Erkelenz: Digitales Museum bewahrt Erinnerungen an Umsiedlungsorte

Erkelenz : Digitales Museum bewahrt Erinnerungen an Umsiedlungsorte

Der Begriff „Heimat“ und seine Bedeutung für die Menschen bewegen derzeit die Gemüter. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande springt mit seinem virtuellen Heimatmuseum jedoch nicht auf einen fahrenden Zug auf. Die Idee zu dem „Museum der verlorenen Heimat“ ist vier Jahre alt und entstand bei einem Symposium zum Thema Heimat auf Hohenbusch.

„Am Anfang stand die Frage: Wie können wir die Schätze der Heimat ohne ein Museumsgebäude sammeln und bewahren“, erläuterte der Sprecher des Arbeitskreises, Wolfgang Lothmann, die Aufgabenstellung. Vor allem, wenn die Schätze und die dazu gehörenden Ortschaften nicht mehr existieren.

Franz-Josef Lersch-Mense von der NRW-Stiftung überreichte Wolfgang Lothmanns die schriftliche Förderzusage über 50 000 Euro (Mitte). Foto: Helmut Wichlatz

So entstand die Idee des virtuellen Museums, das zuerst das Andenken an die fünf Erkelenzer Ortschaften erhalten soll, die im letzten Schritt dem Braunkohletagebau Garzweiler II zum Opfer fallen. Für Immerath und Borschemich war es schon für eine umfassende Dokumentation zu spät. Die anderen Erkelenzer Ortschaften werden in weiteren Schritten folgen.

Projekt mit Modellcharakter

„Das Projekt hat Modellcharakter“, betonte Franz-Josef Lersch-Mense. Das Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung war nach Erkelenz in die Räume der Kreissparkasse gekommen, um den schriftlichen Förderbescheid für das Museumsprojekt zu überbringen. „In der Regel handelt es sich bei den Förderanträgen um reale Projekte, die man anfassen kann“, erläuterte er. „Bei dem zukunftsweisenden virtuellen Museum geht es um den Erhalt der Erinnerung.“

Bei der Umsiedlung handele es sich um die „radikalste Form des Heimatverlustes, die wir uns vorstellen können“. Der SPD-Politiker hatte bis 2017 die NRW-Staatskanzlei geleitet und in dieser Funktion auch an der aktuellen Leitentscheidung zum Braunkohleabbau im Rheinischen Revier mitgearbeitet.

Die Zuwendung der Stiftung in Höhe von 50.000 Euro trägt dazu bei, die erste Phase der Projektrealisierung zu finanzieren. Darüber hinaus seien bislang rund 80.000 Euro in die Technik und wissenschaftliche Beratung investiert worden, wie Lothmann ausführte. Die Kreissparkasse hat sich bislang mit rund 26.000 Euro beteiligt. Die Stadt Erkelenz hat über drei Jahre 12.000 Euro bereitgestellt. Am Ende wird das virtuelle Museum mit Kosten von bis zu 500.000 Euro zu Buche schlagen.

Das sei weniger Geld als ein „echtes“ Museum kosten würde. Das betonte auch Landrat Stephan Pusch. Er wies darauf hin, dass die Einrichtung des Begas-Hauses in Heinsberg den Kreis rund 800.000 Euro gekostet habe. „Dafür habe ich im Kreistag Prügel bekommen“, erklärte er. Solche Investitionen seien schwer zu rechtfertigen. Trotzdem seien Museen wichtig für die Region. „Heimat ist kein fester Ort“, betonte er. „Es ist ein Gefühl.“

Bürgermeister Peter Jansen, der Pusch beim letzten Schöffenessen als Mitglied für den Heimatverein geworben hatte, betonte, dass „Heimat auf zeitgemäße Weise begreifbar“ gemacht werde.

Dafür, dass das virtuelle Museum technisch höchsten Ansprüchen gerecht wird und zugleich für die Mitarbeiter des Arbeitskreises leicht zu bedienen ist, zeichnet das Heinsberger IT-Unternehmen Minkenberg verantwortlich. „Wir entwickeln das Werkzeug für die Bedienung des Museums“, erläuterte der Geschäftsführer Elmar Bransch. Er hatte schon die Testversion dabei, die sich zuerst mit dem Ort Keyenberg beschäftigt.

Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath werden in nächster Zeit folgen. Das Konzept basiert auf Geschichten, die den Ort neu erlebbar machen. Mit 360-Grad-Filmen, Street View, Interviews, Drohnenaufnahmen und vielen vernetzten und individuell abrufbaren Informationen. Noch in diesem Jahr soll das Museum für Besucher zur Verfügung stehen.

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