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Nach Hitzesommer: Dürrehilfe bereitet Sorge vor „Bürokratiemonster“

Nach Hitzesommer : Dürrehilfe bereitet Sorge vor „Bürokratiemonster“

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnten sich die Bauern trotz der fatalen Dürrelage dieses Sommers endlich den Schweiß von der Stirn wischen und entspannen. Schließlich haben sich Bund und Länder im Grundsatz darüber verständigt, wie die angekündigten 340 Millionen Euro Dürrehilfen an die Bauern verteilt werden sollen.

Doch gar so einfach scheint die Lage dennoch nicht zu sein, wie auch der Vorsitzender der Kreisbauernschaft, Bernhard Conzen, gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

In einer Veröffentlichung vor wenigen Tagen las sich das so: „Nur kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 250 Beschäftigten und höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz sollen profitieren. Zudem muss ihre Existenz gefährdet sein. Das bedeutet, dass die Ernte oder der Ertrag wegen der Trockenheit mindestens 30 Prozent geringer ausfällt als die durchschnittliche Jahresernte und der Schaden größer ist als das Kapital, das für Investitionen oder Schuldentilgung bereit steht.“ Der Zuschuss solle bis zu 50 Prozent des Schadens abdecken, werde aber bei 500.000 Euro gedeckelt. Ein durchaus komplexes Geflecht von Bedingungen.

„Den Nachweis zu führen ,Existenz gefährdend‘ — was heißt denn das?“, fragt sich Conzen. Obwohl er die staatliche Hilfe ausdrücklich begrüßt, meint er: „Die Hürden sind so hoch gelegt, dass der Landwirt von drei Jahren seinen Umsatz erklären und in diesem Jahr 30 Prozent drunter liegen muss.“ Im Kreis Heinsberg liege die Getreideernte wohl 15 Prozent unter dem Fünfjahres-Durchschnitt.

Bei Mais bewege man sich bei einem Minus von 30 bis 50 Prozent und bei den Kartoffeln bei bis zu 50 Prozent — „vor allem da, wo nicht beregnet wurde“, sagt Conzen. Aber was mache denn der Tierhalter, der kaum vernünftiges Feldfutter erwirtschaften konnte? Dies schlage sich ja nicht in gesunkenen Umsatzzahlen nieder, sondern lediglich in den Bäuchen seiner Tiere. Das sei dann eventuell nur durch Rechnungen über den Zukauf von Futtermitteln zu belegen.

Conzen treibt die Sorge um, dass die Hürde so hoch liegt, dass am Ende kaum ein Landwirt die bereitgestellten Gelder anzapft. „Wir arbeiten derzeit daran, kein Bürokratiemonster entstehen zu lassen. Bevor die ersten Anträge gestellt werden, ist es aber sicher kurz vor Weihnachten.“ Von einer Ad hoc-Hilfe könne also keine Rede sein. Doch Ende Oktober würden naturgemäß die Pachtverträge verlängert, von denen etwa 80 Prozent der Flächen betroffen seien.

„Wir laufen da in einen extremen Liquiditätsengpass, bei dem dann gegebenenfalls die Banken einspringen müssen.“ In diesem Zusammenhang betont Conzen erneut seinen Wunsch nach einer Dürreversicherung oder der Möglichkeit der Gewinnrückstellung. „Dann hätten wir ein Stück mehr Sicherheit. Wir haben eben kein Dach über der Werkstatt.“