Bürgermeisterwahl in Heinsberg: Kai Louis will auf den Chefsessel

Bürgermeisterwahl in Heinsberg : Top-Beamter will jetzt auf den Chefsessel

Sich mit Zahlen auszukennen, hat wohl noch nie jemandem im Leben geschadet. Gleichwohl muss man kein Ass in Wahrscheinlichkeitsrechnung sein, um zu wissen, dass die Chancen des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Kai Louis, im nächsten Jahr den Bürgermeistersessel von Amtsinhaber Wolfgang Dieder zu übernehmen, sehr gut stehen.

Die rund 750 Parteimitglieder in Heinsberg waren per Brief aufgefordert worden, bis zum 30. Juni dieses Jahres ihre etwaige Kandidatur kundzutun. Nur Louis warf am Ende seinen Hut in den Ring. Und der Vorstand empfiehlt den Kandidaten nun nach einer Abstimmung mit 28 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen der Stadtverbandsversammlung, die am 27. November offiziell über den Kandidaten der CDU entscheiden soll.

„Theoretisch kann sich aber an dem Tag selbst noch ein Kandidat nachmelden“, sieht sich Louis derzeit noch bescheiden als nur einer der möglichen Bewerber in seiner Partei, die schon seit vielen Jahren in der Kreisstadt bei Kommunalwahlen die absolute Mehrheit der Stimmen aus der Wählerschaft erzielte.

„Ich bin in Heinsberg aufgewachsen, lebe gerne hier, hier bin ich zuhause“, sagt Louis auf die Frage nach den Gründen für seinen Wunsch, Bürgermeister in Heinsberg zu werden. In seinem Wohnort Karken gehört er den Schützen ebenso an wie dem Instrumentalverein. „Es ist überaus reizvoll, an Heinsbergs Zukunft mitgestalten zu können.“

Vielleicht hat sich der Weg schon vor Jahren abgezeichnet. Seit 2007 gehörte Louis dem geschäftsführenden CDU-Vorstand in Heinsberg an, bis 2013 als JU-Vertreter und zwischen 2013 und 2017 als stellvertretender Vorsitzender. „Als Herbert Eßer 2017 nicht mehr zur Wahl antreten wollte und weil mir die CDU am Herzen liegt, habe ich das Amt des Vorsitzenden dann gerne übernommen.“

Von Parteikollegen ermuntert

Den Anstoß, jetzt das Bürgermeisteramt anzustreben, resultiere aus eigenem Interesse, aber auch daraus, von vielen Parteikollegen dazu ermuntert worden zu sein, sagt Louis. Seine Frau Ellen stehe da voll hinter ihm, ist der 35-jährige Vater einer eineinhalb Jahre alten Tochter sicher. „Wenn ich die Familie nicht hinter mir hätte, würde ich es nicht machen. Meine Frau und ich ergänzen uns darin sehr gut, denn sie ist stets mit mir unterwegs.“

Louis’ berufliche Vita nötigt selbst dem skeptischsten Beobachter Respekt ab, denn der derzeitige Leiter des Amtes für Finanzen und Beteiligungen in Heinsberg steht für wahre Superlativen. Seinen Abschluss am Studieninstitut für kommunale Verwaltung Aachen zum Verwaltungswirt schloss er mit der Note „Sehr gut“ als Jahrgangsbester ab. An der Fachschule für Wirtschaft folgte der Abschluss zum Staatlich geprüften Betriebswirt ebenfalls als Jahrgangsbester mit der Note „Sehr gut“ und selbstverständlich legte er sein Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln ebenfalls als Jahrgangsbester mit der Note „Sehr gut“ ab.

Fast schon müßig zu erwähnen, dass er die Traumnote auch bei seinem Master-Abschluss in Public Administration an der Uni Kassel erzielte. Neben seiner Tätigkeit als Amtsleiter arbeitet Louis zudem noch als Fachdozent für Haushaltsrecht, Steuer- und Abgabenrecht sowie Kosten- und Leistungsrechnung beim Studieninstitut für kommunale Verwaltung Aachen an den Standorten in Aachen und Heinsberg. „Die verschiedenen Sichtweisen in Theorie und Praxis wirken sich hierbei wechselseitig äußerst bereichernd aus“, sagt Louis.

Nicht abgehoben

Trotz dieser rasanten Entwicklung wirkt der symphatische Mittdreißger keineswegs abgehoben, sondern angenehm zurückhaltend, stets freundlich und höflich. „Ich finde es richtig, mit einer bescheidenen Grundhaltung an eine solche Aufgabe heranzugehen. Als ich Amtsleiter wurde, war ich auch vielfach jünger als die mir unterstellten und zum Teil langgedienten Kollegen. Da macht es keinen Sinn, seine Position mit Druck und Autorität zu behaupten, sondern mit Menschlichkeit und fachlicher Kompetenz.“

Dennoch müsse man natürlich auch in der Lage sein, Standpunkte durchzusetzen, macht er keinen Hehl daraus, dass das Amt des Bürgermeisters auch mit einem Führungsanspruch einhergeht. Der Bürgermeister sei jedoch für alle da, nicht bloß für nur eine Partei, erklärt Louis seine Sichtweise. „Da muss man sich dann auch an die eigene Nase fassen und das umsetzen.“

Vielleicht erhält er nach der Kommunalwahl im nächsten Jahr ja die Chance dazu.