Carla Berling bringt Heinsberger Publikum zum Lachen

Autorenlesung : 60 Jahre, das richtige Alter für eine Karriere

Über eine „besondere Autorin“ bei der jüngsten Lesung in seiner Buchhandlung freute sich Marcus Mesche. Carla Berling sei nämlich als sogenannte Selfpublisherin gestartet und habe ihre Bücher zunächst selbst verlegt und vertrieben, erklärte der Buchhändler in seiner Begrüßung.

Inzwischen schreibt sie beim Heyne-Verlag und hier, wie sie später erklärte, inzwischen in gleich zwei Genres. Mit ihrer Komödie „Der Alte muss weg“ war sie bei Gollenstede zu Gast. Demnächst erscheine aber auch ihr erster Krimi in diesem Verlag, verriet sie. Mit Kriminalromanen um die Lokalreporterin Ira Wittkind war Carla Berling, früher selbst einmal als Lokalreporterin und Pressefotografin tätig, zunächst in ihre Karriere im Eigenverlag gestartet.

Schmunzelnd stieg Mesche in den Abend ein, als er beim Blick auf den Buchtitel bemerkte: „Diese Geschichte hat die ein oder andere von Ihnen vielleicht schon einmal nachvollziehen können.“ Das Publikum lachte herzlich und sollte es an diesem amüsanten Abend noch sehr oft tun. Carla Berling verstand es nämlich nicht nur, die heiteren Passagen ihres Schmökers gut zu lesen. Sie schlüpfte gekonnt in die unterschiedlichen Rollen ihrer Schwester Marion und ihrer drei Freundinnen Babette, Elfi und Zita, die unterschiedlicher gar nicht hätten sein können. Vor allem den kölschen Spracheinschlag von Freundin Elfi beherrschte sie perfekt.

Herrlich nahm sie zudem die Rolle vonLesung Erzählerin Steffi ein, Mitte fünfzig und Reihenhausbewohnerin, unzufrieden mit Job, Aussehen, Mann Tom und seinem Faible für Kreuzworträtsel. Und mit ihrem Sexualleben. Das Highlight der Woche ist da noch das Treffen mit Schwester und Freundinnen im Brauhaus. Die Männer sollen weg, aber Haus, Auto, Sparbuch und Designerküche sollen natürlich bleiben. An einem langen Kölsch-Abend entsteht ein perfider Plan, wie eine unauffällige Entledigung der Gatten gelingen könnte.

Zwischen gelesenen Passagen erzählte Carla Berling immer wieder interessant von der Genese ihres Buches. Auf die Idee sei sie gekommen, als sie in einem Café in Köln-Rodenkirchen einem Gespräch mehrerer Frauen gelauscht habe, die so richtig über „ihre Typen“ hergezogen seien. Pate für die einzelnen Figuren hätten viele Personen und Szenen gestanden, die sie in ihrem Kopf quasi gemischt habe. „Die Meersandsammlerin war ich übrgins selbst.“ Und eine Babette, bei der „alles auf Weibchen programmiert“ sei, habe sie bei einem Urlaub kennengelernt. Verwundert zeigte sie sich über die ungewöhnlich hohe Zahl an Männern in der Heinsberger Lesung. „Aber dann habt Ihr jetzt eine Ahnung, worüber Frauen reden, wenn Ihr nicht dabei seid“, sagte sie ihnen.

Steffi und Elfi kaufen schließlich Rizinus-Samen, um ihre Männer loszuwerden. Bei Elfi misslingt der Plan, denn versehentlich frisst die so geliebte Katze das vergiftete Essen. Wie es bei Steffi weitergeht, verriet Carla Berling natürlich nicht. „Wer tot geht, wo, wie und warum“ müsse natürlich jeder jetzt noch selbst weiterlesen, erklärte sie. „Und wenn jetzt jeder hier es drei Leuten weitererzählt, dann füllen wir vielleicht irgendwann einmal die Stadthalle“, schmunzelte sie nach einem unterhaltsamen Abend. „Ich werde nächstes Jahr 60, das ist doch das richtige Alter für eine Karriere!“

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