Die Geschichte Selfkants: 600 Jahre voller Streit um den Grenzverlauf

Die Geschichte des Selfkants : Sechs Jahrhunderte Streit um die Grenze

Das Gebiet des Selfkantes ist seit Jahrhunderten umkämpft. Jülicher Herzöge, Napoleon und die Niederländer herrschten bereits in der Region.

Der Verlauf der Grenze im Bereich des Selfkantes zeugt von einer fast 600-jährigen Geschichte. Die Ortschaften Millen, Gangelt und Vücht (Waldfeucht) waren schon um 1390 Schauplatz vieler Kämpfe. Die Franzosen drangen immer weiter vor, plünderten und waren üble Zeitgenossen. Doch der Herzog von Geldern schloss im Oktober 1390 Frieden mit Burgund und Frankreich. Die Bezirke Millen, Gangelt und Vücht (Waldfeucht) blieben in der Folge bei Brabant.

Schon 1392 flammten wieder Kämpfe auf, um diese Zeit war Geilenkirchen mit einem Wall umgeben, auch die Befestigungen von Gangelt und Waldfeucht stammen aus dieser Zeit. Im Jahre 1399 wurde zwischen Geldern und Brabant Frieden geschlossen – die umworbenen Bezirke Millen, Gangelt und Vücht blieben weiter bei Brabant.

Die Herrlichkeiten von Jülich, damit waren die Herzöge gemeint, hatten jedoch ein Auge auf dieses Gebiet geworfen, sie wollten das Maasland gerne ihr Eigen nennen. In dieser Sache ist die Geschichtsschreibung nicht eindeutig. Es gibt Quellen, die belegen, dass die Herzöge von Jülich um 1400 das Gebiet kauften. In einem anderen Geschichtsbuch steht geschrieben, dass Herzog Johann IV. von Brabant dieses Gebiet als erbliches Lehen an Johann II. von Heinsberg übertrug – dieser hatte den Beinamen „Der Streitbare“ und schien ein übler Bursche gewesen zu sein.

Eine kurze Blütezeit in Heinsberg erlosch schnell, Johann II. übertrug seinerseits die drei Gebiete an seinen jüngsten Sohn, den späteren Bischof von Lüttich. Dieser wiederum überschrieb das Gebiet an seine Schwester Maria von Heinsberg, diese war verheiratet mit dem Grafen Johann von Nassau. 1499 gelang das Gebiet an die Herzöge von Jülich im Tausch gegen die Grafschaften Diest und Sichem. Ein jahrelanger Streit um das Maasgebiet war zu Ende.

Die Burg Millen wurde Sitz der Herzöge von Jülich, Millen gehörte fortan zum Herzogtum Jülich. Der Bezirk Millen zählte rund 70 Ortschaften.

Viele Jahrhunderte dauerte die Vorherrschaft der Herzöge, diese konnten sich trotz aller niederländisch-spanischer Wirren am das Land an der Maas behaupten. Um 1600 entbrannte dann aber ein Streit um das burgundische Erbe mit Brabant und Geldern. Habsburg-Spanien wurde doppelter Nachbar des Jülicher Maaszipfels, die spanischen Niederlande (mit Limburg/Valkenburg/Herzogenrath) ringen ebenfalls um diesen Maaszipfel.

Um 1700 fällt Süd-Valkenburg an Holland. In dieser Zeit kauft Frederik Hendrik, der Statthalter Hollands, das Amt Montfort. Um 1800 präsentieren sich der heutige Selfkant, Waldfeucht und Heinsberg als Roer-Departement, Frankreich nimmt das Gebiet ab Geleen, Schinveld, Brunssum und Waubach ein. Sittard gehörte in der Franzosenzeit zum Roer-Departement.

Mit dem Untergang der Grande Armée Napoleons wurde diese Macht gebrochen. Das Roer-Departement Sittard kam zu Preußen, hier schien die deutsche Flagge zu wehen. Jedoch es kam beim Wiener Kongress anders.

Für den Selfkant ist die Grenzmarkierung beim Wiener Kongress 1815 mit ausschlaggebend, dort entstand die Selfkantwestgrenze. Die Kriegsgewinner gegen Napoleon haben dieses Land an der Maas auf Wunsch Englands mindestens eine halbe deutsche Meile östlich der Maas geteilt, die Selfkantgrenze wurde gezogen. Belgien wurde nun für einige Jahre ein direkter Selfkant-Nachbar. Zum Kreis Heinsberg gehörten nach dem Kongress insgesamt 22 Bürgermeistereien, unter anderem der Bezirk Millen. Auch hier spricht ein anderes Geschichtsdokument von einer späteren Teilung (um 1870) im Selfkant mit drei Bürgermeistereien Havert (mit Millen), Saeffelen und Wehr.

Bis 1932 sollte der damalige Kreis Heinsberg in seinen Grenzen so bestehen bleiben, dann vereinigte er sich mit dem Kreis Geilenkirchen.

1839 wird das rechte Maastal zum Herzogtum Limburg, dieses geht dann 1867 an die Niederlande, ab 1906 wird diese Provinz „Limburg“ genannt. 1949 erhält der Selfkant eine neue Grenze für 14 Jahre – das war die Zeit der Auftragsverwaltung durch die Niederlande –, ehe 1963 mit dem Ende der Auftragsverwaltung erneut Geschichte im Selfkant geschrieben und die Grenzlinie neu gezogen wurde.