnahmte Hunde in Pflegestellen oder Tierpensionen, in denen man sich mit ihnen beschäftige und die Charaktereigenschaften der Tiere auslote, um sie später zu den passenden Herrchen und Frauchen vermitteln zu können, bereiten Anke Krause Probleme.

Nicht etwa, weil sie sich von den übrigen Vierbeinern in der Betreuung unterscheiden, sondern weil die Vorbesitzer oftmals nicht davor zurückschreckten, die Herausgabe der Tiere erzwingen zu wollen und die Vereinsvorsitzende tätlich zu bedrohen. Dass der Tierschutzverein für die Beschlagnahme gar nicht verantwortlich sei, spiele dabei für manche Zeitgenossen keine Rolle.

„Wir sind so gut aufgestellt, dass wir in fast jeder Stadt jemanden haben für eine Vorkontrolle der Tiere, damit wir wissen, wo wir sie am besten unterbringen,“ sagt Anke Krause. Sie selbst besitze einen Staffordshire und einen Pitbull.

Bei beiden Frauen hatte sich die Liebe zu den großen Hunden schon recht früh eingestellt. „Als ich Kind war, habe ich den Film „Zurück nach Hause“ gesehen. Darin spielen ein Golden Retriever und ein American Bulldog die Hauptrollen“, erzählt Bärbel Stangier. „Die Rasse kannte ich damals noch gar nicht, sie ging mir seitdem aber nicht mehr aus dem Kopf. Der Bulldog war so lustig, kaspermäßig und so liebevoll mit Kindern. Trotzdem habe ich zunächst mit kleinen Hunden meine ersten Erfahrungen gesammelt.“

Schon seit der Grundschulzeit engagiere sie sich im Tierschutz, erklärt Bärbel Stangier. Der erste große Hund sei dann ein Retriever geworden, ehe schließlich eine American Bulldog-Hündin bei ihr einzog.

„Ich hatte mit 21 Jahren meine ersten eigenen Hunde“, sagt Anke Krause. Bis dahin befasste sie sich mit Pflegehunden. Labrador und Golden Retriever waren ihre ersten Tiere. „Als ich dann im Tierheim war, um Futterspenden abzugeben, wurde gerade eine Staffordshire-Hündin eingeliefert. Das war dann Liebe auf den ersten Blick und ich habe sie adoptiert. Abby ist heute sieben Jahre alt. Durch diese Adoption ist mir bewusst geworden, wie schwierig es doch ist, Listenhunde zu haben und für sie ein neues Zuhause zu finden. Der Grund hierfür sind die Auflagen, die der Halter erfüllen muss.“

Selbige reichen von einem einwandfreien polizeilichen Führungszeugnis, über einen Sachkundenachweis für gefährliche Hunde, die Vermietergenehmigung für Listenhunde bis zu dem Nachweis, dass der Hund aus dem Tierschutz stamme und nicht etwa aus einer verbotenen Zucht. „Die Hunde, für die wir einstehen, liegen bei den meisten Kommunen in der Hundesteuer um ein Vielfaches höher als andere Hunde. Selbst nach dem Bestehen eines positiven Wesenstests bleiben die Hunde in der erhöhten Kategorie.“

Die Hundesteuer sei eine sogenannte Lenkungssteuer, durch die auch die Mehrfachhaltung von bestimmten Hunderassen erschwert werden soll, erläutert Bärbel Stangier, die als Polizistin tätig ist. Pitbull, American Staffordshire, Bullterrier oder Rottweiler können da in der Haushaltskasse mächtig zu Buche schlagen.

Dass der neue Verein sich „Initiative Kampfhund“ nennt, sei ganz bewusst entschieden worden, sagt Anke Krause. „Durch die negative und einseitige Berichterstattung seitens der Medien ist dieses Wort mit Vorurteilen und Angst in den Köpfen der Menschen verankert. Mit diesem Verein möchten wir bundesweit Hilfe für diskriminierte Rassen anbieten. Damit soll jeder auf den ersten Blick erkennen, was gemeint ist und wofür wir stehen, denn für uns zählt: Hund ist Hund, egal welcher Rasse er angehört.“