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Ausgefallenes Krippenspiel: Die Geburt Jesu in die Manege verlagert

Ausgefallenes Krippenspiel : Die Geburt Jesu in die Manege verlagert

Wie wäre es, wenn Jesus nicht in einem Stall in Bethlehem, sondern ganz woanders in dieser Welt geboren worden wäre? Der evangelische Pfarrer Martin Jordan verlegt das Geschehen in Heinsberg jetzt sogar in einen Zirkus.

Statt Akrobatik und Tierdressuren präsentieren Heinsberger Kinder und Jugendliche am heutigen Heiligabend ab 16.30 Uhr im Weihnachtszirkus an der Schafhausener Straße 50 bei freiem Eintritt ein Krippenspiel im Rahmen eines Familiengottesdienstes, parallel zum Gottesdienst in der Christuskirche, der um 16 Uhr beginnt.

Die Idee zu diesem kreativen Projekt wurde eher aus der Not heraus geboren. Gerade an Heiligabend kämen sehr viele Menschen in die Kirche, erzählt der Pfarrer. Und seit es keine Gottesdienste mehr in der inzwischen entwidmeten Erlöserkirche gebe, sei die Christuskirche schlichtweg überfüllt. Im vergangenen Jahr sei Pfarrer Sebastian Walde parallel mit der mobilen Kirche unterwegs gewesen, aber dies sei in dieser Jahreszeit durchaus ein Wagnis in Bezug auf das Wetter. Als er dann gehört habe, dass der Weihnachtszirkus wieder in Heinsberg gastiere, sei er auf die Idee gekommen, die Zirkusfamilie anzusprechen, so Jordan.

„Ich habe direkt ja gesagt!“, erinnert sich Sina Trumpf, die zur großen Familie des Zirkus Aladin gehört. Sieben Erwachsene und sechs Kinder gehören dazu. „Früher sind wir immer mit dem Opa an Heiligabend in die Kirche gegangen“, erzählt sie. In den letzten Jahren sei ihr dies aufgrund der vielen Arbeit im Zirkus jedoch gar nicht mehr möglich gewesen. „Deshalb freuen wir uns natürlich in diesem Jahr ganz besonders, dass wir einen Gottesdienst im Zirkus haben werden.“

Musiker im Krippenspiel sind Pfarrer Martin Jordan mit der Gitarre und seine Frau Wiltrud. Sie haben auch das neue Krippenspiel geschrieben, das im Zirkus spielt. Foto: Anna Petra Thomas

Hier, in der Manege, stand jetzt jedoch zunächst einmal die Generalprobe für das von Martin Jordan und seiner Frau Wiltrud eigens für diesen Heiligabend geschriebene Stück in fünf Szenen auf dem Programm. „Auf geht´s!“, motivierte der Pfarrer die Kinder, die schon nach wenigen Minuten in der Kälte der Manege ziemlich verfroren wirkten. „Das wird morgen anders sein“, verspricht ihnen Sina Trumpf. „Bei allen Vorstellungen und natürlich auch beim Gottesdienst ist unser Zirkus gut geheizt.“

Doch jetzt war erst einmal Bewegung angesagt, um nicht allzu sehr zu frieren. Das Stück beginnt mit einem Lied. „Ich möcht´mit einem Zirkus ziehn“, klingt es aus den 14 Kehlen, begleitet von Wiltrud Jordan am Klavier und Martin Jordan mit der Gitarre. In der ersten Szene sehen die Zuschauer eine Mutter mit vier Kindern, die nach dem Besuch einer Zirkusvorstellung auf dem Weg nach Hause sind. „Rausgehen, ihr müsst erst einmal rausgehen, damit ihr reinkommen könnt!“, heißt hier die erste Regieanweisung, als Martin Jordan die Kinder hinter den dicken, roten Samtvorhang schickt.

Zu Hause angekommen, sollen die Kinder mit der Mutter die Krippe aufbauen und finden das ganz schön langweilig. „Wisst ihr: Diese alte Geschichte ist ein wenig wie der Zirkus“, hält dem die Mutter entgegen. „Im Zirkus habt ihr einen Riesenspaß gehabt. Da passieren wunderbare Sachen.“ So ähnlich sei das auch damals gewesen. „Die Welt wurde bei der Geburt von Jesus auf den Kopf gestellt – und das feiern wir an jedem Weihnachtsfest“, sagt sie. „Gott will die Menschen auch fröhlich machen. Und friedlich. Und wie im Zirkus sollen alle Menschen zusammenhalten und für einander da sein.“ 

Als die Kinder eingeschlafen sind, beginnen sie zu träumen. Wie die Geschichte weitergeht, wollen die Krippenspieler noch nicht verraten. Das erfahren erst die Besucher des Gottesdienstes.

Ein bisschen mehr Frieden, ein bisschen mehr Verständnis für ihren Zirkus würde sich Sina Trumpf nicht nur im Traum der Kinder, sondern auch im wirklichen Leben wünschen. An vielen Stellen habe sie auch in Heinsberg nicht einmal mehr ihre Zirkuswerbung auslegen dürfen. Weil ihr Zirkus noch Tiere habe, sei ihr als Grund genannt worden. „Aber wir können uns ein Leben ohne unsere Tiere gar nicht vorstellen“, sagt sie.  Vor allem die Kinder hätten immer viel Freude daran, die Tiere zu sehen. „Und die Tiere haben es gut bei uns.“ Davon überzeuge sich auch der zuständige Veterinär jedes Mal, wenn die Zelte neu aufgeschlagen seien.