Erkelenz: Die sagenhafte Reise des Lövenicher Ritters Arnold von Harff

Erkelenz: Die sagenhafte Reise des Lövenicher Ritters Arnold von Harff

„Ich war dann mal weg“. So lautete der Titel der musikalischen Pilgerreise des Lövenicher Ritters Arnold von Harff, zu der der Heimatverein der Erkelenzer Lande in die Leonhardskapelle eingeladen hatte. In elf musikalischen Stationen hatten die in Brühl geborene Sängerin Maria Jonas und der aus dem Irak stammende Musiker Bassem Hawar die Pilgerfahrt von Harffs aufgearbeitet.

Der vielzitierte Ritter war ein Pilger und Reiseschriftsteller, der mit seinen Berichten von seiner großen Pilgerfahrt gerne ein wenig übertrieben hat. Darauf wies Jonas gleich zu Beginn des Konzertes hin. Sie präsentierte den adligen Pilger als durchaus lebensfrohen Zeitgenossen, der vor allem viel sehen und erleben wollte.

Wohl deshalb hat er nach der Rückkehr 1498 seine Reise ordentlich aufgepimpt und Stationen beschrieben, die allein seiner Fantasie entsprungen sind. Doch in seiner Zeit nahm man ihm durchaus ab, dass er bis zur Quelle des Nils vorgedrungen und einigen exotischen Ungeheuern begegnet sei.

„Eine schöne Lüge ziert wohl jede Rede“, erklärt er zu Beginn seines Werkes augenzwinkernd. Mittlerweile gelte es als wissenschaftlich bewiesen, dass der reisefreudige Ritter nicht über die Halbinsel Sinai hinausgekommen sei. Arabien, Vorderindien, die Nilquellen und Madagaskar beschreibt er jedoch so schillernd und eindrucksvoll, dass es ihm posthum verziehen sei. Inspirieren lassen habe er sich von anderen Zeitgenossen. Dafür gelten seine Städtebeschreibungen von Konstantinopel und Jerusalem bei Historikern als interessante und ernstzunehmende Quellen.

Nach seiner Rückkehr lebte er auf Gut Nierhoven bei Lövenich, wo er 1505 starb. Seine Grabplatte kann noch immer in der Krypta der Lövenicher Kirche St. Pauli Bekehrung besichtigt werden. Die Abreise von Köln wurde durch „Wail up ich muess van hynnen“ aus dem Liedbuch der Anna von Köln (um 1500) dargestellt. Hildegard von Bingen begleitete die Zuhörer auf der Etappe am Rhein entlang und eine Laudatio aus dem 13. Jahrhundert bis zum Eintreffen in Rom.

Anbagger-Sprüche stets parat

Begleitet wurde die Sängerin von Bassem Hawar, der mit der Djoze ein Instrument gewählt hatte, das durch seinen Klang wie kein zweites für den Orient und die arabische Welt steht. Die „Nuss“ ist eine Kniegeige, aus der heraus sich unter anderem auch die spätere moderne Geige entwickelt habe, erläuterte der Musiker. Gerade beim „Jerusalemlied“ von Walther von der Vogelweide und dem sephardischen Lied „Palästina hermosa“ kam die raumfüllende Klangwirkung des an sich schlichten Instruments zur Geltung und verzauberte das Publikum.

Gemeinsam mit den größtenteils spirituellen Texten der Lieder erzeugten sie ein stimmiges Gesamtbild.

Dabei durften auch die erläuternden Kommentare von Maria Jonas eine große Rolle gespielt haben, in denen sie es verstand, den reisenden und mogelnden Ritter und seine Beweggründe darzustellen. Ein kritischer Beobachter war er auch, wie Jonas wusste. So erwähnte er verwundert in seinen Aufzeichnungen den rechten Arm eines bestimmten Heiligen, der als Reliquie in mindestens fünf verschiedenen Kirchen auf seinem Weg verehrt wurde.

Anderswo wurde das Original-Heu verehrt, das natürlich aus der Krippe des Christuskindes stammte. Darüber machte sich der rheinische Ritter mit unverhohlenem Spott lustig. Wichtig war ihm, in den Sprachen seiner Reiseländer einen guten Anbagger-Spruch parat zu haben. Seine Sammlung hielt er schriftlich fest und legte so quasi den Grundstein für die Reisewörterbücher der Neuzeit.

Nach dem Geschmack der Zeit

Harffs Rückreise führte über Konstantinopel und Santiago di Compostela, bis er im November 1498 wieder in Köln eintraf. Anscheinend hatte er ein schlechtes Gewissen oder rückblickend schien es ihm zu wenig, um damit was hermachen zu können. Vielleicht ist auch nur der Rheinländer mit ihm durchgegangen. Auf jeden Fall gab er seiner zweijährigen Reise durch das Hinzutun manches erfundenen Reisezieles noch mehr Würze, ganz nach dem Geschmack der Zeit.

Schwindler hin oder her, nach dem Konzert von Maria Jonas und Bassem Hawar hatten die Zuhörer den Ritter Arnold von Harff irgendwie ins Herz geschlossen.

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