Selfkant: Ein Dutzend Bewerber ums Bürgermeisteramt

Selfkant: Ein Dutzend Bewerber ums Bürgermeisteramt

Für die Gemeinde Selfkant war es zweifellos ein Novum in ihrer Geschichte. Als die geballte Opposition im Rat mit SPD, Pro Selfkant, FDP und Bündnis 90/Die Grünen vor einigen Wochen per Zeitungsinserat nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten für die anstehende Wahl am 13. September suchte. Jetzt ist die Bewerbungsfrist abgelaufen.

Zeit, einmal nachzufragen, wie viele Bewerber denn ihren Hut in den Ring werfen möchten, um Amtsinhaber Herbert Corsten aus dem Rathaus zu vertreiben.

Gottfried Fischer abgelehnt

„Ein Dutzend ernstzunehmende Bewerber liegt vor. Sie erfüllen die Voraussetzungen, um ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden“, sagt SPD-Vorsitzender Josef Werny. Etwa die Hälfte resultiere „aus politischem Engagement“, die andere Hälfte aus beruflichem.

Zum Teil stammten die Bewerber aus kommunalen Verwaltungen, doch auch aus der freien Wirtschaft. Selbst der Einzelkandidat Hein Gottfried Fischer aus Gangelt, der schon bei der letzten Bürgermeisterwahl in seinem Heimatort an den Start ging, hatte sich der Selfkant-Opposition angedient. Doch diese lehnte dankend ab. Er gehörte offenbar nicht zum Kreis der „ernstzunehmenden Bewerber“.

„Es ist interessant zu sehen, dass auch Menschen als Quereinsteiger dabei sind“, meint Werny. „Ein wenig enttäuscht sind wir, dass sich zu wenige aus der zweiten Reihe der Verwaltung beworben haben.“ Werny denkt dabei an Kämmerer oder zum Beispiel Erste Beigeordnete. „Hier spielte wohl das hohe Wahlergebnis von Herbert Corsten bei der letzten Bürgermeisterwahl eine Rolle.“ Stattliche 85,4 Prozent der Stimmen hatte dieser damals auf sich vereinigen können. „Allerdings muss man ja bedenken, dass bei der letzten Wahl die SPD Herbert Corsten aktiv unterstützt hat.“

Das sei nun definitiv nicht mehr der Fall, denn die Sozialdemokraten seien „zutiefst unzufrieden“. Werny verwendet in diesem Zusammenhang Begriffe wie „eigenmächtig“ oder „wenig kooperativ“. Alles, was in Selfkant von Bedeutung sei, werde mittlerweile vom Bürgermeister entschieden. Im Rat besteht bekanntlich zwischen der CDU auf der einen Seite und den übrigen Parteien auf der anderen eine 14-Stimmen-Patt-Situation, bei der die Stimme des Bürgermeisters das berühmte Zünglein an der Waage ist.

Und in der nahen Vergangenheit habe sich Corsten bei Entscheidungen stets auf die Seite der Christdemokraten geschlagen, beklagt Werny. „Wir sind der Meinung, dass hier eine Fachkraft ran muss, die in der Lage ist, neue Motivation mit neuen Ideen in die Verwaltung zu bringen. Vor allem der Haushalt muss dringend in solide Hände.“

Der überwiegende Teil der Bewerber stamme aus Regionen, die zwischen 80 und 100 Kilometern von Selfkant entfernt lägen, erklärt Werny. Nur drei von ihnen seien übrigens Frauen. Auch aus eigener Berufserfahrung kommt der SPD-Chef da zu der persönlichen Erkenntnis: „Leitungsfunktionen sind ganz schwer an die Frau zu bringen.“

Am Dienstag, so der Plan, sollte nun eine Vorauswahl getroffen werden, um den Entscheidungsgremien der Parteien die besten Bewerber vorstellen zu können, damit diese am Ende ihren Favoriten küren. „Noch vor den Sommerferien soll das über die Bühne gehen.“

Werny und seinen Mitstreitern steht allerdings noch eine nicht zu unterschätzende Hürde im Weg, denn den Bewerbern muss reiner Wein im Hinblick auf die Besoldung eines neuen Bürgermeisters in Selfkant eingeschenkt werden. Wer nämlich glaubt, er erhalte, wie in der Stellenanzeige ausgeschrieben, die Besoldungsgruppe B3 des Amtsinhabers, dürfte sich mächtig wundern.

Laut Werny wird er am Ende nämlich nicht mit etwa 7000 Euro, sondern mit 1500 bis 2000 Euro weniger dastehen. Aufgrund der Tatsache, dass die Bevölkerungszahl der Gemeinde Selfkant laut jüngstem Mikrozensus unter 10.000 gesunken ist, wird der zukünftige Amtsinhaber nur noch in A 16 eingestuft.

Für Corsten gelte dies im Falle einer Wiederwahl allerdings nicht, sagt Werny. Er werde dann weiterhin nach B3 bezahlt. „Das muss man in den Gesprächen ehrlich auf den Tisch legen“, sagt der SPD-Chef. Er hofft, dass dennoch ein geeigneter Kandidat übrigbleibt. „Und wenn wir es schaffen, alle unsere Wähler an die Urne zu bringen, wäre eine Stichwahl möglich. Dann ist das Ergebnis offen.“