Heinsberg-Horst: Der Lohn für richtig harte Arbeit: Horst liebenswert gemacht

Heinsberg-Horst: Der Lohn für richtig harte Arbeit: Horst liebenswert gemacht

Es gibt kaum eine Ecke in Horst, an der Willi Rütten und Norbert Penners nichts zu erzählen haben. Gebäude, Plätze, Baumreihen — alles hat eine mehr oder weniger lange Geschichte. Und Rütten und Penners können diese Geschichten erzählen. Zum Beispiel die von einem Wegekreuz, das auf blutgetränktem Boden steht.

Dort gab es im Zweiten Weltkrieg einen Panzergraben, das Stück Land davor war vermint. Aber weil dort ein paar Holzkisten lagen, die die Horster zum Heizen brauchten, liefen die Kinder trotzdem auf das Feld. Das traurige Ende: eine Explosion.

Das ist nur eine Anekdote aus Horst. Und bei Weitem die negativste. Bei einem Rundgang durch das Dorf sprechen Rütten und Penners vielmehr darüber, welche positiven Dinge in dem 480-Seelen-Ort geschehen. Die Historie hat eben viele Facetten.

Die Horster schreiben fleißig an weiteren Kapiteln ihrer Geschichte. Sie machen sich Gedanken darüber, wie sich das Dorf entwickelt, was man schöner, praktischer und besser machen kann. Verantwortlich dafür ist vor allem der Heimat- und Bürgerverein. Der hat den Ort auch beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ angemeldet — und gewonnen. Auf Kreisebene räumte Horst Gold ab, auf Landesebene gab es jüngst Silber. „Alles, was wir hier machen, machen wir in erster Linie für das Dorf. Wenn wir dann auch noch was gewinnen, ist das schön“, sagt Penners. Sehr schön sogar. Denn über die Auszeichnung haben sich die Horster mächtig gefreut. Am Landeswettbewerb haben sie schon viermal teilgenommen. Bisher gab es dreimal Bronze. Die Silberplakette sei nun „der Lohn für die harte Arbeit“.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist, dass der Heimat- und Bürgerverein sich nicht auf andere verlässt. Wenn sie etwas umsetzen möchten, dann machen die Männer und Frauen um den Vorsitzenden Willi Rütten das selber. Sie haben ein Bürgerhaus gebaut, einen Boule-Platz angelegt, Basketballkörbe aufgestellt, rund 100 Bäume und viele laufende Meter Hecke gepflanzt, einen Wanderweg angelegt, 15 Bänke aufgestellt, viele kleine Plätze angelegt, und, und, und. Natürlich pflegen die Mitglieder all das auch regelmäßig. In den vergangenen 13 Jahren habe der 78 Mitglieder starke Verein rund 35.000 Euro und viel Eigenleistung in seinen Ort investiert. Für die Bäume im Ort hat Horst einen Sonderpreis vom Verband der Rheinischen Baumschulen bekommen.

Das zeigt, wie groß das Engagement in Horst ist. So viel Herzblut investieren nur Menschen, die an ihrer Heimat hängen. Wie groß die Verbundenheit ist, zeigt auch die Tatsache, dass die fünf Horster Vereine zusammen 200 aktive und 319 passive Mitglieder haben. Das heißt, im Schnitt ist jeder Horster Mitglied in 1,08 Vereinen.

So eine Dorfgemeinschaft macht den Ort auch für junge Leute attraktiv. In Horst gibt es kein Neubaugebiet, und trotzdem ziehen junge Familien dort hin. Sie kaufen alte Häuser und möbeln sie mit viel Mühe auf. In den vergangenen zehn Jahren wurden etwa 20 Häuser in Horst verkauft, die meisten an Leute zwischen 30 und 45 Jahren. Aktuell stehe nur ein Haus im Ort leer.

Zieht man eine Trennlinie bei den 40-jährigen Horstern, dann hat sich das Verhältnis von Älteren zu Jüngeren in den vergangenen Jahren kaum geändert. Leerstand und Überalterung sind in Horst keine Probleme — anders als in vielen anderen kleinen Dörfern.

Beim Rundgang zeigen Penners und Rütten mehrere Häuser, die vor ein paar Jahren noch heruntergekommen aussahen. Jetzt haben die neuen Eigentümer sie zu echten Schmuckstücken gemacht. Das sorgt dafür, dass Struktur und Charakter des Orts rund um die „grüne Mitte“ am Bürgerhaus erhalten bleiben.

Horst ist auch attraktiv, weil es gut an die regionalen Verkehrsströme angebunden ist. Auf ihrem Rundgang sind Penners und Rütten am Bahnhaltepunkt angekommen, dem „Horster Hauptbahnhof“: „Einmal umsteigen und man ist in Paris“, sagt Rütten. In Horst hält die RB33 auf der Strecke Heinsberg-Lindern. Nach Aachen fährt der Zug durch. Und bis zur A46 sind es nur 2,5 Kilometer. Von Horst hinaus in die große, weite Welt — das geht ruckzuck.

Nahe dem Haltepunkt zeigen Rütten und Penners eines der jüngsten Vereinsprojekte. Es ist einer dieser kleinen Plätze, von denen sie schon so viele angelegt haben. Darauf steht eine Sitzgruppe. Und eine Tafel, die ein Bild von Maria und Michel Heuter zeigt, den Wirtsleuten der mittlerweile geschlossenen letzten Gaststätte in Horst. Die haben die Horster noch in bester Erinnerung.

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