con brio präsentiert musikalische Weltreise mit Stellas Morgenstern

con brio : Musikalische Weltreise mit Stellas Morgenstern

„Das wird eine Reise in die Lieder und Melodien aus der ganzen Welt“, versprach Rudolf Lengersdorf. Der Vorsitzende des Vereins „con brio – Freunde der Kammermusik“ begrüßte rund 60 Gäste zum ersten Konzert im neuen Jahr. Und 2019 wird für den Verein nicht irgendein Jahr. Nein, es ist das Jubiläumsjahr von „con brio“. Die Freunde der Kammermusik dürfen auf 25 Jahre voller einzigartiger Konzerte und begeisterter Besucher zurückblicken. „Dazu veranstalten wir auch einige Highlights, unter anderem unserer großes Jubiläumskonzert“, bereitete Lengersdorf den Besuchern bereits Vorfreude.

Aber zunächst stand die versprochene Reise an. Und die sollte das Duo „Stellas Morgenstern“ kreieren, bestehend aus Sängerin Stella Jürgensen und Gitarrist Andreas Hecht. „Aber eigentlich sind wir ein Trio, denn unser Songwriter Prof. Yoram Merose ist zwar nie auf der Bühne, aber trotzdem immer mit dabei“, erklärte die Sängerin. Das war die erste Geschichte, die sie zu erzählen hatte, und es folgten noch einige mehr.

Jedes neue Lied begann mit einer Erzählung. Und das war auch notwendig. Denn das Duo hat sich auf Blues, Chansons und vor allem Folk-Songs eingelassen, die Stella auf Englisch, Deutsch, Hebräisch und Jiddisch darbietet. Eine wirklich außergewöhnliche und faszinierende Kunst. Aber gerade beim Jiddischen, der Jahrtausende alten jüdischen Sprache, bedarf es einiger Erklärung zu den Songs. „Dabei sind die Hälfte der jiddischen Wörter fast identisch zum Deutschen, ihr könntet also vieles verstehen“, hob Stella Jürgensen hervor. Alles andere als leicht, wie nicht wenige der Zuhörer schnell merkten.

Und dennoch. Durch ihre tiefgründige Aura und Stellas tiefe Stimme, gepaart mit der jiddischen Sprache und Ukulele oder Banjo als Instrumente, die für außergewöhnliche Melodien sorgten, entstand so eine Klangwelt der Fremdheit. Manchmal voller Freude, kurz danach fast schon melancholisch.

„Wir wollen in keine Schublade passen“, betonte das Duo, oh pardon – Trio, immer wieder. Auch ihre Biografien angefangen von Hamburg über Israel bis nach Chile belegten dies auch geografisch.

Und die Geschichten, jede für sich einzigartig. Mal ganz persönlich über ihre Kochtraditionen jeden Mittwochabend, mal umfassender und auch politisch. „Uns ist auch etwas mulmig zurzeit“, begann Stella zu erzählen. „Denn wenn Faschisten im Deutschen Bundestag sitzen und Rechtspopulisten auf der ganzen Welt an Macht hinzugewinnen, wem ist dann nicht mulmig?“, fragte sie. Ihr Rezept dagegen. „Lasst uns im Fremden etwas Bereicherndes sehen und zusammenstehen gegen die Furcht.“ Und passend dazu erklangen neue, fremde Töne und Melodien.

So war der Abend gespickt mit Neuheiten, die bei den Besuchern von „con brio“ sehr gut ankamen, auch wenn es diesmal keine klassische Kammermusik war. Im Jubiläumsjahr ist eben alles möglich.

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