Heinsberg-Dremmen: Diesmal ist ein kleiner Spatz der Star an der Marienschule

Heinsberg-Dremmen : Diesmal ist ein kleiner Spatz der Star an der Marienschule

Die Kinder haben Müllsäcke und Greifzangen dabei. Eigentlich sind die Vögel ihr Thema. Aber an diesem Tag geht es um Müll. Denn Müll sei schlecht für die Tiere in dem kleinen Wäldchen hinter der Marienschule in Dremmen. Neun Kinder aus der vierten Klasse sind dort mit Willi Wählen, dem ehrenamtlichen Leiter der Vogelkunde-AG, unterwegs.

Heute achten sie nicht nur auf das Gezwitscher der gefiederten Sänger. Sie heben auch jede Menge Müll auf. Die Idee, den Unrat aufzusammeln, kam ihnen bei einem ihrer Ausflüge in die Natur. „Wir waren eigentlich nur unterwegs, um Vogelstimmen zu hören“, erzählt Willi Wählen.

Die Idee, nicht nur Vogelstimmen zu hören, sondern auch Müll aufzusammeln und den Vögeln so zu mehr Lebensqualität zu verhelfen, hatten die Viertklässler in der Vogelkunde-AG selbst. Foto: Anna Petra Thomas

„Dabei haben wir dann den Müll in dem Wäldchen gesehen, und die Kinder haben von sich aus vorgeschlagen, noch einmal für eine Doppelstunde dorthin zu gehen, um den Unrat einzusammeln.“ Der „Erfolg“ nach der vier Kilometer langen Wanderung kann sich sehen lassen: Eine ganze Tasche voller Autoteile, eine Fahrradfelge, ein Motorradhelm und vieles andere sind zusammengekommen. All das schleppen die Kinder zum Hausmeister ihrer Schule, der den Müll entsorgt.

Weniger Vögel als früher

Ums Thema Vögel geht es natürlich aber auch an diesem Tag. Unterschiedlich lange, fein gepunktete Federn finden die Kinder, die Wählen gleich als Federn von einem Buntspecht erkennt. „Die längere ist die Handfeder, die kürzere ist die Armfeder“, kann er als versierter Hobby-Ornithologe gleich hinzufügen. So viele Vögel wie früher gebe es allerdings in freier Natur gar nicht mehr, fügt er etwas resigniert hinzu.

Grund dafür seien immer größere Monokulturen auf den Feldern und Pflanzenschutzmittel, die für Insekten, die Futter der Vögel sind, nicht verträglich seien. „Früher konnte man vielleicht 300 Kilometer mit dem Auto fahren, da musste man die Windschutzscheibe reinigen. Heute fährt man 3000 Kilometer und muss dafür immer noch nicht anhalten“, verdeutlicht er die Situation.

„Das macht einfach Spaß mit den Kindern“, fasst der 80-Jährige seine Motivation knapp zusammen, die ihn jeden Montagmittag wieder in die Marienschule führt, und das nun schon seit zehn Jahren. Die Liebe zu Vögeln scheint ihm quasi in die Wiege gelegt worden zu sein. „Mein Vater war Brieftaubenliebhaber“, sagt er. Und seit ihm sein Patenonkel als Kind einen Kanarienvogel geschenkt habe, sei er nie mehr ohne Vogel gewesen.

Die Verbindung zur Marienschule ergab sich bei der Vorbereitung einer Ausstellung des Kanarien- und Vogelliebhabervereins Dremmen, der nicht mehr aktiv ist. Er habe damals aus dem Schulgarten etwas herausschneiden wollen als natürliche Dekoration für die Ausstellung, erinnert er sich. Seitdem ist er aus dem Schulleben nicht mehr wegzudenken. „Wir hätten gar keine Mittel, dieses Engagement zu bezahlen“, lobt Schulleiterin Marlis Minkenberg die wertvolle Arbeit Wählens.

Natur- und Artenschutz

In den zusätzlichen freiwilligen Stunden, die diese Viertklässler in der Schule verbringen, hören sie, worum es geht bei Themen wie Natur- und im Artenschutz. Sie lernen viele Vogelarten kennen, heimische und exotische, und sie erfahren, wie sie durch ihr Aussehen, ihre Stimme oder ihre Eier unterscheidbar sind, wie sie ihre Nester bauen und ihre Jungen aufziehen.

Einheimische Vögel stellt ihnen Wählen anhand von Schautafeln in der Schule vor. Auf großes Interesse stößt natürlich auch das Foto- und Filmmaterial, das er von seinen vogelkundlichen Exkursionen und Studienreisen ins entfernte Ausland mitbringt.

Und manchmal bringt Wählen natürlich auch einen echten Vogel mit in die Schule. Heute ist es ein kleiner Spatz, der vor drei Wochen aus seinem Nest gefallen ist und den er jetzt liebevoll mit Grillen und Mehlwürmern aufpäppelt. Mucksmäuschenstill ist es in der Klasse, als Wählen den kleinen Kerl aus seinem Transportkäfig nimmt, um ihn den Kindern zu zeigen und ihnen zu erklären, wie er den kleinen Vogel vor dem sicheren Tod gerettet hat.

Einer der Höhepunkte der AG ist der Bau von Nistkästen, die auf dem Schulhof oder in der Umgebung aufgehängt und natürlich auch betreut werden. „Im Herbst werden sie kontrolliert und gereinigt“, erklärt Wählen. Auch im benachbarten Alten- und Pflegeheim Marienkloster in Dremmen hängen schon Nistkästen, die Wählen mit seinen jungen Vogelkundlern hergestellt hat. Trotz seines Alters ist Wählen sicher, dass es auch im kommenden Schuljahr wieder eine Vogelkunde-AG geben wird. „Das macht Spaß mit den Kindern“, wiederholt er, „und hält jung“, lässt sich da spontan hinzufügen.