1. Lokales
  2. Heinsberg

Dringlicher Appell: Der Katholikenrat bezieht offen Stellung

Dringlicher Appell : Der Katholikenrat bezieht offen Stellung

„Angesichts der Ereignisse in Deutschland, deren zeitlich letzte Schrecklichkeit in Chemnitz wieder deutlich zu Tage getreten ist“, sieht sich der Katholikenrat der Region Heinsberg gefordert, offen Stellung zu beziehen und deutlich zu machen, „dass der von irregeleiteten oder unvernünftigen Menschen gewählte Weg falsch ist und in eine schlechte Zukunft für alle Menschen in Deutschland und Europa führt“.

„Die Welt ist nicht gerecht, und wir Menschen in den reichen Ländern haben das Elend in den armen Ländern und die Fluchtbewegungen durch Stellvertreterkriege oder verfehlte Entwicklungs- und Wirt-schaftspolitik mit verursacht und mit zu verantworten“, heißt es unter anderem in der Erklärung. „Unser christliches Weltbild ist von Menschlichkeit, Gottesebenbildlichkeit und Verantwortung geprägt, von gegenseitiger Achtung und von gesellschaftlichem Einsatz für diejenigen Menschen, die am Rande stehen. Wir suchen und brauchen Bündnisse, bei denen sich Freiheit und Sicherheit, Ökologie und Ökonomie, Erfolg und Armut nicht auseinander dividieren lassen, sondern bei denen sie einvernehmlich und zielorientiert zusammengeführt werden.“

Solche „Bündnisse der Vernunft“ seien für den Katholikenrat „der Rahmen unseres Denkens und Handelns, sowohl für die eigene Orientierung als auch für die öffentliche Diskussion“. Die sozial fundamentierte Demokratie und die christliche Weltanschauung seien die unabänderlichen Grundlagen für solche Bündnisse.

Menschen und Parteien, welche die Aus- und Abgrenzung suchen würden, welche menschenverachtende und andere Personen diskriminierende Ziele verfolgen würden, welche die Freiheit aller Menschen nicht respektieren und verfestigen wollten, gehörten nicht zum Spektrum und Kern dessen, was Demokratie und christliche Verantwortung ausmache. Rechtspopulistische und rechtsradikale Strömungen seien unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild. Die rechtsstaatlichen Prinzipien des Grundgesetzes und die Botschaft des Glaubens seien Orientierungsmaßstab „für unsere politische Arbeit und unseren sozialen Einsatz für die Gesellschaft“.

Der Katholikenrat forderte die etablierten demokratischen Parteien auf, sich nicht in eine Phase politischer Abhängigkeit von Rechtspopulisten zu begeben. Sie müssten die von Rechtspopulisten besetzten Themen entschärfen, indem sie sachliche und zufriedenstellende Lösungen anbieten würden, „die aber im Gegensatz zu rechtspopulistischen Ansätzen mit dem Grundgesetz in Einklang stehen“. Diese Lösungen müssten auch die Ängste in der Bevölkerung ernst nehmen, ohne dass Rechtspopulisten dies als ein Entgegenkommen zu ihrer Politik oder gar eine Übernahme ihrer politischen Forderungen für sich reklamieren könnten.

Die demokratischen Parteien dürften Rechtspopulisten nicht die Möglichkeit geben, sich als unschuldig Ausgegrenzte des Systems darzustellen. Eine „offensive Eindämmung“ des Rechtspopulismus beim Umgang mit Vertretern solcher Parteien und deren Anhängern bedeute die Augen öffnende Darstellung des objektiven Inhalts und die Entkräftung rechtspopulistischer Behauptungen und Forderungen, ohne sie inhaltlich oder politisch aufzuwerten.