Hückelhoven: Der Breteuilplatz gehört wieder den Hobbyschneidern

Hückelhoven: Der Breteuilplatz gehört wieder den Hobbyschneidern

Am Samstag gehörten der Breteuilplatz und der Bereich um das Rathaus wieder den Hobbyschneidern. Denn der deutsch-niederländische Stoff- und Tuchmarkt gastierte zum fünften Mal in der Stadt und hatte wieder alles zu bieten, was man mit Nadel und Faden bearbeiten kann.

An den Ständen hörte man ein lustiges Kauderwelsch aus Deutsch und Niederländisch und den Muttersprachen der Besucher. Denn viele der Marktbesucher stammten aus Familien mit Migrationshintergrund. „Bei vielen Einwanderern ist das Selbermachen noch ganz normal“, erklärte ein Händler. Was bei den Deutschen erst langsam wieder im Kommen ist, hat in vielen anderen Ländern eine lange Tradition.

Nicht nur Tuche oder Wolle waren im Angebot, sondern auch schon fertige Accessoires. Foto: Sommer

Seit dem ersten Markt vor fünf Jahren ist er enorm gewachsen und reichte bis vors Gymnasium. In diesem Mekka für Handarbeiten fand wirklich jeder, was er suchte. Die Auswahl an Stoffen, Wolle, Tüll, Gardinenstoffen und Applikationen sowie schmückenden und nützlichen Accessoires rund ums Nähen war enorm. Und das Wetter spielte auch mit. „Bei meinen ersten beiden Besuchen in Hückelhoven hat es gestürmt und geregnet“, erinnerte sich John Pullens. „Doch diesmal ist es ideal.“

Der Niederländer aus Helmond handelt mit ausgefallenen Stoffen und Futterstoffen. Auf seinen Verkaufstischen stapelten sich rund 3000 Kilo Stoffe, die man als Hobbyschneider sonst lange suchen muss. Von wind- und wasserfesten Stoffen für draußen bis zu Kunstleder in allen Varianten reichte sein Angebot. Wer in seinem breitgefächerten Sortiment nicht fündig wurde, bekam die Visitenkarte und Mailadresse. Denn Pullens weiß, wo man was findet. Er zeigte sich zufrieden mit dem Besucherstrom, der auch nachmittags noch nicht weniger geworden war.

Kein Wunder, schließlich gab es an rund 70 Ständen so ziemlich alles zu kaufen, was man beim Schneidern und Werken mit Stoff braucht. Vor dem Gymnasium hatte Martina Kurmann ihren deutlich kleineren Stand aufgebaut. Die Bochumerin hat sich auf Wolle spezialisiert. „Stricken liegt wieder im Trend“, erklärte sie erfreut. Mit dem Wetter war sie mehr als zufrieden, denn „für Wolle darf es nicht zu warm sein, sonst bleiben die Kunden weg“. Und nach dem kalten Wetter rüsteten sich viele Kunden mit Wolle aus, um sich für den nächsten Winter die warmen Socken selbst zu stricken. „Selbst gestrickte Socken verlieren nicht die Form und halten viele Wäschen aus, wenn man die richtige Wolle wählt“, erklärte sie. Und das erklärte sie auch den Kunden, die sich gerne ausgiebig beraten ließen.

Unter den Kundinnen waren auffallend viele junge Frauen, die gezielt nach modischen Farben suchten, um dann zu Hause die Stricknadeln klappern zu lassen. Petra Schäfer aus Erkelenz war extra für den Markt nach Hückelhoven gekommen. Neben schönen Stoffen war sie vor allem auf der Suche nach Knöpfen und verschiedenfarbigen Klettbändern. Fündig geworden war sie auch schon. Und weil die Suche nicht so lange gedauert hatte wie eingeplant, bummelte sie noch ausgiebig an den Ständen entlang und ließ sich von den vielen bunten Designs der Stoffe inspirieren. Auch sie ist der Meinung, dass Selbermachen im Trend liegt. Und das habe nichts mit Geiz zu tun, wie sie betonte.

„Ich sehe ein schönes Kleidungsstück im Laden und überlege mir dann, ob ich es nicht selbst einmal probieren soll“, berichtete sie. Schließlich sei ein selbst geschneidertes modisches Top im Sommer gleich etwas ganz anderes als die Ware von der Stange. „Außerdem weiß ich da nie, ob es nicht aus einem pakistanischen Sweatshop kommt, wo Kinder für einen Hungerlohn ausgebeutet werden.“ Darüber hinaus sei die Arbeit mit Nadel und Faden sehr entspannend — und mit einem schicken teil, das sonst niemand hat, werde man außerdem auch noch belohnt.

(hewi)
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