Erkelenz-Keyenberg: Diesmal beim Klimacamp mehr diskutieren statt demonstrieren

Erkelenz-Keyenberg: Diesmal beim Klimacamp mehr diskutieren statt demonstrieren

Johanna Winter ist überzeugt von der Sache. Die Sache, das ist der Klimaschutz. Vor einigen Jahren war sie auf ihrer ersten großen Demo zum Klimawandel, da war sie gerade 16. Danach, erzählt sie heute, sei ihr klar geworden, dass man nicht darauf vertrauen könne, dass irgendwer was dafür tut, für das Klima. „Wir müssen das selbst machen“, sagt sie.

Und während sie das sagt, benutzt sie beide Hände, ballt sie manchmal zusammen, gestikuliert, vermutlich, um zu unterstreichen, wie wichtig diese Sache eben ist. Mit diesem Nachdruck ist Johanna Winter seit Jahren eine der Organisatoren des Klimacamps im Rheinland.

Sie kommen in Frieden?

Zwei Bilder aus dem vergangenen Jahr zeigt sie, als sie auf einem privaten Reiterhof im Ort Keyenberg das Konzept für das diesjährige Klimacamp vorstellt. Anwohner, Interessierte, Skeptiker sind nach Keyenberg gekommen und hören ihr zu. Ein Ort übrigens, der für den Braunkohleabbau abgebaggert werden soll. Die Umsiedlung läuft schon.

Auf einem der Bilder sind also Chaos und Rauch zu sehen, auf dem anderen die Camp-Teilnehmer in großer Runde, zusammensitzend vor einem großen Zelt. „Wir sind hier, weil wir zum zweiten Bild wollen“, sagt Winter. Deswegen seien in diesem Jahr weit weniger Menschen mobilisiert worden, man sei eher auf lokaler Ebene geblieben, habe keine deutschlandweiten Aufrufe geschaltet.

Waren beim vergangenen Camp um die 3000 Teilnehmer dabei, rechne man in diesem Jahr nicht mit mehr als 500. Man könne das anhand der Resonanz in den Sozialen Medien recht gut abschätzen, sagt Winter. Das liege vor allem daran, dass keine großen Aktionen geplant seien, also keine Blockaden, kein Besetzen von Baggern, sagt Winter. Und das sei auch genau so gewollt.

Sind die Organisatoren des Klimacamps zahmer geworden? Eher nicht. „Blockaden, ziviler Ungehorsam und Demos sind alles Mittel, und die haben in der Geschichte gezeigt, dass sie etwas bewirken“, sagt Winter dazu.

Viel mehr stecken ganz konkrete Überlegungen hinter dem diesjährigen Konzept des Camps. „Wir wollten ein entspanntes Camp haben, ins Gespräch kommen und Zeit, zu reflektieren“, sagt Winter. Und zum Reflektieren, sagt sie, brauche es die Perspektive der Anwohner. Mehr Menschen erreiche man aber mit einem ruhigeren Camp, ohne Demos, ohne Blockaden, dafür mit Podiumsdiskussion und Kaffee und Kuchen. Gespräche und Diskussionen, statt Aktionen in der Grube — so zumindest der Plan.

Ein Spagat zwischen zwei verschiedenen Ansatzpunkten sei das, sagt sie. Und: „Wir können es eben nicht allen recht machen.“ Aber in diesem Jahr mehr Leuten als im vergangenen, wenn es nach den bisherigen Plänen geht. Und damit geht auch noch eins einher: „Vermutlich wird es weniger Polizei geben“, sagt sie.

Die Polizei selbst sagt dazu noch nichts. „Wir bereiten uns vor und sind mit der Planung beschäftigt“, sagt der Aachener Polizei-Pressesprecher Andreas Müller. Der Ort ist laut Klimacamp-Organisatoren sowieso noch nicht bekannt — irgendwo um Erkelenz.

„Lokaler Widerstand“

Das Programm ist noch nicht ganz fertig, was auf der Internetseite und auch bei der Vorstellung auf dem Reiterhof in Keyenberg oft fällt, ist die Wortgruppe „lokaler Widerstand“. Das Pendant zum „Zivilien Ungehorsam“ im vergangenen Jahr? Ein bisschen schon: „Lokalen Widerstand kann jeder auf seine Art leisten“, sagt sie. „Das fängt schon beim Infragestellen und Informieren an. Stimmt das alles, was so erzählt wird?“

Wenn man mit Johanna Winter über den Klimaschutz redet, kommt sie auch zur Basisdemokratie und zur Gesellschaft an sich. Sie spricht dann viel über Hoffnung — der lokale Widerstand, der ihr Hoffnung gibt und die Klimacamps. „Wir waren mal die Einzigen europaweit, in diesem Jahr gibt es neun Klimacamps.“ Sie lächelt, wenn sie das erzählt. „Es gibt Anlass zur Hoffnung“, sagt sie.

500 Teilnehmer sind zwar eingeplant, aber jeder, der möchte, kann kommen. Und wenn es bloß auf einen Kaffee ist. m

(mec)
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