Heinsberg: Die Heinsberger Experten für richtig gute Nachrichten

Heinsberg: Die Heinsberger Experten für richtig gute Nachrichten

Menschen lieben frohe Botschaften. Die tun der Seele gut, heben die Stimmung und stärken das Immunsystem, wie bestimmt bald eine Studie herausfinden wird. Und gute Nachrichten zu überbringen, das fühlt sich auch gut an. Wie gut haben wir einige Menschen in Heinsberg gefragt, die öfter mal in den Genuss kommen, dies zu tun.

Der Weg zum Glück und zur guten Nachricht führt als erstes — genau — in die Lotto-Annahmestelle. Dort, bei Wolsdorff an der Hochstraße, überbringt Ilona Ingenhaag nicht nur vor Weihnachten frohe Botschaften. Natürlich nicht immer. Beim Lotto abzusahnen, ist ziemlich unwahrscheinlich, das weiß jeder, der in Mathe nicht nur auf sein Glück in der Klassenarbeit gebaut hat.

Jede Menge gute Nachrichten: Ilona Ingenhaag beglückwünscht Lotto-Gewinner (oben l.), Willi Ortmans kürt die besten Tauben und erfolgreichsten Züchter (oben r.), Schulleiterin Annegret Krewald (unten l.) konnte diese Woche die frohe Kunde überbringen, dass vier Referendare bleiben dürfen, darunter auch Eva Bauch und Maike Harff. Hatice Gül und Laura Prepels freuen sich mit, wenn es Mutter und Kind nach der Geburt im Heinsberger Krankenhaus gut geht. Foto: Mirja Ibsen, Daniel Gerhards

Aber es muss ja nicht immer die Million sein: „Viele Leute freuen sich auch schon, wenn sie 20 oder 50 Euro gewinnen“, sagt Ilona Ingenhaag. Und dann ist der Jubel groß, auf beiden Seiten der Ladentheke. „Ich freue mich dann mit den Leuten, vor allem, wenn ich sie schon lange kenne“, sagt sie. „Es ist ein verdammt gutes Gefühl, zu sehen, wie die Leute sich freuen.“ Dann fühle man sich ein bisschen, wie ein „Glücksbringer“ oder eben wie die „Lotto-Fee“.

Von Mirja Ibsen und Daniel Gerhards Heinsberg. Hier folgt der Grundtext. Foto: Mirja Ibsen, Daniel Gerhards

In Leipzig, Erfurt oder Köln

Von Mirja Ibsen und Daniel Gerhards Heinsberg. Hier folgt der Grundtext. Foto: Mirja Ibsen, Daniel Gerhards

Mit Zockerei hat das, was Willi Ortmans aus Heinsberg-Kempen tut, nichts zu tun. Ihm reicht ein Blick in die Ausstellungshalle, dann weiß er meist schon, ob er viele gute Nachrichten verteilen kann. Ist das der Fall, wird es auch für ihn ein guter Tag, egal ob in Leipzig, Erfurt oder Köln. Als Preisrichter für Rassetauben ist er seit den 80er Jahren in den Wintermonaten unterwegs.

Farbe, Form, Haltung, Gefieder — seine Wertung entscheidet über Frust oder Freude. Ortmans, der selbst etwa 100 Tauben in seinem Schlag mit Voliere hält, hat sich spezialisiert auf Altholländische Mövchen und Aachener Lackschildmövchen, die Chinesentaube. Kann der 63-Jährige nicht so gute Noten vergeben, schreibt er genau auf, was er sich wünschen würde — als Hilfestellung für die Züchter.

Manchmal rufen Züchter unter Tränen bei ihm an, so sehr freuen sie sich über eine gute Wertung ihrer Tiere. Manchmal rufen sie auch schon an, bevor die Wertung überhaupt verkündet wurde, weil sie nicht erwarten können, die Nachricht zu erhalten. Was die schönste Nachricht war, die Willi Ortmans in diesem Jahr erhalten hat? Seine älteste Tochter hat ein Mädchen geboren. Sie heißt Melina. Mutter und Kind geht es gut.

Glückliche Gesichter

Dieser Satz hätte von Hatice Gül und Laura Prepels stammen können. Sie arbeiten auf der Geburtsstation im Heinsberger Krankenhaus. Hatice Gül als Oberärztin, Laura Prepels als Hebamme. Meistens laufe ja bei den Geburten heutzutage alles glatt. Aber gerade wenn es doch Komplikationen gibt, vielleicht ein Notkaiserschnitt gemacht werden muss, der Vater den Raum verlassen muss, dann ist die Nachricht „Mutter und Kind sind wohlauf“ eine riesige Erleichterung.

Eine solche Nachricht zu überbringen, sei „phantastisch“, sagt Laura Prepels. „Es ist eine sehr große Ehre, bei einem so intimen und intensiven Moment dabei sein zu dürfen“, sagt sie und meint damit nicht nur das Überbringen der guten Kunde, sondern die gesamte Geburt.

Natürlich sind die Handgriffe, die Abläufe im Kreiß- oder Operationssaal für Ärzte und Hebammen Routine, sozusagen ihr tägliches Brot. „Aber man freut sich immer wieder mit den Familien“, sagt Hatice Gül. Das Zwischenmenschliche wird eben doch nicht zur Routine. In die Gesichter glücklicher junger Eltern zu sehen, ein Lächeln zurückzubekommen, darüber freuen sich auch die Profis im weißen beziehungsweise grünen Kittel.

Beamte auf Abruf

Schnell unterwegs sind übrigens nicht nur werdende Eltern auf dem Weg in den Kreißsaal. Anfang der Woche hatte es Annegret Krewald sehr eilig, ins Lehrerzimmer zu kommen. Zum Glück liegt es direkt gegenüber ihres Büros. Meist bedeuten die Auftritte der Schulleiterin im Lehrerzimmer des Kreisgymnasiums Heinsberg, dass es Vertretungsstunden zu verteilen gibt, also Zusatzarbeit.

Diesmal hatte sie allerdings eine gute Botschaft, die zu überbringen machte richtig Spaß: Die vier Referendarinnen, die im kommenden Jahr ihr Examen machen, können bis zum Ende des Schuljahres bleiben. Damit hatten sie nicht gerechnet. Eigentlich hätten sie mit dem Ende der Referendarzeit am 1. Mai Schule und Schüler sofort verlassen müssen. Und dann? Hartz IV. Denn als Beamte auf Abruf zahlen sie nicht in eine Arbeitslosenversicherung ein. Oder eine Vertretungsstelle für ein Vierteljahr an einer fremden Schule.

Jetzt können sie bleiben. Eva Bauch, Referendarin für Geschichte und Deutsch, war so aufgeregt, dass sie es kaum abwarten konnte, ihren Kolleginnen davon zu erzählen. Der Jubel ihrer Kolleginnen Carolin Krahforst und Saskia Huppertz klang so laut, dass auch den stellvertretenden Schulleiter Joachim Lengert die Botschaft erreichte. Maike Harff ist total erleichtert. Jetzt hat sie den Kopf frei für ihr Examen in Biologie und Chemie.

Und die gute Nachricht des Tages zum Schluss: Am Sonntag ist Weihnachten!