Wegberg-Wildenrath: Der mobile Gemüsemarkt: Auf „d‘r Jung“ ist seit 30 Jahren Verlass

Wegberg-Wildenrath: Der mobile Gemüsemarkt: Auf „d‘r Jung“ ist seit 30 Jahren Verlass

Ein Freitag im November: Es ist ein guter Tag für den „Reisenden in Sachen Obst und Gemüse“. Die Sonne malt noch einmal ein paar Kringel auf die prallen Weintrauben, wirft die Schatten der Kundschaft auf Kartoffelsäckchen und Tomatenkisten. Es könnte auch kalt sein, regnerisch, neblig und grau — usselig, wie der Niederrheiner so schön sagt. Peter Weerts lacht. „Ich bin abgehärtet!“

Kälte macht ihm nichts, bei Regen kommen natürlich ein paar Käufer weniger, wirklich schlimm sind eigentlich nur Sturm und Frost. Weil dann sein Marktschirm wegfliegt oder seine Ware befriert. An jedem Freitag und Samstag biegt der grüne Kastenwagen wenige Meter vor der Tankstelle in Wildenrath ab, und Peter Weerts beginnt, seine Ware auszuladen.

Er wird erwartet, „d‘r Jung“, wie ihn viele seiner Kunden nennen, die ihn fast ausnahmslos duzen. Er gehört irgendwie dazu, zu den Wildenrathern, Arsbeckern, Dalheimern, die bei ihm einkaufen, „d’r Jung“. Er ist fast wie ein Relikt aus alten Zeiten und versorgt die Menschen auch dort, wo es sonst kaum Alternativen gibt.

Obwohl er längst aus dem Alter raus ist, in dem man ihn „d’r Jung“ nennen dürfte, ist das für Peter Weerts okay. „Das kommt noch aus der Zeit, als ich mit meiner Mutter hier am Stand arbeitete, das war 1984.“ Sein Vater hat einen Großhandel geführt, Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants beliefert. Dann kamen die Discounter, das Geschäft ging rapide bergab. Peter Weerts hat eine Lehre zum Großhandelskaufmann gemacht, aber einen Großhandel konnte er nicht mehr übernehmen.

Er hat sich den Umständen angepasst: „Radikal verkleinert.“ Seitdem steht er mit seinem Stand in Brüggen während der Woche und in Wildenrath am Wochenende, seit mehr als 30 Jahren. Schon lange gibt es in Wildenrath kein Einzelhandelsgeschäft mehr und einkaufen kann man hier nur noch Brot und Benzin. Sein Stand ist also ein Einkaufsparadies mit frischem Obst und Gemüse. Ergänzt um saisonale Ware, im Moment Nüsse und Tannenkränze, im Frühjahr Primeln und Hornveilchen, im Mai Spargel und Erdbeeren.

„Ich habe eigentlich nur Stammkundschaft“, darauf ist er ein bisschen stolz. Nur wer Qualität und Frische zu einem vernünftigen Preis bietet, kann die Kundschaft über so lange Zeit halten. Hier muss niemand ein Kilo Äpfel nehmen, der nur zwei braucht. „Im Supermarkt ist doch fast alles abgepackt“, sagt er und schimpft kurz über den ganzen Müll, der da produziert wird. Tomaten wie seine, „die gibt’s in keinem Supermarkt“. Das Gemüse bezieht er frisch vom Bauern in Overhetfeld, „alles regionale Ware“, seine Äpfel und Birnen holt er vom Bauern nebenan, über den Großhandel bezieht er nur Ware, die es hier nicht gibt.

Seine Kunden sind sich einig: „Qualität“ ist das, was sie immer wieder an den Stand treibt. „Und ich mag den Peter“, sagt ein Kunde aus Arsbeck, um ihn grinsend zu foppen, „wenn er freundlich ist.“ Margarete Hausmann aus Dalheim packt Tomaten und Trauben ein, holt noch ein paar Tannenzweige. „Wenn ich mal krank bin und nicht kommen kann, rufe ich ihn an“, erzählt sie.

Dann macht er auf dem Heimweg einen kleinen Umweg, um die Ware bis an die Haustür zu liefern. Ein regionaler Lieferheld. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt sie, während Peter Weerts die Gesamtrechnung aufstellt. Auf einem kleinen Block, alle Zahlen säuberlich notiert, im Kopf gerechnet.

Was sich verändert hat?

Was sich verändert hat in mehr als 30 Jahren? „Die Leute sind grundsätzlich unzufriedener geworden.“ Und alles muss perfekt sein — immer. Er weist auf ein paar Paprika in einem kleinen Karton. Sie sind nicht mehr ganz frisch und prall — es liegt in der Natur der Dinge, dass auch Paprika alt werden. Die hätte er vor 30 Jahren noch zum halben Preis für den schnellen Verbrauch verkaufen können. „Heute will die niemand mehr, obwohl ich sie verschenke“, sagt er kopfschüttelnd.

Nein, er kennt niemanden, der ähnlich arbeitet wie er. Kollegen, die auf Wochenmärkten stehen, ja, aber einfach zwei feste Standplätze ohne Markttreiben drumherum — nein. Ob er das bis zur Rente machen will, ist für ihn eine sehr seltsame Frage, die er mit ungläubigem Erstaunen quittiert. „Wie — bis zur Rente?“.

Er wird das selbstverständlich machen, so lange er kann und das wird hoffentlich weit über das 65. Lebensjahr hinausgehen. „Denn ich liebe meine Arbeit, auch wenn Sie manchmal mühsam ist“, sagt er und wendet sich seinem kleinen Lieferwagen zu, um eine neue Kiste mit Blumenkohl aus dem Laderaum zu wuchten.