Dremmener Erfinder tüfteln an Teleskoptrinkhalm

Papier statt Plastik : Dremmener Erfinder tüfteln an Teleskop-Trinkhalm

Ein Problem ohne passende Lösung, das gibt es für Peter Geiser nicht. In seinem Betrieb an der Gladbacher Straße im Gewerbe- und Industriegebiet Dremmen kommen Besucher schnell ins Staunen, wenn der passionierte Maschinenbauer von all dem erzählt, was er schon erfunden hat oder an Verbesserungsideen für die industrielle Produktion umgesetzt hat. Von sich reden macht er gerade mit einer neuen Erfindung, dem sogenannten Teleskoptrinkhalm aus Papier, den er schon zum Patent angemeldet hat.

„Ich bin überwältigt von den Reaktionen aus der Industrie“, erzählt Geiser auch Bürgermeister Wolfgang Dieder (CDU) und dem Ersten Beigeordneten Jakob Gerards, die nach Dremmen gekommen sind, um sich genauer über Geisers Erfindung zu informieren. Auch die EU-Parlamentarierin Sabine Verheyen (CDU) war schon in dem Betrieb, denn gerade auf europäischer Ebene ist das Thema Trinkhalm gerade sehr aktuell. Im Mai hat der Rat der EU eine Richtlinie verabschiedet, nach der die Verwendung von Einwegprodukten aus Plastik, für die es eine Alternative gibt, untersagt wird. Ziel ist, Plastikmüll, der unsere Meere belastet, zu vermeiden.

Es gebe natürlich schon seit längerem Trinkhalme aus Papier, die in Fast-Food-Restaurants auch schon genutzt würden, erklärt Geiser. Das Problem seien aber die fast sieben Milliarden Trinkhalme auf all den kleinen Milch- und Fruchtsaftpäckchen, die allein in Europa jährlich benötigt würden. Sie müssen nämlich eine ganz besondere, geknickte Form haben, um auf den Päckchen befestigt werden zu können und beim Trinken dennoch ausreichend lang zu sein.

Genau das mit dem Knick funktioniert aber bei Papierhalmen nicht. Und so haben sich Peter Geiser, sein Partner Sascha Gierling und Geisers Neffe Alexander, gerade mal 24 Jahre alt und auch schon Maschinenbauer, etwas ganz Neues ausgedacht.

Ein wenig erinnert der neue Trinkhalm fürs Trinkpäckchen an ein Fernrohr im Miniaturformat. Da es mit der Knicklösung nicht geht, haben die Dremmener Erfinder nämlich zwei Papierhalme mit unterschiedlichem Durchmesser ineinandergesteckt. Damit allein war das Problem jedoch noch nicht gelöst. Zu einem langen Trinkhalm werden die beiden weißen Papierröhrchen nämlich erst durch eine Rillenstanzung. Zieht man die beiden Röhrchen jetzt auseinander, rasten die beiden Hälften an der gerillten Stelle ineinander, und dem Trinkgenuss steht nichts mehr im Weg.

Teleskoptrinkhalm heißt die neue Erfindung, die aus zwei ineinander gesteckten Papierröhrchen besteht. Foto: Anna Petra Thomas

Diese Innovation ging den Dreien jedoch nicht weit genug. Dass Papierhalme nämlich künftig immer noch in Kunststoff verpackt werden dürfen, ringt Peter Geiser nur ein Kopfschütteln ab mit einer Miene, die Unverständnis zeigt. Selbst der als biologisch abbaubar bezeichnete Kunststoff aus PLA (Polylactide) zersetze sich nicht einfach in der Natur und müsse industriell recycelt werden, betont er. Also erdachte er zusammen mit seinen Kollegen die Papierverpackung zum Teleskoptrinkhalm gleich dazu. Und die Vision für die Zukunft ist, nur das Papier anliefern zu lassen für eine Maschine, die Halme und Verpackung in einem fertigt.

Noch fertigen die Dremmener Erfinder ihre Teleskoptrinkhalme und die passenden Verpackungen von Hand und mithilfe kleiner Formen aus dem eigenen 3D-Drucker. Das Interesse der großen Fertiger von Trinkverpackungen sei groß, ein Investor jedoch noch nicht gefunden. Rund 700.000 Euro würden jetzt benötigt für eine erste Testmaschine und den anschließenden Bau eines Prototyps, sagt Gierlings.

An den umweltschonenderen Trinkhalmen arbeiten auch Sacha Gierling und Alexander Geiser (Foto). Foto: Anna Petra Thomas

Peter Geiser ist sicher, dass seine Erfindung in die Industrie Einzug halten wird. Interessenten melden sich bei ihm inzwischen nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt. Auch preislich kommt die Lösung hin. Der Preis pro 1000 Stück liege sogar etwas unter dem von PLA-Kunststoff sagt er. Problematisch ist für ihn nur, dass große Firmen derzeit mit ihm exklusiv zusammenarbeiten wollen. „Aber das kann´s nicht sein“, sagt er. „Wenn ich ökologisch denke, muss ich für alle handeln.“

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