Hückelhoven: „Das Grubenlicht“: Eine ungefilterte Chronik der NS-Zeit im Kreis Heinsberg

Hückelhoven : „Das Grubenlicht“: Eine ungefilterte Chronik der NS-Zeit im Kreis Heinsberg

Sechs Jahre lang, von der Ergreifung der Macht in Deutschland im Jahre 1933 bis zum Überfall auf Polen und damit zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 haben die Nationalsozialisten mit der Zeitschrift „Das Grubenlicht“ versucht, den Bergleuten im Aachener Revier das rechte Licht auf dem Weg zum „tausendjährigen Reich“ zu zeigen.

Nach dem Zusammenbruch des sogenannten Dritten Reiches ist die Zeitschrift lange Jahre in Vergessenheit geraten. Bis sie der Übach-Boschelener Heimatforscher Jürgen Klosa, der 23 Jahre in der Verwaltung der Grube Anna in Alsdorf gearbeitet hat, wieder aufgespürt hat: In der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin und in der Bibliothek Leipzig ist er fündig geworden, hat insgesamt 1232 Seiten von „Das Grubenlicht“ abfotografiert und sie aufwendig in eine Datenbank eingepflegt.

Im Maschinenhaus von Schacht 3 stellte er die Zeitschrift auf Einladung des Arbeitskreises Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande vor. Und übergab Willi Spichartz als Leiter des Arbeitskreises sowie Reinhard Prüfer, Geschäftsführer des Fördervereins Schacht 3, eine CD mit den kompletten 150 Ausgaben des „Grubenlichtes“.

50.000 Exemplare

„Die Zeitung hatte den Zweck, die Bergleute über das Vermitteln eines Gefühls der Kameradschaft auf Linie zu bringen“, sagt Jürgen Klosa bei der Vorstellung seiner Forschungsergebnisse. Er schätzt, dass „Das Grubenlicht“ zweimal im Monat in einer Auflage von etwa 50.000 Exemplaren in den EBV-Zechen Gouley, Anna I und II, Laurweg und Adolf, in den Kokereien, in der EBV-Hauptverwaltung sowie in den anderen Zechen des Aachener Reviers Carl-Alexander in Baesweiler, Carolus Magnus in Übach-Palenberg und Sophia-Jacoba in Hückelhoven vom ersten Erscheinen am 1. November 1933 bis zur letzten Ausgabe am 15. Juli 1939 verteilt wurde.

Acht Seiten umfasste eine der vierzehntägig erscheinenden „Grubenlicht“-Ausgaben normalerweise, „zwei davon waren in der Regel politischer Natur“, sagt Klosa. Auf vielen Titelseiten prangt Hitler, 80 Prozent des Inhaltes war politisch gefärbt, nur etwa 20 Prozent bergbaulich, schätzt Klosa.

In jeder Ausgabe gab es Beiträge zu den Rubriken Anzeigen, Bergbaugeschichte, Bergbauliches, Aus den Betrieben, Fahrten/Reiseberichte, Gedichte, Familiennachrichten, Grubensicherheit, Humor/Rätsel, Vereine/Kameradschaft, Nachrufe, NS-Politik sowie Hausfrauenberichte. „Da war alles angetippt, was das Leben des Bergmanns vor, während und nach der Arbeit beinhaltete“, sagt Jürgen Klosa.

Die Nazis nutzten das speziell auf die Bergleute zugeschnittene und deshalb ungewohnte „neue“ Medium Zeitung so, wie sie auch das noch in den Kinderschuhen steckende Medium Rundfunk geschickt für Propagandazwecke zur „Volkserziehung“ einsetzten. Und man traf in der Zeitschrift offenbar den richtigen Ton, wenn zum Beispiel das Thema Grubensicherheit à la Wilhelm Busch in Reimen und mit Zeichnungen abgehandelt wurde: „Achtlos im Gespräch übers Gedinge/stand sein Fuß hier in der Schlinge...“; oder wenn als achtes der „Zehn Geboten für Lokomotivführer unter Tage“ postuliert wird „Willst du deinen Posten behalten, vermeide jeden Zusammenstoß“...

Lücke geschlossen

„Pathetische Gedichte sind zur Unterstützung für die nationalsozialistische Regierung verfasst, andere heroisieren die Bergleute und deren Arbeit, eingestreut ,harmlose‘ Gedichte zu größeren Familienfeiern der Bergleute — das alles diente der Leser-Blatt-Bindung, und das wiederum in strammem, nationalsozialistischem Geist“, erläuterte Jürgen Klosa Ergebnisse seiner Forschungsarbeit.

Die, so Klosa weiter, schließe „historische Lücken, die man für die Geschichte der einzelnen Gruben im Aachener Revier und damit auch für Sophia-Jacoba schließen muss“. Man könne nicht sechs Jahre in der Geschichte der Gruben ausblenden. Außerdem biete das „Grubenlicht“ eine ungefilterte Chronik dieser Jahre. Todeslisten der Bergleute ließen sich rekonstruieren, Eheschließungen und Geburten sind verzeichnet, oder Kleinanzeigen, die erkennen ließen, woran damals Bedarf im Alltagsleben herrschte.