Wegberg: Den Eichelhäher als Verbündeten ins Boot geholt

Wegberg: Den Eichelhäher als Verbündeten ins Boot geholt

Gemeinsam mit niederländischen Partnern und Naturschutzeinrichtungen engagiert sich die Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Naturschutz.

Das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Netzwerk Grüne Grenze — Eichen-Birkenwaldverbund Meinweg“, ein Projekt, das im Mai 2012 startete, hat den Waldumbau in der Meinweg-Region zum Ziel. Dabei sollen noch bestehende Eichen-Birkenwaldbestände verbunden oder neue angelegt werden, um diesen hier selten gewordenen Waldtyp zu erhalten und zu verbessern. „Das erfordert neben der Entfernung von Nadelbäumen Aufforstungen und Unterbauten mit Eichen in lichten Kiefernbeständen“, erläuterte Martin Wingertszahn, Bundesforstbetrieb Rhein-Weser.

„Die mit dem Vogel pflanzen“. Bürgermeister Reinhold Pillich, Martin Wingertszahn (Bundesforstbetrieb Rhein-Weser) und Dr. Brigitta Szyska (NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath) befüllen den ersten Foto: Monika Baltes

Im herbstlichen Wald auf dem Gebiet des ehemaligen Petrol-Lagers in Arsbeck trafen sich Vertreter von Nabu, Bundesforstbetrieb Rhein-Weser und Stadt Wegberg, um einen vierten Verbündeten für das Vorhaben ins Boot zu holen: den Eichelhäher. Dieser gescheite Waldvogel mit den blau schillernden Federchen am Flügelbug spielt eine wesentliche Rolle. Seinen Namen verdankt der Eichelhäher seiner Lieblingsspeise. Bis zu zehn Eicheln kann er im Kehlsack transportieren - und trägt dazu nicht selten noch eine im Schnabel. „Die Baumfrüchte versteckt er dann sorgfältig als Wintervorrat im Boden“, erklärte Dr. Brigitta Szyska, Geschäftsführerin des NABU Wildenrath. Ein einzelner Vogel kann bis zu 5000 Eicheln vergraben.

Die Früchte werden einzeln, seltener zu zweien oder dreien in der Bodenstreu, in Löchern und Spalten, in der Vegetation oder an Baumwurzeln versteckt, mit einigen Schnabelhieben hineingetrieben und hernach grob zugedeckt. Da der Eichelhäher im Laufe des Winters nicht alle Eicheln wiederfindet, haben diese Baumfrüchte optimale Keimbedingungen, um zu Eichenbäumen heranzuwachsen. Damit hilft der Eichelhäher dem Wald bei seiner natürlichen Verjüngung. Dieses Verhalten machen sich der Bundesforstbetrieb und die Nabu-Naturschutzstation zu Nutze, indem sogenannte Hähertische in eichenarmen und lichten Waldbereichen aufgestellt werden.

Eine auf einem Stamm befindliche Plattform wird mit Eicheln bestückt: der gedeckte Tisch für den Eichelhäher. Rund 15 Hähertische werden in dafür geeigneten Waldflächen im Gebiet der Stadt Wegberg installiert und bis zum Winter mit zertifiziertem Saatgut der Traubeneiche aus Wildenrath Petersholz aus den Beständen des Bundesforstbetriebs Rhein-Weser beschickt.

„Das passt wunderbar in unsere Leitbildkultur Wohnstadt im Grünen“, freute sich Bürgermeister Reinhold Pillich und ließ es sich nicht nehmen, den ersten Hähertisch höchstpersönlich zu befüllen.

„Solche Ideen sind bei uns ganz herzlich willkommen“, lobte er. Die Stadt Wegberg möchte mit dieser Aktion Vorreiter für weitere Waldbesitzer sein und das Projekt unterstützen. Außerdem gibt die NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath Hähertische inklusive Saatgut kostenlos an Privatwaldbesitzer mit geeigneten Flächen aus dem Kreis Heinsberg ab, um die natürliche Verjüngung von Eichen zu unterstützen.

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