Kreis Heinsberg: E-Bass: Warum Schüler selten zu dem Rhythmus-Instrument greifen

Kreis Heinsberg : E-Bass: Warum Schüler selten zu dem Rhythmus-Instrument greifen

Der E-Bass ist gerade für junge Schüler oft sperrig, ein großes Instrument mit dicken Saiten und dicken Bünden. Jörg Hartig, Fachbereichsleiter an der Jugendmusikschule Heinsberg für die Instrumente aus Rock, Pop und Jazz, vermutet, dass es auch die Größe ist, die Jugendliche zunächst davon abhält, den E-Bass zu wählen. Und vielleicht, ja vielleicht der auf den ersten Blick fehlende Coolnessfaktor.

Denn mal ehrlich, Paul McCartney oder Sting sind zwar großartige Bassisten, aber vor allem berühmt geworden, weil sie auch großartige Komponisten und Sänger sind.

Im Rampenlicht stehen meist die Gitarristen und Sänger. Nur echte Fans werden wissen, wer vier Jahrzehnte lang Bassist von AC/DC war (Cliff Williams) oder feiern das musikalische Genie von Jaco Pastorius. Im Internet kursieren stattdessen jede Menge Bassistenwitze. Sie spötteln darüber, dass das Instrument meist mit vier Saiten auskommt und scheinbar kein besonderes Talent erfordert. „Warum ist der E-Bass ein göttliches Instrument? — Der Bassist zupft zwar die Saiten, aber Gott allein weiß, was dabei rauskommt.“ Oder „Warum gibt es Bass-Soli? Damit die Leute endlich in Ruhe ihr Getränk bestellen können.“

Okay, auch Jörg Hartig sagt, dass die ersten Schritte auf dem Bass nicht schwer zu erlernen sind. Aber er gerät auch ins Schwärmen, wenn er von den Möglichkeiten des E-Basses spricht — so wie man ihn mit Talent und richtiger Ausbildung spielen könnte. Und wenn es dann richtig los geht, sind sowieso alle Instrumente gleich schwer.

Trotzdem wählen die Schüler der Jugendmusikschule Heinsberg, die traditionell einen besonderen Schwerpunkt auch im Rock- und Popbereich hat, eher das andere Instrument, das ebenfalls den Rhythmus in der Band angibt: das Schlagzeug. Theo Krings, Leiter der Jugendmusikschule, könnte locker 72 Bands mit einem Drummer ausstatten.

Noch populärer ist allerdings die Gitarre. 141 Schüler werden in Heinsberg an der Schafhausener Straße 41 an diesem Instrument unterrichtet, das sind 20,5 Prozent der Instrumentalschüler. Damit überholt die Schule den Bundestrend. Denn wenn man die Schülerzahl und ihre Instrumentenwahl aller Musikschulen betrachtet, ist das Klavier das beliebteste Instrument deutschlandweit. Rund 16,5 Prozent der Musikschüler lernen bundesweit, professionell angeleitet, in die Tasten zu hauen.

In der Kreismusikschule Heinsberg mit Sitz in Erkelenz steht das Klavier in der Beliebtheitsskala ebenfalls ganz oben. 391 Schüler nehmen an den verschiedenen Standorten der Musikschule im Kreis Klavierunterricht. Auch in der Jugendmusikschule hat das Tasteninstrument seine Fans, 101 um genau zu sein. Damit steht es auf der internen Hitliste auf Platz 2. Platz 2 der Kreismusikschulliste belegt wiederum die Gitarre.

Schlagzeug ist auch beliebt

Und dann war es das auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Während an der Jugendmusikschule die Schüler am drittliebsten zu den Schlagstöcken greifen, um den Rhythmus anzugeben, stehen an der Kreismusikschule die Streichinstrumente an dritter Stelle. 131 Schüler lernen dort Violine oder Viola, die auch Bratsche genannt wird. Dann kommen die Flöten, die Blockflöten und die Querflöten, das Violoncello, das Schlagzeug und so weiter. Insgesamt 19 Instrumente können die Schüler an der Kreismusikschule erlernen, wobei auch die Stimme als Instrument gezählt wird.

Für einige Instrumente interessieren sich nur wenige Schüler, wie zum Beispiel die Harfe, die seit zwei Jahren zum Programm der Schule gehört. Sieben Schüler lernen, die Saiten zum Klingen zu bringen, sagt Gerda Mercks, Leiterin der Kreismusikschule. Noch weniger, und zwar fünf Schüler, haben sich entschieden, das Spiel der Baglama, der auch Saz genannten türkischen Langhalslaute, zu lernen. Genauso viele Schüler lernen, den E-Bass zu spielen. Für das Horn interessiert sich an der Kreismusikschule nur ein Schüler, an der Jugendmusikschule sind es fünf werdende Musiker. Viel mehr Bläser allerdings unterrichtet die Jugendmusikschule in sogenann-ten Bläserklassen, die sie in Zusammenarbeit mit örtlichen Musikvereinen an Grundschulen anbietet.

Überhaupt arbeitet die Jugendmusikschule eng mit Partnern zusammen. Von 1252 Schülern wurden im vergangenen Jahr 46 Prozent, also fast die Hälfte, im Rahmen von Kooperationen mit Schulen und Vereinen unterrichtet. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Kinder in Zeiten des Ganztagsunterrichts immer weniger Zeit haben, außerhalb der Schule aktiv zu werden, erklärt Theo Krings.

Raum für Musik

Deshalb sollen Projekte wie JeKits (Jedem Kind ein Instrument) und EMSA (Eine (Musik)schule für alle) dort für Raum für Musik sorgen, wo die Kinder heute einen Großteil ihres Lebens verbringen, nämlich in der Schule. Und dann müssen sie sich nur noch für ein Instrument entscheiden, das zu ihnen passt. Und das ist natürlich auch Typ- und Geschmackssache. An der Jugendmusikschule werden ebenfalls 19 verschiedene Instrumente unterrichtet. Dass dabei ausgerechnet der E-Bass aktuell ohne Schüler ist, wurmt die Heinsberger doch einigermaßen. „Dabei ist der E-Bass“, sagt Theo Krings, „die Eintrittskarte in jede Band. Ohne den geht nichts.“