Hückelhoven: Das Feuer lodert noch immer

Hückelhoven: Das Feuer lodert noch immer

Es gibt Menschen, die halten sich für sportlich, wenn sie im Sommer zweimal pro Woche joggen. Und es gibt Menschen, die marschieren bei zweistelligen Minusgraden am Südpol wochenlang ihrem Ziel entgegen oder absolvieren mal eben acht Iron-Man-Wettbewerbe. So ein Mensch war beim ersten Unternehmertreffen der Stadt Hückelhoven in der Aula zu Gast: Joey Kelly.

Der Ire hat mit seinen 41 Jahren schon eine Menge hinter sich: eine komplette Musikkarriere vom Straßenmusiker zum Popstar mit der „Kelly Family“, die Leitung des Familienunternehmens und eine zweite Karriere als Unternehmer, Autor und Coach. Kelly lebt für jede neue Herausforderung. Denn die braucht er.

Mit viel Humor und ein wenig eigenem Erstaunen berichtete er in der Aula von seinen ersten erfolglosen Gehversuchen bei einem Triathlon. Ohne Training oder Aufwärmen und wegen einer Wette stürzte er sich in die Fluten und wäre nach dem Start fast ertrunken, wenn er sich nicht an einer Boje festgehalten hätte. Doch das Feuer war entfacht.

Und es lodert immer noch in dem erfolgreichen Unternehmer, der eigentlich genug zu tun hätte. Trotzdem heckt er immer wieder neue Herausforderungen aus, denen er sich stellen will oder irgendwie auch muss. Ohne Herausforderung keine Höchstleistung, ohne Qual kein Sieg. Kampf dem inneren Schweinehund — sein Erfolgsrezept ist so einfach und doch so schwer.

„Ich habe das Jammern eingestellt“, betonte er. Und wenn man so weit sei, könne man alles erreichen. Erzählen kann er, dieser Joey Kelly. Zum Beispiel von den Anfängen der „Kelly Family“, die über 20 Millionen Tonträger verkauft hat. An guten Tagen verdienten sie als Straßenmusiker bis zu 20.000 Mark, „Cash auf die Hand“.

Wenn die Familie nicht 1976 auf dem Weg nach Rom in Italien ausgeraubt worden wäre, hätte sie nie mit dem Singen begonnen. Dass das nicht von allen als schade empfunden wird, ist Kelly klar, und so begann er diese Passage seines Vortrages mit den Worten „Kennt noch jemand die Kelly Family? Gibt auch jemand zu, dass er sie mag?“ Es blieb immerhin eine von zuerst vielen Händen oben.

Fußballmanager Rainer Calmund ließ sich ein Jahr lang von Joey Kelly trainieren und verlor dabei über 30 Kilo Gewicht. Am Ende nahm er gehend an einem Halbmarathon teil und erklärte hinterher: „Wenn man mit Joey Kelly trainiert, freut man sich aufs Sterben.“ Der „Gelobte“ nimmt so etwas als Kompliment, denn „sich quälen“, „kämpfen“ und „leiden“ sind häufig gehörte Vokabeln in seinem Vortrag.

Grenzen überwinden

Er geht an die Grenzen und überwindet sie erfolgreich, auch wenn er dafür 400 Kilometer zu Fuß zum Südpol oder hundert Kilometer durch die Wüste laufen muss. „Ich arbeite und lebe grundsätzlich nicht ohne Ziele“, erklärte er dem fasziniert lauschenden Publikum. „Denn wenn ich denke, ich brauche nicht mehr zu kämpfen, dann habe ich bereits verloren.“

Anschließend gab es für das Publikum original verschweißte „Kelly Family“-CDs als Geschenke — „davon habe ich noch ein ganzes Lager voll“ — und sein Buch „Hysterie des Körpers“, auf Wunsch mit Signatur des Autors.

(hewi)
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