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Coronavirus: Schützen in Ophoven demonstrieren

Schützen protestieren : Demonstriert statt Kirmes gefeiert

Gegen die Absage ihrer Kirmes und für Gleichberechtigung in der Corona-Krise haben am Samstag die Ophovener Schützen demonstriert – friedlich, aber deutlich.

Was auf den ersten, flüchtigen Blick anmutete wie eine verbotene Kirmesveranstaltung in Coronavirus-Zeiten, war auf den zweiten das genaue Gegenteil: Die Marianische Schützenbruderschaft in Ophoven hatte am Samstag zu Kundgebung und Demonstration auf den Bleekplatz eingeladen, um gegen die Absage ihrer Kirmes zu protestieren.

Und sie demonstrierte tatsächlich – friedlich, aber deutlich gegen die Einschränkungen, die nicht nur ihr, sondern derzeit allen Vereinen in unserem Land noch auferlegt sind. Ordnungsgemäß angemeldet hatte sie dazu bei der Polizei eine Versammlung nach dem Versammlungsrecht, wie sie auch in Coronavirus-Zeiten möglich ist.

„Platz einnehmen und sich nicht mehr zu nahekommen“, mahnte der Ordner jeden Schützen und jeden Musiker des Trommler- und Pfeiferkorps, bevor er ihm Einlass auf den durch rot-weißes Flatterband abgesperrten Platz gewährte. Nachdem die rund 50 angemeldeten Teilnehmer alle im 1,50-Meter-Abstand an ihrem grün-weißen Fähnchen im Rasen Platz genommen hatten, ergriff Brudermeister Mario Zierke, zugleich amtierender Kaiser der Bruderschaft, das Wort.

„Unsere Kirmes wurde abgesagt, genau wie unser Vogelschuss und unser Maifest, das Bleekfest des Trommlerkorps sowie alle anderen Veranstaltungen, bei denen das Trommlerkorps gebucht war“, erklärte er. Dem Trommler- und Pfeiferkorps würden so in diesem Jahr Einnahmen von rund 10.000 Euro fehlen, der Schützenbruderschaft rund 5000 Euro. „Geld, das dringend für Uniformen, Instrumente und Übungsleiter benötigt wird“, betonte er. 

Neben den finanziellen Sorgen sei das größte Problem jedoch, dass es tatsächlich kein Vereinsleben mehr gebe, fuhr Zierke fort. Das führe dazu, dass sich die Mitglieder andere Freizeitmöglichkeiten suchen und weitere Vereine verschwinden würden. Dabei sei doch unbestritten, wie wichtig Vereine für die Gesellschaft seien. „Wir leisten einen hohen Beitrag in sozialer Integration und in der Jugendarbeit“, erklärte er und erhielt dafür auch Beifall der rund 50 Zuschauer.

Inzwischen seien viele Lockerungen umgesetzt worden, nicht jedoch für kulturelle Vereine wie Schützen oder Musikvereine. „Geselligkeit, Singen und Flöte spielen sind absolut gefährlich, während auf der anderen Seite voll besetzte Urlaubsflieger starten und jegliche Art von Sport erlaubt ist“, monierte er. „Eine Privatperson darf mit 150 Personen feiern, ein Verein gar nicht.“

So kam Zierke zum Zweck der Veranstaltung. „Wir appellieren an die Politik, den absoluten Lockdown für unsere Vereine zu beenden und nach Möglichkeiten zu suchen, auch uns ein Überleben zu ermöglichen“, sagte er und fügte gleich hinzu: „Ich hoffe, dass den Kritikern unserer heutigen Demo bewusst wird, dass das hier heute keine Spaßveranstaltung ist.“

(anna)