Wassenberg: Der Riss durch den Bergschadensverein ist gekittet

Wassenberg: Der Riss durch den Bergschadensverein ist gekittet

Das Ergebnis der Kampfabstimmung war eindeutig. Die Mitglieder der Bürger gegen Bergschäden haben Wolfgang Meurer als Vorsitzenden wiedergewählt. Er setzte sich mit 26 zu elf Stimmen — bei einer Enthaltung — gegen seinen Kontrahenten Heinz Spelthahn durch. So weit, so einfach. Dabei ist die jüngste Geschichte des Vereins weitaus komplizierter.

Durch den alten Vorstand ging zuletzt ein tiefer Riss. Auf der einen Seite des Grabens standen Spelthahn und Hans-Gerd Linneweber, auf der anderen Seite Meurer und der Rest des Vorstands.

Und dieser Streit spiegelte sich auch im Verlauf der Mitgliederversammlung am Mittwochabend wieder. Die Kontrahenten hatten vorher klargemacht, dass sie nur noch ohne die Gegenseite weitermachen wollen. Und so unversöhnlich, wie diese Voraussetzung war, ging es dann auch zu. Der Ton war rau, die Argumentation aggressiv und die Mitglieder genervt.

Der Erste verließ den Saal des Wassenberger Restaurants „Zur Rennbahn“ schon nach wenigen Minuten. Meurer hatte begrüßt, Spelthahn und Linneweber gleich als „Querulanten“ bezeichnet. Darauf setzte es einen Zwischenruf und Meurer drohte mit Rauswurf.

Beruhigt hatte sich danach aber offenbar niemand. Der Krach im Vorstand wurde weiter vor dem versammelten Verein ausgetragen. Als die Diskussion um die Änderung der Tagesordnung zu einer formaljuristischen Auseinandersetzung zu werden drohte, verließ das zweite Mitglied den Raum.

Dann ging es zwischendurch einmal kurz um Inhalte — also um Bergschäden. Meurer sagte, dass es ihm und seinen Mitstreitern darum gehe, den Betroffenen von Bergschäden zu helfen. Bei einer Ersteinschätzung berieten sie dazu, ob es sich bei Schäden an Gebäuden tatsächlich um Bergschäden handele und ob Ansprüche gegen die bergbautreibenden Unternehmen durchgesetzt werden könnten.

Anschließend würden sie die Mitglieder vor der Schlichtungsstelle oder vor Gericht vertreten. Spelthahn und Linneweber gehe es dagegen eher darum, politischen Einfluss zu nehmen — zum Beispiel im Unterausschuss des Landtages.

Und dann kam noch einmal die Versammlung vom 18. November zur Sprache. Der Vorstand hatte Spelthahn und Linneweber zuvor aus dem Verein ausgeschlossen. Die wiederum hatten das per einstweiliger Verfügung verhindert.

An diesem Novemberabend sollten sie mit „Bodyguards“ (O-Ton Linneweber) von der Versammlung ferngehalten werden. Spelthahn und Linneweber verschafften sich aber mit Hilfe der Polizei Zutritt. Diese Posse schlug übrigens auch in der Kasse des Vereins zu Buche: 762 Euro Gerichtskosten plus 262 Anwaltshonorare.

Bis der neue Vorstand dann gewählt werden konnte, vergingen noch ein paar Minuten: Stimmzettel für die geheime Wahl verteilen, Anzahl der stimmberechtigten Mitglieder feststellen, Stimmauszähler bestimmen — das kann dauern. Als alle Kreuze gemacht waren, ging es ans Zählen. 39 stimmberechtigten Mitgliedern standen dann aber 40 abgegebene Zettel gegenüber. Und das ganze Spiel ging noch einmal von vorne los. Da ist übrigens wieder ein Mitglied nach Hause gegangen.

Das Ergebnis der Auszählung der verbleibenden 38 Stimmzettel ist bekannt. Bei der letzten Abstimmung über die Kassenprüfer waren nur noch 28 Stimmberechtigte im Raum.

Nach der Versammlung sagte Meurer, dass er hoffe, dass die Vorwürfe, die Linneweber und Spelthahn im Vorfeld gegen ihn und sein Team erhoben hatten, nun aus der Welt seien. Es habe sich dabei um „heiße Luft“ gehandelt.

Die beiden warfen „der Gruppe um Meurer“ vor, durch ihre Vereinsarbeit nur Mandate und Aufträge abgreifen zu wollen. Ein weiterer Vorwurf: Meurer habe sich nicht energisch genug für die Mitglieder eingesetzt. Meurer sagte, dass genau das Gegenteil der Fall sei. Sein Team habe Mitglieder kostenlos beraten. Er sprach von ehrenamtlicher Arbeit. Um Gebührenschneiderei gehe es nicht.

Bleibt zu hoffen, dass der Vorstand sich nun wieder um die Belange der Mitglieder kümmern kann. Der Riss durch den Verein ist jedenfalls vorerst gekittet.